Zug­fahrt in den Süden

Fuer­te­ven­tura

Ich sah das Leben vor­über­ziehn,
Tage und Stun­den leicht­wegs mir fliehn,
wenn Wol­ken am Him­mel hin­ei­len,
Zei­ger der Uhr nie­mals ver­wei­len.

Am Fen­ster flog die Welt vor­bei,
tri­stes, grau­es Einer­lei.
Fabri­ken, Häfen, Schif­fe -
wei­ter, nur wei­ter mit schril­lem Pfif­fe.

Im Heu­te stürmt her­an das Mor­gen,
nur Ver­gang­nes liegt gebor­gen
im Her­zen, da mir ruht
düster-rote Lebens­glut.

[© Rush / V. Wag­ner]

Heim­fin­den

Heim­fin­den
im Dun­kel dei­ner Augen.
Mit einem Lächeln neu ein­ge­setzt
ins ewi­ge Spiel,
und dei­ne Nähe bannt
die Küh­le des Nacht­win­des,
der Schnee brin­gen könn­te?

Auf neu­en Wegen durch alte Gas­sen,
wenn die ande­re Welt noch fern ist.
Über dem Abgrund, gehal­ten,
im Flut­licht, das uns in ein
gigan­ti­sches Thea­ter ver­setzt,
in dem wir eng umschlun­gen,
den Auf­tritt der Gebor­gen­heit erwar­ten,
die uns initi­ie­ren wird. Heim­fin­den wei­ter­le­sen

Base­ment

“He real­ly lik­ed the base­ment. It was like being in ano­ther world, while kno­wing that the other world was still the­re out­side, abo­ve you, if you nee­ded it. But down here it was quiet, and no one came and said anything, did anything to you. Not­hing you had to do.”

John Ajvi­de Lind­q­vist, ‘Let the Right One in’

Jack Ketchum: The Girl next door (Roman)

frreepik.com - 18+Bit­te beach­ten: Im Sin­ne des Jugend­schut­zes wei­se ich dar­auf hin, daß hier sen­si­ble Inhal­te eines Medi­ums (Film, Serie, Buch) bespro­chen wer­den. Der Text soll­te ab Voll­jäh­rig­keit gele­sen wer­den.

 

Schaut man hier und da auf You­tube ein biß­chen nach „cree­piest book“ oder „most distur­bing reads“, dann wer­den die­ses Buch und der Roman „Let‘s go play at the Adams‘“ oft in einem Zug genannt.

Das letz­te­re Werk von Mend­al John­son hat aber doch eine ande­re Aus­rich­tung, denn in ihm geht die beschrie­be­ne Gewalt tat­säch­lich von Kindern/Jugendlichen aus. Ich habe den Roman, der teil­wei­se nach Ver­öf­fent­li­chung 1974 kaum oder nur für hor­ren­de Sum­men zu bekom­men war, letz­tes Jahr gele­sen: har­te Kost. Jack Ketchum: The Girl next door (Roman) wei­ter­le­sen

Die Hei­li­ge Nacht

Regen fällt auf Stra­ßen dun­kel­ster Nacht.

Freud­lo­se fahl­gel­be Fen­ster stie­ren,

rote Wan­gen hin­ter einer Gar­di­ne, ver­zerrt durch Näs­se.

Kin­der­la­chen – Lachen des Win­des im Dach­stuhl,

Engels­mu­sik erreicht kein totes Radio, tot­ge­wünscht.

Abge­schot­tet, ohne Ohren, Augen,

ein­ge­schlos­sen mit der Trau­er, der tie­fe­ren Trau­er

in der rei­nen, hel­len Zeit.

“Oh, du Fröh­li­che, oh, …”

[© Rush / V. Wag­ner]

J.F. Gon­za­lez: Sur­vi­vor (Roman)

Der Inhalt wird z.T. gespoi­lert!

Ich woll­te hier längst schon Ketch­ums ‘The Girl next Door’ vor­ge­stellt haben, dabei kurz einen Schwen­ker zu John­sons ‘Let’s go play at the Adams” gemacht haben, aber irgend­wie liegt das (gele­se­ne) Buch von Ketchum wie Blei im Regal. Mein The­ma ist eigent­lich Hor­ror in sei­nen para­nor­ma­len Aus­prä­gun­gen, aber irgend­wie schaue ich doch immer wie­der über die Gren­ze zu Büchern, die Abgrün­de des ‘Mensch­seins’ zei­gen. Das ist ganz klar auch bei ‘Sur­vi­vor’ der Fall, einem Werk, in dem es um soge­nann­te Snuff-Fil­me geht. Das sind Film­auf­zeich­nun­gen von Grau­sam­kei­ten und Fol­ter bis hin zum (schein­ba­ren?) Tod des Opfers. Ich war mir bis­lang sicher, daß es tat­säch­lich Snuff-Fil­me gibt, aber die Wiki­pe­dia meint, das sei eine ‘moder­ne Sage’. Die­se Fra­ge ist auch The­ma der Ermitt­ler in der Ende der 1990er spie­len­den Geschich­te.  (Mein erster Kon­takt mit dem Begriff des Snuff-Films war in Bret Easton Ellis’ “Less than Zero” (1985).) J.F. Gon­za­lez: Sur­vi­vor (Roman) wei­ter­le­sen

Betet mit mir

Betet mit mir
die Nacht wird kalt
schmer­zen wird der Leib
sin­gen wird die See­le

Betet mit mir
daß Sie kommt
deren Hand hei­li­gen kann
mit Feu­er und Zärt­lich­keit

Betet mit mir
das Ban­ner muß auf­recht blei­ben
das Kla­ge­lied ver­stum­men
Säu­seln sol­len Ket­ten
Strei­cheln sol­len Fes­seln

Betet mit mir
um Erlö­sung durch Ihre Hand
um Ruin und Bit­ter­keit
Erge­bung und mat­tes Glän­zen
vor Ihren Füßen

[© Rush / V. Wag­ner]

 

{Nach “Laken so weiß” hier noch ein­mal der Blick auf die nächt­li­che Welt vom Boden aus. Für einen Gläu­bi­gen ist das ‘Betet mit mir’ blas­phe­misch, für das Ich im Text ist es auf­rich­ti­ges Gebet zu einem Gott, der sehr genau weiß – aus eige­ner Erfah­rung -, was Schmerz ist. Der im übri­gen auch weiß, was Erlö­sung ist, aber hier, nun ja, ist es eben blas­phe­mi­scher (erdi­ger?) gemeint. 😂}

Im Nebel (H. Hes­se)

Selt­sam, im Nebel zu wan­dern!
Ein­sam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freun­den war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist kei­ner mehr sicht­bar.

Wahr­lich, kei­ner ist wei­se,
Der nicht das Dun­kel kennt,
Das unent­rinn­bar und lei­se
Von allen ihn trennt.

Selt­sam, im Nebel zu wan­dern!
Leben ist Ein­sam­sein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

[Her­mann Hes­se]

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner