Tabus der Mehr­heits­ge­sell­schaft

“Sex & Tod, schwarz & weiß – die­se vor­der­grün­di­gen Wider­sprü­che sind stil­prä­gend für die Gothics. ‘Schön­heit’ schließt für die Gothics das Häß­li­che mit ein, bedingt es gera­de­zu. Kein Leben ohne Tod, kein Licht ohne Dun­kel­heit, kei­ne Freu­de ohne Trau­er. Um ‘Glück’ zu defi­nie­ren, muß ich auch ‘Unglück’ erfah­ren haben. Gothic zu sein bedeu­tet für die mei­sten nicht, stän­dig unter Depres­sio­nen zu lei­den, son­dern die schwar­zen Sei­ten des Lebens auch zuzu­las­sen. … Die gera­de­zu magi­sche Anzie­hungs­kraft, die extre­me The­men, Gefüh­le und Lebens­sti­le (Tod, Sado­ma­so­chis­mus, Kör­per­schmuck wie Pier­cing usw.) auf die Gothics aus­üben, nährt sich aus den Tabus und Ver­drän­gun­gen der Mehr­heits­ge­sell­schaft.”
[Klaus Farin, ‘Die Gothics, Ber­lin, Bad Tölz 2001’]

Docs – Tip zum Ein­lau­fen

Stie­fel von Doc Mar­tens haben eine lan­ge Geschich­te. Mit der Aus­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on nach Chi­na (und nur teil­wei­sen Rück­ver­la­ge­rung nach Eng­land auf­grund von Kri­tik) hat man sich viel­leicht kei­nen Gefal­len getan. Mei­ne 7‑Loch Docs sind für die ange­ge­be­ne Grö­ße eher etwas zu groß, dafür sind sie am Spann so eng, daß es drückt. Ins­be­son­de­re drückt es, weil da das Fut­ter aus dem Vor­der­fuß­be­reich ver­näht ist, so daß eine fühl­ba­re Naht mit Über­stand des Mate­ri­als ent­steht (beim rech­ten Schuh mehr als beim lin­ken). Beim Rein­schlüp­fen in den Schuh stülpt sich das um – und die Druck­stel­le ist noch schmerz­haf­ter.

Tip hier­zu: die Naht im Schuh von vor­ne nach oben glatt­strei­chen, dann die Schuh­la­sche umklap­pen, in den Schuh stecken und über die­se Naht legen. In den Schuh schlüp­fen und die Lasche wie­der raus­zie­hen – fer­tig.

Ein ande­rer Tip kommt von Dr Mar­tens selbst: Wenn man die Schu­he nicht trägt, zwei Geträn­ke­do­sen rein­schie­ben, um die besag­te Naht zu deh­nen.

Wei­te­re Alter­na­ti­ve: Im gut sor­tier­ten Laden meh­re­re Exem­pla­re in der glei­chen Grö­ße anpro­bie­ren und die neh­men, bei denen die besag­te Naht am wenig­sten drückt.

(Nach­trag: Ich bin mit die­sem Paar Stie­feln nicht warm­ge­wor­den und habe sie ver­kauft. Jetzt tra­ge ich Bon­da­ge Lon­don…)

the sound­track of our own fai­lings

“Behind the melan­cho­lia the­re always lies more sor­row than tra­ge­dy, more truth than dra­ma. That’s why Goth is the very essence of dignity. (…)

Goth is about tho­se moments of reflec­tion we all have – that nost­al­gia bor­ne of emo­ti­on, the sound­track of our own fai­lings.”

  Mer­cer, Mick: Hex Files: the goth bible, Kind­le 2021 (first publ. 1993)

Noch immer hier?

War­um stei­ge ich Ü50 in so ein Blog ein? Kei­ne (vor­ge­fer­tig­te) Ant­wort, aber Gedan­ken­fut­ter fand ich im Vor­wort zum drit­ten Gothic-Band von Peter Matz­ke und Tobi­as See­li­ger (Ber­lin, Schwarz­kopf & Schwarz­kopf, 2006). Da heißt es:

“Die Gothic-Sze­ne ist zu einer post­ado­les­zen­ten Bewe­gung gewor­den (…) Das Behar­rungs­ver­mö­gen des durch­schnitt­li­chen ‘Gruf­ties’ in ’sei­ner’ Sze­ne ist län­ger, vie­le kom­men irgend­wann in ihren Sinn­su­cher­jah­ren hin­ein – und blei­ben (viel­leicht, weil sie fest­ge­stellt haben, dass die Sinn­su­cher­jah­re nie auf­hö­ren…) (…) Gothic ist kei­ne tem­po­rä­re musi­ka­li­sche Wel­le, kei­ne schnel­le Mode – (…) Das Gothic-Move­ment hat auf­ge­hört, eine Jugend­be­we­gung zu sein.”
Noch immer hier? wei­ter­le­sen

Bir­th­day Par­ty

Ich bin nicht beim M’era Luna 2022, obwohl ich mir kurz über­legt hat­te, ins­be­son­de­re nach dem schö­nen Wie­der­tref­fen mei­nes Freun­des R. beim Amphi, doch noch schnell eine Kar­te zu kau­fen.

Dafür war ich gestern bei einem ande­ren Freund ein­ge­la­den, eben­falls R., der auf der aus­ge­dörr­ten Wie­se zwi­schen zwei Häu­ser­blöcken ein paar Gäste zu sei­nem Geburts­tag ein­ge­la­den hat­te. Begrüßt wur­de ich mit Musik von den Crüx­sha­dows, die kri­stall­klar und kräf­tig aus einer Teu­fel Rock­ster Cross erschall­te. 40 Jah­re ken­nen wir uns, eine Freund­schaft, die wirk­lich Jahr­zehn­te über­dau­ert hat. Er war es damals, der mit der Sisters-Plat­te unter dem Arm bei mir auf­tauch­te. Auch hier bei den Crüx­sha­dows, die er noch gar nicht so lan­ge kennt, ist es ähn­lich ver­lau­fen: Auf sei­ner Arbeit steht heu­te eine Blue­tooth-Box, über die die Mit­ar­bei­ter eige­ne Musik (nicht) spie­len dür­fen. Er hat­te eine Dark-Wave-Play­list wohl auf Ama­zon Music gefun­den – und sich an der Trup­pe um Rogue fest­ge­hört.

So saßen wir auf der Wie­se, grill­ten, tran­ken Has­seröder und rede­ten dar­über, wie wir einst unse­re Rol­la­to­ren auf­boh­ren wür­den, damit sie ein paar Bier­fla­schen und eine grö­ße­re Blue­tooth-Box beför­dern könn­ten. 🙂

VNV Nati­on kam bei einer sehr spie­ßig wir­ken­den Frau so um die 6065 nicht gut an. R. sol­le mal “rich­ti­ge Musik” anma­chen, an der alle Spaß hät­ten, also schö­nen deut­schen Schla­ger, natür­lich. Da war ich dank­bar, daß sich um 22:07 Uhr ein Anwoh­ner über die Musik beschwer­te – end­lich abstel­len kön­nen.

Und der ande­re R., ja, der ist mit Toch­ter beim M’era Luna – und sie haben tat­säch­lich direkt an der Lan­de­bahn ein Plätz­chen für ihr Zelt ergat­tert. *neid*

Ange­sichts der neu­er­li­chen Covid-Maß­nah­men ab 1.10. wäre es sinn­voll, Kon­zer­te­vents bis dahin tat­säch­lich noch “mit­zu­neh­men”. Mal schau­en, viel­leicht gehe ich über­näch­ste Woche zur “Nacht der Hel­den” nach Koblenz. Ist nicht mei­ne Musik – viel­leicht bis auf Lord of the Lost -, aber es wäre schön, vor der beein­drucken­den Kulis­se der Festung Ehren­breit­stein noch ein biß­chen “Som­mer-Frei­heit” zu erle­ben.

No peace of mind for me

Düs­sel­dorf am Wochen­en­de. Ich sit­ze im Zug mit mei­ner Frau und einer Grup­pe von Freun­den, um zu einer bun­ten Schla­ger­ver­an­stal­tung auf einem Rhein­schiff zu fah­ren. *hust*
Ja, manch­mal muß man in einer Ehe Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, zumal die­ser Freun­des­kreis mei­ner Frau “unse­re Musik” nicht teilt – sagen wir, “den Graf” ken­nen alle.

Von 1995 bis 2000 habe ich in Düs­sel­dorf gewohnt, in Ober­bilk hin­term Bahn­hof neben den Rot­licht-Eta­blis­se­ments. Ich wer­de in mei­ner geplan­ten Arti­kel­rei­he “Per­sön­li­che Musik­ge­schich­te” auf die Zeit kurz ein­ge­hen, weil sie für mich eine Inten­si­vie­rung in Sachen “schwarz” brach­te.

Wer kennt noch das Use­net? Damals gab es die Grup­pe de.soc.subkultur.gothic, in der ich als “rush–>” schrieb. Aus dem Kopf her­aus waren da Men­schen wie Nick­Knight, Uwe, eSpunkt, Dan­ny, Elli, Mar­cel, Başar, Jörg und die schö­ne “Hexe” – und natür­lich vie­le ande­re. Die FAQ zur Grup­pe sind noch online. Sie wur­de spä­ter wohl als Goog­le Group neu gegrün­det, aber da fin­den sich fast nur noch Postings wie “Skla­ve sucht tota­le Ver­skla­vung” 🙄. No peace of mind for me wei­ter­le­sen

a handful of bands we love

“None of us pro­ba­b­ly ever have more than a handful of bands we love, a lar­ger group of twen­ty or so that we devo­te any real time to and with the majo­ri­ty we eit­her igno­re them or shake dis­ap­pro­ving heads. Some we even come to loa­the.”

[Mick Mer­cer, HEX Files: the goth bible, Kind­le 2021]

Ich glau­be, da ist was dran. Zwar kann man heu­te dank Strea­ming sofort in fast alles rein­hö­ren, man muß also kei­ne phy­si­schen Ton­trä­ger kau­fen, aber wer behält den­noch eine gan­ze diver­se, in vie­le Rich­tun­gen aus­ge­fran­ste Sze­ne im Über­blick? Dazu kommt so eine Scheu­klap­pen­be­richt­erstat­tung bei den ver­blie­be­nen Print­me­di­en (z.B. Sonic Sedu­cer). Ich lese regel­mä­ßig die News vom Sonic, aber das ist zum gro­ßen Teil mit mas­si­vem Fokus auf den bei­den M: Metal und Mit­tel­al­ter. (Ja, ein biß­chen pau­schal die Aus­sa­ge, aber ganz ehr­lich: den “kras­sen neu­en Act” habe ich über die­se News für mich noch nicht ent­deckt.)

Also, was sind die Bands, die ich lie­be? In no par­ti­cu­lar order: VNV Nati­on, Lacri­mo­sa, Mesh, Fields of the Nephi­lim, Dei­ne Lakai­en, The Crüx­sha­dows

Und die 20, für die ich mir Zeit neh­me? Die Obi­gen + Mono Inc., Kite, Hen­ric de la Cour, Lon­don after Mid­night, Assem­bla­ge 23, Empa­thy Test, Blut­engel, The 69 Eyes, L’­me Immor­tel­le, Whis­pers in the Shadow, The Beau­ty of Gemi­na

Was ich so igno­rie­re: Ramm­stein-Epi­go­nen, die­ses gan­ze “neue deut­sche Här­te” Ding, viel Gothic Metal und Cross­over mit Black Metal, Harsh Elec­t­ro, ASP, fast alle Mit­tel­al­ter-inspi­rier­ten Bands (bis auf Ein­zel­ti­tel (Eis­blu­men – Sub­way to Sal­ly)) + “Pagan”, Indu­stri­al

Aber dann sind da noch die Bands, von denen ich oft aus irgend­ei­ner Quel­le nur ein Lied ken­ne, das sich in mei­ner Play­list befin­det. Immer wie­der neh­me ich mir vor, mehr zu hören, tie­fer in das Werk ein­zu­stei­gen, aber oft bleibt es bei dem Wunsch (aus Zeit­man­gel? Man­gel an Inter­es­se?). Hier­hin gehö­ren neben vie­len ande­ren: Les Fleurs du Mal, The Hou­se of Usher, Trai­trs, Shy Guy at the Show, Pau­ra Dia­man­té, The Last Dance.

Ja, und dann sind da die Bands, die mir mal ganz wich­tig waren, es aber heu­te nicht mehr sind: Rausch, The Cure, New Model Army, In Extre­mo, Illu­mi­na­te, Fun­ker Vogt, Covenant.

Das gibt viel­leicht so einen klei­nen Ein­blick auch in die künf­ti­ge the­ma­ti­sche Aus­rich­tung des Blogs. Ande­rer­seits mer­ke ich beim Kor­rek­tur­le­sen, daß das doch alles sehr ver­kürzt ist und mich nicht wirk­lich abbil­det. Jedes Bild ist eine Reduk­ti­on; ich bin mehr als die­se Liste. 😉

Rush out.

First & Last & Always

Som­mer 1985 – end­lich Feri­en. Noch ein Jahr, dann Abitur, dann ver­mut­lich 15 Mona­te Wehr­dienst, dann Stu­di­um – das “Erwach­se­nen­le­ben” rück­te in greif­ba­re Nähe – ich war gera­de 18 gewor­den. Musi­ka­lisch war die Kern­zeit des “New Roman­tic” vor­bei (mehr dazu in einem spä­te­ren Bei­trag). Man hör­te nun Seicht­ge­spül­tes von Modern Tal­king oder San­dra. (Erin­nert ihr euch an “I’ll never be Maria Mag­da­le­na”? – ja, ich hab’s auch (heim­lich) mit­ge­sun­gen, aber bei Lay­la wei­ge­re ich mich.)

Da kam eines Tages ein Freund zu mir, mit dem ich näch­ste Woche mit küh­lem Jever auf 40 Jah­re Freund­schaft und sei­nen Geburts­tag ansto­ßen wer­de. Er arbei­te­te in einer Gie­ße­rei, und ich wuß­te, daß er immer mal wie­der Plat­ten (LPs, die­se Vinyl-Din­ger 😂 ) mit einem Kol­le­gen aus­tausch­te. Er kam also rein mit einer Plat­te unter dem Arm und sag­te gleich: “Hier mußt du rein­hö­ren! Geni­al!” First & Last & Always wei­ter­le­sen

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