Der Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well (Film)

“Der Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well” wur­de von Scott B. Han­sen 2016 gedreht. Ich habe den Film auf Ama­zon Video gese­hen und ver­ge­be **.
Info @ Film­starts / Der Text spoi­lert den Film!

Ein Film, der viel­ver­spre­chend beginnt, aber sehr schnell berg­ab geht und sich nicht erholt, so schreibt sinn­ge­mäß ein Nut­zer auf IMDB. Das ist tat­säch­lich so: die Ein­gangs­sze­ne des geschei­ter­ten Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well ist sehr gut umge­setzt und macht Lust auf mehr, auf einen guten Film. Den bleibt der Regis­seur schul­dig. Vor allem die schau­spie­le­ri­sche Qua­li­tät ist m.E. noch unter B‑Mo­vie-Niveau…

Ich will den Film daher nicht chro­no­lo­gisch beschrei­ben, son­dern die Geschich­te um Bran­don Jen­sen, den Prot­ago­ni­sten, zusam­men­fas­sen, auch wenn Fra­gen bzgl. der Logik blei­ben. Im Abspann sehen wir, wie ein Mäd­chen in einer Tru­he ein Oui­ja-Brett fin­det. Ich kann nur ver­mu­ten, daß das die jun­ge Tra­cy ist, die dadurch in Berüh­rung mit einer dämo­ni­schen Gegen­welt kommt. Als jun­ge Frau wird sie von ver­mumm­ten Män­nern gekid­nappt und in einem sata­ni­schen Ritu­al in einer Art Stol­len im Berg ver­ge­wal­tigt (neben Satan wird auch Pan ange­ru­fen). Dadurch ergreift offen­bar der Teu­fel oder ein Dämon Besitz von Tra­cy.

Wir sehen dann als Intro-Sze­ne zum Film Bild­ma­te­ri­al aus der 29. Sit­zung des Exor­zis­mus der Tra­cy vom 14.11.1994. Das ist in der Tat sehr gut dar­ge­stellt, v.a. die Ent­stel­lung der Beses­se­nen, die Aggres­si­vi­tät des Dämons. Der Exor­zis­mus geht schief, alle Anwe­sen­den außer Kame­ra­mann und einem Baby, das sich im Haus befin­det, wer­den getö­tet. Eine Beson­der­heit im Rah­men des Film­gen­res ist hier, daß der Dämon Men­schen zwin­gen kann, Waf­fen gegen sich selbst zu rich­ten.  Die­ses Baby ist Bran­don, der in der Fol­ge von einem Paar adop­tiert wird. Wir sehen spät im Film, wie die beses­se­ne Tra­cy am Kin­der­bett steht und in einer nicht genau zu sehen­den Form dem Baby Gewalt antut. Man kann ver­mu­ten, daß sie einen Keim des Dämo­ni­schen dem Kind ein­pflanzt. Wir haben also die Abfol­ge: Oui­ja-Brett – Tra­cy – Ritu­al im Stol­len – Beses­sen­heit – Wei­ter­ga­be an Baby Bran­don.

Sprung zur Jetzt­zeit: Bran­don stu­diert und will für „Reli­gio­nen der Welt“ eine Abschluß­ar­beit zum The­ma Exor­zis­mus ver­fas­sen, da das The­ma auf ihn einen gro­ßen Reiz aus­übt. Er erfährt vom geschei­ter­ten Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well vor 20 Jah­ren in einem Nach­bar­ort. Mit einem Kom­mi­li­to­nen erkun­det er das Haus der Gescheh­nis­se und fin­det das Oui­ja-Board.  Ich kann wei­ter nur ver­mu­ten, daß der schon in Bran­don befind­li­che, dämo­ni­sche Keim ihn dazu bringt, Fund­rai­sing-Kam­pa­gne zu star­ten: er sam­melt 10000$ dafür, daß er sei­nen Kör­per einem poten­ti­el­len Dämon zur Ver­fü­gung stel­len wird. All das soll live im Netz gestreamt wer­den. Bei der ersten Über­tra­gung einer Ses­si­on mit dem Oui­ja-Brett im Haus mel­det sich eine Enti­tät mit Namen „Mana“, die sagt, sie war­te (auf Bran­don).

Die näch­ste Ses­si­on mit einem Medi­um und einer Medi­zin­stu­den­tin läuft aus dem Ruder; danach ist Bran­don ver­än­dert. Er besucht sei­ne Mut­ter, die ihn raus­wirft und sich spä­ter selbst tötet. Eben­so besucht er den Vater, der eben jener Kame­ra­mann ist, der den Exor­zis­mus an Tra­cy auf­ge­zeich­net hat. Erst jetzt erfährt Bran­don, daß er adop­tiert ist. Sei­ne Zuschau­er sehen in all dem einen „Fake“; Bran­don gesteht ihnen, daß nichts pas­siert sei.

Nach dem Tod der Mut­ter flieht Bran­don vor der Poli­zei in den Wald und fin­det sin­ni­ger­wei­se den glei­chen Stol­len des Ritu­als um Tra­cy. Hier wer­den die Film­schnit­te sehr wirr, der Zuschau­er begreift aber zum ersten Mal, daß da eine Art Sek­te Ritua­le abhält. Hier­auf bezieht sich ein Tele­fo­nat zwei­er Män­ner in Busi­ness-Anzü­gen, der eine vor einem Zer­stö­rer der Navy posie­rend, was wohl zei­gen soll, daß die Sek­te in „höch­sten Regie­rungs­krei­sen“ ange­sie­delt ist. Per­son A fragt, ob „es“ der Glei­che ist, B bestä­tigt, A sagt: Dann tun Sie es.

Nun wird klar: Tra­cy wur­de ein „teuf­li­scher Samen“ ein­ge­pflanzt, das Baby, Bran­don, ist davon betrof­fen. Die Per­son B aus dem Tele­fo­nat gibt sich als Prie­ster aus, bie­tet einen Exor­zis­mus an. De fac­to soll Bran­don aber befreit wer­den, um sein dämo­ni­sches Werk fort­füh­ren zu kön­nen („voll­ende dein Werk“). Bran­don tötet ein paar Men­schen, was aber im Film schwach dar­ge­stellt ist. Zuletzt stellt ihn der Detec­ti­ve der Poli­zei, schießt auf ihn. Man sieht eine Traum-Repri­se: die Adop­tiv­el­tern mit dem ‚süßen‘ Baby, dann den erwach­se­nen Bran­don, wie er auf Tra­cy zugeht, so nach dem Mot­to: end­lich sind Mut­ter und Sohn ver­eint. Hier endet der Film.

Die Arbeit des Kame­ra­teams und die Idee mit dem Live­stream vom Selbst­ex­pe­ri­ment loh­nen das Anschau­en, der Rest lei­der nicht.

Infi­ni­ty Pool (Film)

Der Text spoi­lert den Film!

Wür­de ein Mensch, der sich selbst ver­ach­tet, sich haßt, die Chan­ce wahr­neh­men, sein Ich, sei­nen Kör­per töten zu las­sen, um als sein eige­ner Klon erneut/weiter leben zu kön­nen? Aber da dies ein 100%iger Klon ist, ist der Selbst­haß auch wie­der da. Was gewän­ne – ver­lö­re – man?

Ich sage es mal so: Man­ches in die­sem emp­feh­lens­wer­ten Film (allein schon, weil Mia Goth mich trig­gert) bleibt unklar. Bei Ver­bre­chen kann man sich in die­sem fik­ti­ven tro­pi­schen Land von der Todes­stra­fe frei­kau­fen, wenn man die Anfer­ti­gung eines Klons bezahlt, der dann hin­ge­rich­tet wird. Die­sen Frei­brief für unge­zü­gel­ten Hedo­nis­mus und will­kür­li­che Gewalt nutzt eine Grup­pe von rei­chen Urlau­bern aus, feder­füh­rend die ver­füh­re­ri­sche Gabi (Mia Goth), um den Urlaub unge­hemmt und jen­seits gesell­schaft­li­cher Regeln ver­brin­gen zu kön­nen. Infi­ni­ty Pool (Film) wei­ter­le­sen

Der Toten­grä­ber

“Einst, als ich eine mei­ner toten See­len begrub, trat der Toten­grä­ber zu mir hin und sag­te: ‘Von allen, die hier­her kom­men, um zu begra­ben, bist du der Ein­zi­ge, den ich mag.’

Ich sag­te: ‘Das freut mich außer­or­dent­lich, aber war­um magst du mich so?’

‘Weil die ande­ren’, sag­te er, ‘wei­nend hier­her kom­men und wei­nend wie­der gehen. Du bist der Ein­zi­ge, der lachend kommt und lachend geht.’ ”

[Der Toten­grä­ber, Kha­lil Gibran]

Im Som­mer ist’s warm.

M'era Luna Festival, Mera Luna, 2004, Hitze, Sommer, Schirme
Hit­ze beim M’era Luna 2004

Ein war­mer Som­mer­tag kün­dig­te sich heu­te mor­gen an, als ich bar­fuß über die noch küh­len Stei­ne zu den Müll­ton­nen ging. Der Him­mel blau, ein paar Schlei­er­wol­ken. Also schnell einen Kaf­fee getrun­ken und bei noch mode­ra­ten Tem­pe­ra­tu­ren ab ins Fit­ness-Stu­dio.

Dort lief so ein Mor­gen­ma­ga­zin im TV, zehn­fach über­tra­gen in jede Ecke des Stu­di­os. Und Bil­der von aus­ge­dörr­ter Erde, Wald­brän­den, von Unwet­tern nie­der­ge­drück­te Car­ports usw. “Extrem­wet­ter” sei das, stand in den Unter­ti­teln bei abge­stell­tem Ton, aktu­ell eben gro­ße Hit­ze­wel­len, seit vie­len Jah­ren immer wie­der Hit­ze – IM SOM­MER, ihr Dep­pen!
Geht das noch wem auf den Sack, die­ses “betreu­te Leben” seit Coro­na? Ich sehe bei Poli­ti­kern und Medi­en­ver­tre­tern da ein besorg­nis­er­re­gen­des Miß­ver­ständ­nis: sie mei­nen, die “dum­me Bevöl­ke­rung” müß­te stän­dig auf­ge­klärt und ange­lei­tet, mit­hin gegän­gelt wer­den. Von dort ist es ein klei­ner Sprung zu wei­ter­ge­hen­der Kon­trol­le. Wen man stän­dig in Angst und Panik hält, den kann man gut kon­trol­lie­ren. Nein, ist kein poli­ti­sches Blog, aber schaut mal oben auf das Bild: beim hei­ßen M’era Luna 2004 wuß­ten die Men­schen schon, wie man sich gegen Son­ne schützt. So was – woher wuß­ten die das bloß? *face­palm*

Requi­em (Film)

Requi­em” wur­de 2006 von H.-Chr. Schmid gedreht. Ich habe die Kauf­ver­si­on auf iTu­nes gese­hen und ver­ge­be ***.
(Wiki­pe­dia) – Der Text spoi­lert den Film!

Requi­em behan­delt den Exor­zis­mus-Fall der Anne­lie­se Michel, s. Der Exor­zis­mus der Anne­lie­se M. für ein paar Hin­ter­grund-Infos zum ech­ten Fall oder die­sen Arti­kel bei Natio­nal Geo­gra­phic.

Der Film wird auch bespro­chen in Sven Groß­hans’ Buch “Das Schau­spiel der Beses­sen­heit – Exor­zis­mus im Film” (Ber­lin (Logos), 2010).

Hier im Film heißt die weib­li­che Haupt­per­son Michae­la Klin­gler (ver­mut­lich eine wenig krea­ti­ve Wort­schöp­fung aus Klin­gen­berg (Wohn­ort der ech­ten Anne­lie­se) und dem Nach­na­men Michel). Requi­em (Film) wei­ter­le­sen

Bio­lo­gi­cal Needs

Bathroom, Lost Place“… as if Zach con­side­red sex a bio­lo­gi­cal need on the order of going to the bath­room: you did­n’t form an emo­tio­nal bond with every toi­let you took a crap in, and when you were done, you flus­hed and wal­ked away – fee­ling bet­ter, to be sure, but not real­ly thin­king about what you’d just done.”

Pop­py Z. Bri­te, Dra­wing Blood

Der Exor­zist (Film)

Der Exor­zist” wur­de 1973 von Wil­liam Fried­kin gedreht. Der Film basiert auf dem 1971er Roman glei­chen Titels von Wil­liam Peter Blat­ty, der auch das Dreh­buch für den Film (und Exor­zist 3 – basie­rend auf Blat­tys Nach­fol­ge­ro­man ‘Legi­on’ von 1983) schrieb. Ich habe den Film via iTu­nes gekauft (Director’s Cut, s.u.) und ver­ge­be ****. (Wiki­pe­dia)

Die­ser Text spoi­lert den Film!

Der Film wird auch bespro­chen in Sven Groß­hans’ Buch “Das Schau­spiel der Beses­sen­heit – Exor­zis­mus im Film” (Ber­lin (Logos), 2010). Beson­ders aus­führ­lich beschreibt ihn Moni­ka Sca­la in „Der Exor­zis­mus in der Katho­li­schen Kir­che“.

Der Director’s Cut des Roman­au­tors Blat­ty (!) aus dem Jah­re 2001 trägt den Unter­ti­tel: „The ver­si­on you’ve never seen“. Es sind zusätz­li­che Sze­nen wie Regans “Spi­der­walk” zu sehen.
Fried­kin woll­te 1973 ein offe­nes, kur­zes Ende, damit Fort­set­zun­gen mög­lich sind. Blat­ty ver­än­der­te im Director’s Cut dahin­ge­hend, daß Poli­zist Kin­der­man und Pater Dyer sich ver­ab­re­den, was zu Exor­zist 3 über­führt.

Auf You­tube gibt es anläß­lich des 25. Jubi­lä­ums des Films ein „Making of“ mit dem Titel The Fear of God und eine Doku aus dem Jah­re 1974.

Der Film beginnt mit Auf­nah­men im Irak, wo Pater Lan­ke­ster Mer­rin ein klei­nes Amu­lett fin­det, das den Kopf einer Sta­tue des (Wind-)Dämons Pazu­zu dar­stellt.  [Der You­tuber Rob Ager hat die­sen Irak-Vor­spann in einem aus­führ­li­chen, sehens­wer­ten Video erläu­tert.]

Schwenk in die USA, Georgetown/Washington D.C.: dort lebt die geschie­de­ne Schau­spie­le­rin Chris MacNeil mit ihrer Toch­ter Regan. Der in der glei­chen Stadt arbei­ten­de Pater Dami­en Kar­ras wird zunächst beob­ach­tend vor­ge­stellt; er ist eben­falls Psych­ia­ter.

Im MacNeil-Haus gesche­hen selt­sa­me Din­ge, ein Schar­ren ist auf dem Dach­bo­den zu hören, die Toch­ter Regan, 12 Jah­re alt, spielt mit einem Oui­ja-Brett, durch das ihr ein „Cap­tain How­dy“ ant­wor­tet. Bald beginnt Regans Bett nachts zu wackeln, und das Mäd­chen macht die unheil­vol­le Vor­her­sa­ge zu Bur­ke Den­nings, Regis­seur und Freund der Mut­ter: „Du wirst ster­ben da oben!“

Mer­rin und Kar­ras tref­fen sich, letz­te­rer gesteht dem älte­ren Pater, daß er sei­nen Glau­ben ver­lo­ren habe. Kar­ras geht durch eine schwe­re Pha­se: die alters­schwa­che Mut­ter kommt in die Psych­ia­trie und stirbt dort, wäh­rend Kar­ras sich vor­wirft, nicht aus­rei­chend für sie gesorgt zu haben. In sei­ner Kir­che wird eine Mari­en­sta­tue ent­weiht (wobei man nur ver­mu­ten kann, daß Regan das war; im Film wer­den sata­ni­sti­sche Grup­pen dahin­ter ver­mu­tet [mehr dazu und ande­re ver­tie­fen­de Erklä­run­gen mit noch­ma­li­gem Ver­weis auf Rob Ager]).

Regan ist mitt­ler­wei­le cha­rak­ter­lich stark verändert/besessen. Durch ihre Ein­wir­kung stirbt Den­nings tat­säch­lich, indem er eine stei­le Trep­pe neben dem Haus hin­un­ter­fällt. Die Mut­ter läßt Regan im Kran­ken­haus unter­su­chen, es kann kei­ne trag­fä­hi­ge Dia­gno­se gestellt wer­den. Man pro­biert Medi­ka­men­te und Hyp­no­se, doch plötz­lich spricht der Dämon aus dem Kind und greift den Hyp­no­ti­seur an. Nun schlägt einer der Ärz­te im Kran­ken­haus den Exor­zis­mus vor. Regans Zustand wird immer schlim­mer, sie ver­letzt sich selbst mit einer Sche­re, schreit vul­gä­re Phra­sen und ver­än­dert sich äußer­lich stark. Die Mut­ter kon­tak­tiert Kar­ras, der den Exor­zis­mus ablehnt, Regan aber besucht. Als der Teu­fel aus dem Mäd­chen spricht, zwei­felt Kar­ras wei­ter, weil er glaubt, sie hal­te sich für den Teu­fel, ähn­lich wie sich jemand als Napo­le­on sehen kann. Für Kar­ras sind die Sym­pto­me nicht ein­deu­tig: der Dämon reagiert auf „Weih­was­ser“, das nur nor­ma­les Lei­tungs­was­ser ist, ande­rer­seits spricht Regan in Spra­chen, die sie nicht beherrscht. Letzt­lich sieht man in nar­ben­ar­ti­ger Schrift auf Regans Bauch den Schrift­zug: „Help me.“

Nach die­sem „Pro­be-Exor­zis­mus“ bean­tragt Kar­ras den eigent­li­chen Exor­zis­mus, doch Mer­rin erhält den Auf­trag dazu, wäh­rend Kar­ras assi­stie­ren soll. Er weist den Jün­ge­ren an, auf kei­nen Fall direkt mit dem Dämon zu reden. Kar­ras meint, drei Per­sön­lich­kei­ten hät­ten sich in Regan mani­fe­stiert, doch Mer­rin kor­ri­giert ihn barsch: es sei nur eine (der Teu­fel? Pazu­zu?). Regans Lei­dens­ge­schich­te will Mer­rin nicht hören.

Der Exor­zis­mus beginnt, Regan levi­tiert über dem Bett, die Prie­ster rufen wie­der­holt: „Die Kraft Jesu Chri­sti bezwingt dich…“ Die o.e. Moni­ka Sca­la führt aus, daß sich der Film sehr genau an den Ablauf des Exor­zis­mus-Ritu­als der Katho­li­schen Kir­che hält.
Der Dämon greift Kar­ras an, indem er mit der Stim­me von des­sen ver­stor­be­ner Mut­ter spricht. Mer­rin schickt den dadurch beein­träch­tig­ten Prie­ster­kol­le­gen aus dem Zim­mer.  Als die­ser spä­ter zurück­kommt, fin­det er den Älte­ren tot auf dem Bett; Regan sitzt dämo­nisch lächelnd dane­ben.

Sehr deut­lich wie­der­holt die­ser Pater Mer­rin den zen­tra­len Ritus des Chri­sten­tums, das Opfer. Bevor er sei­nen Tod annimmt, lässt der Dämon Regan in der Hal­tung des Gekreu­zig­ten über ihrem Bett schwe­ben, und die Mastur­ba­ti­on mit dem blut­ver­schmier­ten Kreuz ver­weist nicht nur auf die ‚sata­ni­sche‘ Umkehr der kirch­li­chen Riten und Sym­bo­le, son­dern auch auf die unum­kehr­ba­re Ver­bin­dung von Reli­gi­on, Gewalt und Lust in der Geschich­te des christ­li­chen Abend­lan­des.“

[Neu­es aus der Höl­le: Die Exor­zis­mus-Wel­le, in: Seeß­len, Georg / Jung, Fer­nand: Hor­ror: Grund­la­gen des popu­lä­ren Films]

Kar­ras kämpft nun selbst mit dem Dämon, for­dert ihn auf, Regan zu ver­las­sen und in ihn zu fah­ren. Das geschieht, wor­auf­hin der Prie­ster aus dem Fen­ster springt, die Trep­pe (wie Den­nings offen­bar) hin­ab­stürzt und stirbt. Ziel ist: durch das “Selbst­op­fer” den Dämon zu besie­gen. Im christ­li­chen Sinn: Kar­ras nimmt “die Sün­de” (den Dämon) wie Jesus auf sich und stirbt. Man hat auch die­sen Trep­pen­sturz als das Hin­ab­stei­gen Jesu/Karras’ in das Toten­reich inter­pre­tiert. Auf einer per­sön­li­chen Ebe­ne erlangt Kar­ras “Erlö­sung” – das Selbst­op­fer ist höch­ster Aus­druck sei­nes Glau­bens.

Der Film endet damit, daß die Fami­lie aus dem Haus aus­zieht. Die von Mer­rin fal­len­ge­las­se­ne Mün­ze (eine St.-Josefs-Medaille) bewahrt die Mut­ter auf, um sie an einen Pater Dyer (Freund von Kar­ras) wei­ter­zu­rei­chen.

Dies ist der Klas­si­ker aller Exor­zis­mus-Fil­me, aber für mich nicht der beste Film des Gen­res.

50 Jah­re Gei­ster­jä­ger John Sin­clair

So, wie es die schon erwähn­ten Fil­me gibt, die mich in mei­ner Kind­heit gru­sel­ten und zum für mich wich­ti­gen The­ma Hor­ror hin­führ­ten, so gab es Klaus. Klaus, Freund seit Sand­ka­sten­ta­gen, las John Sin­clair, klei­ne Gro­schen­hef­te über einen “Gei­ster­jä­ger”, der gegen aller­lei böse Krea­tu­ren kämpf­te. Klaus lieh mir Hef­te, die ich ver­schlang. Nie wie­der habe ich in mei­nem Leben Gro­schen­hef­te gele­sen, aber bei JS muß­te es sein.
Fader Nach­ge­schmack: vie­le Hef­te gibt es jetzt auch als Kind­le-Aus­ga­ben, aber nach kur­zem Rein­le­sen mer­ke ich, die Zeit für “Jason Darks” Schreib­stil ist bei mir vor­bei. Zudem schrei­ben nun auch Ghost­wri­ter unter dem Namen. Also lie­ber Hor­ror-Klas­si­ker lesen.
Die Online-Zei­tung the­Ger­manZ hat einen Arti­kel über 50 Jah­re JS.

Eis­blu­men – im Lied und im Gedicht

In den 90ern hör­te ich inten­si­ver Sub­way to Sal­ly, heu­te nicht mehr. Grün­de? Ich war damals in einer, sagen wir, Vor­rei­ter­rol­le in der heid­ni­schen Sze­ne in Deutsch­land aktiv. Das bin ich heu­te nicht mehr, und damit höre ich auch etli­che der Bands aus die­ser Zeit nicht mehr, da die The­men nicht mehr “mei­ne” sind.

Aber in mei­ner Play­list ist immer noch das Lied “Eis­blu­men”, das mir viel­leicht auch so gut gefällt, weil, ja weil… ich mal ein Gedicht geschrie­ben habe für eine Frau, mit der ich eine schwie­ri­ge Bezie­hung ein­ge­gan­gen war. Hier zunächst ein kur­zer Aus­zug aus dem Lied “Eis­blu­men” (© Sub­way to Sal­ly), dar­un­ter mein Gedicht: Eis­blu­men – im Lied und im Gedicht wei­ter­le­sen

Der Exor­zis­mus der Anne­lie­se M. (Film)

“Der Exor­zis­mus der Anne­lie­se M.” wur­de 2011 von J.G. Prest gedreht. Ich habe ihn auf Ama­zon Prime gese­hen und ver­ge­be *.
(Wiki­pe­dia) – Der Text “spoi­lert” den Film!

Dies ist ein Film der für Low-Bud­get-Pro­duk­tio­nen bekann­ten Fir­ma The Asyl­um, die damit auf den Zug der gera­de wie­der aktu­el­len Exor­zis­mus-Fil­me auf­sprin­gen woll­te. Sol­che, Block­bu­stern nach­ge­stell­ten Fil­me wer­den als „Mock­bu­ster“ bezeich­net. Anne­lie­se: The Exor­cist Tapes sei eine Mock­bu­ster-Ver­si­on von Para­nor­mal Acti­vi­ty 3, was so nicht stim­men kann, da PA3 ein hal­bes Jahr nach dem hier bespro­che­nen Film ver­öf­fent­licht wur­de, aber man kann den Begriff ja auch auf ande­re, viel bes­ser gemach­te Exor­zis­mus-Fil­me bezie­hen.

Die histo­ri­sche Vor­la­ge ist der ech­te, tra­gi­sche Fall der Anne­lie­se Michel aus Klin­gen­berg am Main, die u.a. in der Fol­ge von Unter­ernäh­rung (und nach Exor­zis­men) 1976 ver­stor­ben ist. Die Eltern und ein Prie­ster (E. Alt) wur­den spä­ter zu gerin­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt. Der Fall wird nach wie vor kri­tisch und als abschrecken­des Bei­spiel für den Exor­zis­mus dis­ku­tiert. Mehr Infos bei der Wiki­pe­dia oder bei Ney-Hell­muth, Petra: Der Fall Anne­lie­se Michel. Kir­che, Justiz, Pres­se (Königs­hau­sen & Neu­mann, 2014).

Gefilmt wird Anne­lie­se im Haus ihrer Eltern, mal im ‘Found-Foota­ge-Style’, mal mit fest instal­lier­ter, schwarz-wei­ßer Raum­über­wa­chungs­ka­me­ra. Der Film stellt dies mit auf alt gemach­tem Film­ma­te­ri­al als “Ori­gi­nal-Auf­nah­men” von einer „wis­sen­schaft­li­chen Stu­die“ aus dem Jahr 1976 dar – nach Tagen struk­tu­riert und mit jeweils einem lang­at­mi­gen Kame­ra­schwenk pro Tag über hand­schrift­li­che Noti­zen eines Dr. Land­ers.

Die­ser aus den USA ein­ge­flo­ge­ne Land­ers stellt mit dem Haus­arzt der Fami­lie, Dr. Krü­ger, die wis­sen­schaft­li­che Par­tei dar. Dem gegen­über ste­hen Pater Renz, der Exor­zist, die ihm ver­trau­en­den Eltern, sowie sein Adju­tant, der mal als „Kaplan“, mal als Pastor Alt benannt wird. Als drit­te Par­tei fun­giert das Kame­ra­team.

Anne­lie­se soll vor 6 Jah­ren, also 1970 die ersten epi­lep­ti­schen Anfäl­le gehabt haben, bei denen sie schrie und fauch­te. Sie habe in der Fol­ge begon­nen, den Teu­fel anzu­ru­fen. Von 1974 bis 76 soll sie mit Medi­ka­men­ten behan­delt wor­den sein, doch Prie­ster und Eltern sehen dar­in kei­nen Erfolg. Alle drei genann­ten Par­tei­en hal­ten sich im Haus der Michels auf.  Ein­zel­in­ter­views in pein­lich-nai­ver Wei­se wer­den mit Dis­kus­si­ons­sze­nen aller Betei­lig­ten ver­mischt. Ich weiß nicht, wie die eng­li­schen Dia­lo­ge im Ori­gi­nal klin­gen, aber in der deut­schen Ver­si­on habe ich das Gefühl, einem schlech­ten Schü­ler-Thea­ter zuzu­schau­en. Die Eltern wer­den als tum­be, gläu­bi­ge Men­schen dar­ge­stellt. Alt sagt so etwas wie: „Das ist mein erstes Inter­view. Sie sind doch vom Fern­se­hen, oder?“ Und wie der Syn­chron­spre­cher des Paters die latei­ni­schen Tex­te vor­liest, ist teil­wei­se grot­tig.

Alles, was für Exor­zis­mus-Fil­me üblich ist oder sein kann, haben die Macher in den Topf gewor­fen: da lie­gen tote Krä­hen vor dem Haus, Anne­lie­se spricht flüs­sig in frem­den, ihr nicht bekann­ten Spra­chen; sie will den Kaplan ver­füh­ren und macht sexu­el­le Avan­cen. Durch das Zei­gen ihrer nack­ten Brü­ste ist gleich noch ein wenig „sex sells“ mit dabei.

Nun nimmt man eine Auf­nah­me der ech­ten Anne­lie­se Michel und spielt sie immer wie­der ab. [Lei­der ist die A. Michel gewid­me­te Sei­te http://www.anneliese-michel.com/Kassetten/kassette.htm nun off­line. Man konn­te sich dort Ton­do­ku­men­te der Ver­stor­be­nen anhö­ren.]

Das nervt auf Dau­er. Man hört dar­in u.a., wie Anne­lie­se sich als Nero bezeich­net. Sie sei „die Drit­te im Bun­de“. Renz erläu­tert: Nero, Hit­ler [kann man sich hier im Ori­gi­nal anhö­ren – Ach­tung, das kann für man­che eine ver­stö­ren­de Audio-Auf­nah­me sein], Satan per­sön­lich.  Die Situa­ti­on spitzt sich zu; Anne­lie­se ver­wei­gert das Essen. Dann erwürgt sie „mal eben“ den Haus­arzt, wäh­rend der Rest der Mann­schaft dane­ben­steht, filmt oder wei­ter­hin betet… Sie erzählt einer Frau des Film­teams deren – ihr vor­her unbe­kann­ten – sexu­el­len Miß­brauch durch den Vater, wor­auf­hin sich die­se umbringt. Hek­ti­sche End­los-Dis­kus­sio­nen zwi­schen Pater Renz und Dr. Land­ers mün­den dar­in, daß die bei­den Geist­li­chen Anne­lie­se zu 600 Knie­fäl­len mit Gebet zwin­gen wol­len – alles immer wie­der “unter­malt” von der erwähn­ten Audio-Auf­nah­me. Anne­lie­se tötet dann noch den Kame­ra­mann und Dr. Land­ers, doch trotz all der Toten beten die Eltern mit Anne­lie­se kurz vor ihrem Tod ein ruhi­ges Ave Maria – dann stirbt sie durch „Ver­hun­gern“.

Ein Film, der m.E. das Andenken und den Lei­dens­weg der ech­ten Anne­lie­se beschmutzt. Des­we­gen, und wegen der grot­ti­gen Mach­art von mir eine 5.

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