Dis­kus­si­on zur Ent­wick­lung der Gothic-Sze­ne

Ich möch­te euch kurz auf eine inter­es­san­te Dis­kus­si­on im Goth-Subred­dit hin­wei­sen, wo jemand fragt, ob man denn zufrie­den sei mit der Gothic-Sze­ne, so wie sie sich von Beginn an bis heu­te ent­wickelt habe.

Inter­es­sant fin­de ich fol­gen­de ange­spro­che­nen Punk­te: es gebe heu­te nicht mehr genug „diver­si­ty“ in der Musik. Man habe sich auf eine Art gleich­klin­gen­den Dark Wave ein­ge­pen­delt und sieht von Expe­ri­men­ten ab. Jemand schreibt: „I miss ‚crea­ti­vi­ty‘ or new­ness…“

Oder jemand schreibt den für mich sehr nach­voll­zieh­ba­ren Satz: „I don’t expect a digi­tal gene­ra­ti­on to enga­ge with any sub­cul­tu­re in the way we did when we were still using cas­set­te tapes and vcrs.“

Schaut ein­fach mal rein, wenn ihr Lust habt.

Neu­ig­kei­ten kurz vor­ge­stellt

Der WDR prä­sen­tiert eine Über­sicht mit dem Titel “Gothic und Waver” i.S. von Erin­ne­run­gen an die schwar­ze Sze­ne im Ruhr­ge­biet. Der Schwer­punkt liegt auf dem heu­te 71-jäh­ri­gen DJ Klaus Mär­kert, der sei­ner­zeit im Zwi­schen­fall auf­leg­te, heu­te noch im Bahn­hof Lan­gen­dre­her. Der WDR zitiert ihn mit: “Ich bin froh, dass es die Hard-Core-Gruf­ties von frü­her so nicht mehr gibt. Dann brau­che ich nicht immer nur The Cure und Sisters of Mer­cy spie­len.”

“Immer nur”, so den­ke ich, ist auch nicht nötig, weil die Sze­ne sich natür­lich wei­ter­ent­wickelt. Ich fin­de aber, eine gute Play­list muß eben auch die Klas­si­ker ent­hal­ten, denn dar­über erfolgt ja die Rück­bin­dung oder auch Rück­be­sin­nung der Sze­ne auf sich und ihre Anfän­ge. Ich has­se nichts mehr, als DJs, die ihre sophi­sti­ca­ti­on dadurch zum Aus­druck brin­gen wol­len, daß sie nur Zeugs spie­len, das ich gar nicht ken­ne. Ich bin da “age-locked” – und könn­te den gan­zen Abend zu einer Klas­si­ker-Play­list abfei­ern.  Neu­ig­kei­ten kurz vor­ge­stellt wei­ter­le­sen

Tol­hurst – Goth: A Histo­ry (Buch)

Der Mit­be­grün­der und Drum­mer von The Cure, Lol Tol­hurst, hat 2023 eine ‘Geschich­te der Gothic-Bewe­gung’ – im Ori­gi­nal: Goth. A Histo­ry – vor­ge­legt. Das, obwohl er von sich im Nach­wort sagt, er sei kein Histo­ri­ker, er habe das Vor­ha­ben, eine ‘com­pre­hen­si­ve ency­clo­pe­dia’ zu schrei­ben, auf­ge­ge­ben.
Daher ist in mei­ner Wahr­neh­mung ein Groß­teil des Tex­tes eher im Plau­der­stil geschrie­ben, wo ich mir manch­mal doch mehr “ency­clo­pe­dia” gewünscht hät­te.

In die­sem Sin­ne zitiert er auch öfter Dr. Tra­cy Fahey, die er als “Goth histo­ri­an” bezeich­net, greift also auf deren Erkennt­nis­se und Ein­schät­zun­gen zurück. Tol­hurst – Goth: A Histo­ry (Buch) wei­ter­le­sen

Sum­mer is the gothest time?

‘post­pun­kon­line’ hat auf Insta gepo­stet: “sum­mer is actual­ly the gothest time of the year, becau­se it is the time that we goths suf­fer the most, which is goth”

Schmun­zelnd habe ich das für mich erst­mal mit “nö” kom­men­tiert… 😉

Ich mer­ke, daß bei einem sol­chen The­ma die sprich­wört­li­chen zwei Her­zen in mei­ner Brust schla­gen. Zur Erklä­rung: ich ken­ne aus mei­ner Kind­heit, aus Fami­li­en­ur­lau­ben vor allem die Nord­see – und damit das Wet­ter-Poker: ent­we­der wirk­lich warm oder zwei Wochen mit viel Regen – sprich: “Som­mer­ur­laub im Ost­frie­sen­nerz”.
Spä­ter, in den 90ern, war ich mehr­fach in Schwe­den im Urlaub – bei glei­chen Wet­ter­be­din­gun­gen. Ich erin­ne­re mich an eine Woche bei durch­ge­hend knapp 30°C, aber doch eher an tage­lan­gen Regen – im Hoch­som­mer, ver­bun­den mit der alles durch­drin­gen­den Feuch­tig­keit, dem mod­ri­gen Geruch von Zelt und Ruck­sack im Auto usw. Aber das war halt “nor­mal”, das habe ich nicht hin­ter­fragt, weil mein Herz an Schwe­den hing. Sum­mer is the gothest time? wei­ter­le­sen

Goth vs Post­punk

Ich möch­te auf einen sehr inter­es­san­ten Arti­kel von “The Blog­ging Goth” hin­wei­sen, der mit “Goth needs to defend its ter­ri­to­ry” beti­telt ist. Der Autor weist dar­auf hin, daß Goths das gera­de wie­der sehr aktu­el­le Label “Post­punk” zurück­wei­sen und “ihre” Musik als GOTH rekla­mie­ren sol­len.

“Why does any of this mat­ter, you might ask yours­elf, becau­se who cares about labels? I’d argue it mat­ters becau­se if Goth is to have a future as a music sub­cul­tu­re rather than a fashion label for how peo­p­le dress, it needs to cla­im its own music back and start iden­ti­fy­ing its own influence on other sub­cul­tures.”

Lese­emp­feh­lung!

Nach­trag: Ja, ich hat­te kei­nen Kom­men­tar geschrie­ben, weil ich das schnell wäh­rend der Arbeit gepo­stet habe. Ich stim­me dem Autor zu: Goth muß mehr sein als Mode und Schmin­ke. Und ja, ich höre seit 2–3 Jah­ren auch ganz viel zu ‘Post­punk’, der ja gera­de sowas von in sei. Das ist zum Teil rich­tig gute Musik, aber es ist auch rich­tig, daß das nicht unbe­dingt als ‘goth’ gela­be­led wird. Der Autor erwähnt Leba­non Hano­ver – die müs­se die Gothic-Sze­ne als ‘goth’ ver­ein­nah­men. Aber: sag­te die Band nicht, daß sie sich gera­de nicht als Gothic ver­steht? Man kann nie­man­den ver­ein­nah­men, der das nicht will. Aber man kann sehr wohl das Label Goth neben ‘Post­punk’ und ande­re stel­len. Doch wer soll es tun? Wer, wenn der Nach­wuchs in der Gothic-Sze­ne eher aus­bleibt? Daher ist das eine gute For­de­rung, an deren Umset­zung es wohl schei­tern wird.

Tol­hurst – Goth. A Histo­ry (Buch)

Spät in der ver­gan­ge­nen Nacht erreich­te mich die Abbu­chungs­mit­tei­lung über 14€ und der Hin­weis von Ama­zon, das Kind­le-Buch sei nun ver­füg­bar; ich hat­te es vor­be­stellt.

Die­ses Werk, das eine Geschich­te der Gothic-Bewe­gung schrei­ben will, ist nun das drit­te in die­sem Jahr – neben Uns­worth und Robb’s The Art of Dark­ness – The Histo­ry of Goth.

Schon die “Author’s Note” gleich nach dem Vor­wort nimmt mich als Leser in den Bann:

Befo­re Goth the­re was anar­chy and the mystery of anar­chy begat Goth. (…) From The Doors (of per­cep­ti­on) to The Cure and fur­ther I’m sear­ching for the essence that has always reso­na­ted with dark see­kers. Some iden­ti­fy als Goths, others do not; but we are all the same tri­be. The­se are my peo­p­le.

Oder weni­ge Sei­ten spä­ter:

Punk came and kicked down the doors and stran­ge­ly let in the light so the black heart of some­thing like Goth could exist. (…) Goth is not real­ly a sub­cul­tu­re I’ve come to under­stand. It’s a way to under­stand the world.

Das, Frau Uns­worth, ist der Schreib­stil, der mich ‘grip­ped’, mich anfaßt, mich ein­tau­chen läßt. Aber ich kann ehr­li­cher­wei­se jetzt nicht viel mehr sagen, weil ich nun einen Arbeits­tag vor mir habe und das Buch bis 5% ange­le­sen habe. Mehr also spä­ter in einer Rezen­si­on.

The New Crea­tures of the Night

“The Bri­tish streets had always been a bree­ding ground for inter­na­tio­nal style crea­ting an Eng­lish civil style war that saw the other youth tribes–Teddy Boys, skin­heads, punks, metal heads, rocka­bil­lies and psychobillies–fighting pit­ched batt­les. Goths though, pre­fer­red to dress up, read, think, fuck and dance; the­se new crea­tures of the night came ali­ve on the dance flo­or.”
― from John Robb: “The art of dark­ness: The histo­ry of goth”
Castrum Nigra, 2019
Tan­zen­de @ Castrum Nigra 2019

the sound­track of our own fai­lings

“Behind the melan­cho­lia the­re always lies more sor­row than tra­ge­dy, more truth than dra­ma. That’s why Goth is the very essence of dignity. (…)

Goth is about tho­se moments of reflec­tion we all have – that nost­al­gia bor­ne of emo­ti­on, the sound­track of our own fai­lings.”

  Mer­cer, Mick: Hex Files: the goth bible, Kind­le 2021 (first publ. 1993)

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