Ohnewelt

Nacht.
Im flackernden Licht der letzten Kerze.

Thessaloniki, Abend, Hafen, Lichter
Hereinbrechende Nacht, Thessaloniki

Du bist fort.
In Unordnung zerstreut.
Gedanken wie Vergangenheit, ein Abend Abende.
In Erinnerung eine ohnmächtige Geste.
Radio lebt – wie dein Duft im Kissen.
Aufräumen im Kopf, im Zimmer –
beseitigen vor dem Morgen,
der mit unheilvollem Licht blendet.
Ewige Dunkelheit
Zustand des Entrückt-Seins, schwebend
ohne Welt – Ohnewelt.
Auf Zeichnungen Aufzeichnungen der Zeit,
der Pflichten des Tages,
verstreut mit dem, das von dir.
Wie lebte wieder ein Jahr um uns,
mit Abenden für uns, nach uns.
Gelübde an die Zukunft – nicht zu halten mit Glück.
Traum von Zukunft?
Im Gewebe ist kein Platz für lose Fäden.
Gedanken wie Vergangenheit, ein Abend Abende.
Mondbeschienen die Ohnewelt,
eine Fahrt in ihr
wie in mitternachtsblauem Aquarium,
schützend.

[© Rush / V. Wagner]

{Ein Text über die Sehnsucht nach der Geborgenheit in der ‚ewigen Nacht‘, der „Ohnewelt“, oder Gegenwelt, das mitternachtsblaue Aquarium, also der Schutz durch die Nacht – das Entrückt-Sein – vor dem unheilvollen Licht des Tages. Die ‚losen Fäden‘ im Gewebe fallen bei Tageslicht natürlich besser auf – verbunden mit den ‚Pflichten des Tages‘, die in der Nacht und der Gegenwart der Geliebten lächerlich hell erschienen. Dieses Gefühl ist noch immer in mir – 30 Jahre später.}

2 Gedanken zu „Ohnewelt“

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