Noch immer hier?

Warum steige ich Ü50 in so ein Blog ein? Keine (vorgefertigte) Antwort, aber Gedankenfutter fand ich im Vorwort zum dritten Gothic-Band von Peter Matzke und Tobias Seeliger (Berlin, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2006). Da heißt es:

„Die Gothic-Szene ist zu einer postadoleszenten Bewegung geworden (…) Das Beharrungsvermögen des durchschnittlichen ‚Grufties‘ in ’seiner‘ Szene ist länger, viele kommen irgendwann in ihren Sinnsucherjahren hinein – und bleiben (vielleicht, weil sie festgestellt haben, dass die Sinnsucherjahre nie aufhören…) (…) Gothic ist keine temporäre musikalische Welle, keine schnelle Mode – (…) Das Gothic-Movement hat aufgehört, eine Jugendbewegung zu sein.“
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Umbra et Imago auf YouTube

Kleiner Hinweis für die U&I Fans, die nicht so oft in YouTube reinschauen: der Kanal wird mit Videos gefüllt – da tut sich gerade etwas mehr als sonst. Sehr schön z.B. der 1993er Auftritt beim Zillo-Festival, das Akustik-Set von 2011 mit über einer Stunde Länge oder der 16-minütige erste Teil einer Art Bandgeschichte unter dem Titel Dreams, Sex & Eternity.

Nachtrag Mai 23: Nun sind auch Teile 2 und 3 der Bandgeschichte online sowie ein 80-minütiges Tour-Video von 1994, s. Band-Channel.

M’era Luna 2022 im Stream

Ein paar Eindrücke von der Terrasse… 😉

VNV Nation war(en) natürlich absolute Klasse mit dem „Classic Set“. Endlich mal wieder ein ruhiger Ronan, der nicht außer Puste kommt und zeigt, wieviel Atmosphäre er mit seiner Stimme erzeugen kann. Und wenn er dann so bewegt ist, ihm die Tränen kommen, dann habe ich auch Gänsehaut. BTW, wenn ich Illusion zur Gitarre singe, muß ich je nach Ausgangsstimmung auch mal mit einem Refrain aussetzen, weil mir die Stimme weggeht. Ist einfach eines dieser „Lieder meines Lebens“.

Nitzer Ebb – nicht „meine“ Band, aber unglaublich toll, diese Urgesteine erleben zu dürfen. (Für mich auch Musik, die ich besser hören kann als z.B. Combichrist.)

Nach VNV mein Highlight: The Beauty of Gemina. Die MUSS ich mal in einem kleinen Club sehen, aber leider liegt die September-Tour in meiner Urlaubswoche… In meiner Playlist sind „Into Black“, „Last Night Home (Acoustic)“ und „One Million Stars“.

The Mission – nö, zu oft gesehen und Wayne wird nicht besser.

Blutengel – hin- und hergerissen: schöne Melodien, aber doch hart an der Pop-Unerträglichkeitsgrenze. (Und schon habe ich „Morning after the War“ ungewollt als Ohrwurm im Kopf.)

Lord of the Lost „Ensemble“ – gehen in dieser Form in die Blutengel-Richtung. Da paßt es irgendwie, daß Harms das neue Album von Nino de Angelo produziert hat.

Schandmaul – hm, da bin ich auch sehr ambivalent. Etliche Mal live gesehen; es gibt viele Lieder, die ich mag. Die Stimme des Sängers ist unverwechselbar und trägt viel zum Erfolg der Band bei. Keine abgefahrene Show, sondern Konzentration aufs musikalische „Handwerk“. Was mir persönlich nicht gefällt, sind die politischen Statements von der Bühne herab (das sollte in einem anderen Rahmen diskutiert werden). Und – gefühlt – jedes Jahr die Werbung für Viva con Agua… Ich meine, die Leute von VcA laufen ja schon offensichtlich auf dem Festival-Gelände herum und bekommen auch von mir Pfand (wenn ich vor Ort bin <g>), aber da muß ich nicht von der Bühne herab belehrt werden.

Und natürlich kann man schon auf der ML-Seite die ersten Acts für 2023 sehen… (neben vielen Impressionen vom Wochenende)

 

Birthday Party

Ich bin nicht beim M’era Luna 2022, obwohl ich mir kurz überlegt hatte, insbesondere nach dem schönen Wiedertreffen meines Freundes R. beim Amphi, doch noch schnell eine Karte zu kaufen.

Dafür war ich gestern bei einem anderen Freund eingeladen, ebenfalls R., der auf der ausgedörrten Wiese zwischen zwei Häuserblöcken ein paar Gäste zu seinem Geburtstag eingeladen hatte. Begrüßt wurde ich mit Musik von den Crüxshadows, die kristallklar und kräftig aus einer Teufel Rockster Cross erschallte. 40 Jahre kennen wir uns, eine Freundschaft, die wirklich Jahrzehnte überdauert hat. Er war es damals, der mit der Sisters-Platte unter dem Arm bei mir auftauchte. Auch hier bei den Crüxshadows, die er noch gar nicht so lange kennt, ist es ähnlich verlaufen: Auf seiner Arbeit steht heute eine Bluetooth-Box, über die die Mitarbeiter eigene Musik (nicht) spielen dürfen. Er hatte eine Dark-Wave-Playlist wohl auf Amazon Music gefunden – und sich an der Truppe um Rogue festgehört.

So saßen wir auf der Wiese, grillten, tranken Hasseröder und redeten darüber, wie wir einst unsere Rollatoren aufbohren würden, damit sie ein paar Bierflaschen und eine größere Bluetooth-Box befördern könnten. 🙂

VNV Nation kam bei einer sehr spießig wirkenden Frau so um die 60/65 nicht gut an. R. solle mal „richtige Musik“ anmachen, an der alle Spaß hätten, also schönen deutschen Schlager, natürlich. Da war ich dankbar, daß sich um 22:07 Uhr ein Anwohner über die Musik beschwerte – endlich abstellen können.

Und der andere R., ja, der ist mit Tochter beim M’era Luna – und sie haben tatsächlich direkt an der Landebahn ein Plätzchen für ihr Zelt ergattert. *neid*

Angesichts der neuerlichen Covid-Maßnahmen ab 1.10. wäre es sinnvoll, Konzertevents bis dahin tatsächlich noch „mitzunehmen“. Mal schauen, vielleicht gehe ich übernächste Woche zur „Nacht der Helden“ nach Koblenz. Ist nicht meine Musik – vielleicht bis auf Lord of the Lost -, aber es wäre schön, vor der beeindruckenden Kulisse der Festung Ehrenbreitstein noch ein bißchen „Sommer-Freiheit“ zu erleben.

Persönliche Musikgeschichte, Teil 1

„When the act of reflection takes place in the mind, when we look at ourselves in the light of thought, we discover that our life is embosomed in beauty. Behind us, as we go, all things assume pleasing forms, as clouds do far off. Not only things familiar and stale, but even the tragic and terrible are comely as they take their place in the pictures of memory“.

       [Spiritual Laws (Auszug), R.W. Emerson]

Hier schreibe ich in mehreren Teilen über meine Musikbegeisterung, über Bands, Konzerte, Festivals, aber eher mit dem breiten Strich als dem Blick aufs Detail. Ich verzichte auf Links zu den Bands (offizielle oder Wikipedia-Seiten) – das kann man bei Bedarf schnell selbst aufrufen.

Ich bin ein Kind des „Summer of Love“ (1967), wenn auch im kalten Februar davor geboren (in die schwarze Kälte hinein <harhar> 😉). Musik war in meiner Kindheit eher die Radiomusik im Hintergrund und die Blasmusik bei Dorffesten, das heißt, meine Eltern pflegten keinen speziellen Musikstil und hörten nicht (mehr) bewußt Schallplatten. Meine Mutter zeigte mir immer wieder mal ihre schon recht umfangreiche Schallplattensammlung (Schlager-only), aber die verstaubte vor sich hin. Komisch…

Für mich beginnt „Musik“ als besonders hervortretendes Element meines kindlichen Lebens ca. 1978, also mit ungefähr 11. Erste Lieder, die mir von damals in Erinnerung geblieben sind: Video killed the Radio Star (Bruce Woolley), By the Rivers of Babylon (Boney M.), Tragedy (Bee Gees), vieles von Abba. (Ja, OK, auch Das Lied von Manuel von Pony. 🙄 )

Ich wünschte mir zu Weihnachten einen Radiorecorder und begann, meine Lieblingslieder aus den Radiosendungen heraus auf Cassetten aufzunehmen. Hier galt aber auch für mich bereits das, was ich durch die Jahrzehnte immer wieder erlebt habe: Wer nur auf das reguläre Radioprogramm Zugriff hat, der wird viele musikalische Stile nie entdecken, weil sie keine „air time“ haben. Im Radio, das ich hörte, lief kein Punk, kein Post-Punk…
(Ich habe durch Zufall ein altes Foto gefunden, wo man den Radiorecorder samt meinen ersten orange-schwarzen Kopfhörer sehen kann, s. rechts.)

„Persönliche Musikgeschichte, Teil 1“ weiterlesen

Amphi Festival 2022

– also eigentlich ja 2020, zumindest bin ich mit den 20er-Karten hingefahren, C19 sei Dank – nicht. Zweimal ist dieses Event ausgefallen, jetzt, im Juli 2022, war es möglich ohne Hygiene-Maßnahmen und -Vorschriften. Herrlich, diese Freiheit hat man, so meine ich, gespürt. Wenige Besucher trugen (auch draußen) Maske, aber auch das ist eine Freiheit, die man hat.

Wie in den Vorjahren waren wir, d.h. meine Frau und ich, am Freitag angereist. Auto auf dem Messegelände geparkt, ab ins Hotel, Check-In, dann zum Essen. Abends Bummel am Rheinufer, diesmal leider nicht so ungestört, da gleichzeitig eine Laufveranstaltung stattfand. Es reichte noch für ein Kölsch am „Büdsche“, dann hieß es: wir schließen. Nun gut. „Amphi Festival 2022“ weiterlesen

Genre Guides – Spotify

Ich habe den Sonic Seducer hier so ein bißchen eindimensional von der Berichterstattung her dargestellt, möchte nun aber auf die sogenannten Genre Guides hinweisen, die das Magazin als Playlists auf Spotify erstellt hat. Da kann man tatsächlich jede Menge neuer Bands entdecken.

Beispiele:

Post Punk 2015-2020

Dark Wave

Songs for the Apocalypse

 

No peace of mind for me

Düsseldorf am Wochenende. Ich sitze im Zug mit meiner Frau und einer Gruppe von Freunden, um zu einer bunten Schlagerveranstaltung auf einem Rheinschiff zu fahren. *hust*
Ja, manchmal muß man in einer Ehe Kompromisse eingehen, zumal dieser Freundeskreis meiner Frau „unsere Musik“ nicht teilt – sagen wir, „den Graf“ kennen alle.

Von 1995 bis 2000 habe ich in Düsseldorf gewohnt, in Oberbilk hinterm Bahnhof neben den Rotlicht-Etablissements. Ich werde in meiner geplanten Artikelreihe „Persönliche Musikgeschichte“ auf die Zeit kurz eingehen, weil sie für mich eine Intensivierung in Sachen „schwarz“ brachte.

Wer kennt noch das Usenet? Damals gab es die Gruppe de.soc.subkultur.gothic, in der ich als „rush–>“ schrieb. Aus dem Kopf heraus waren da Menschen wie NickKnight, Uwe, eSpunkt, Danny, Elli, Marcel, Başar, Jörg und die schöne „Hexe“ – und natürlich viele andere. Die FAQ zur Gruppe sind noch online. Sie wurde später wohl als Google Group neu gegründet, aber da finden sich fast nur noch Postings wie „Sklave sucht totale Versklavung“ 🙄. „No peace of mind for me“ weiterlesen