Der griechische Spielfilm Dogtooth von 2009 findet sich immer wieder in Listen mit “verstörenden Filmen”. Ich wußte vor dem Schauen, daß es um Eltern geht, die ihre Kinder abgeschottet erziehen. Kurz der Hinweis auf die Bedeutung des Hundezahns: So werden umgangssprachlich und vermutlich auch in Griechenland die Eckzähne des Menschen genannt. Im Regelsystem der Familie darf man das Anwesen erst verlassen, wenn einer der Eckzähne ausgefallen ist. Man darf ebenso erst daran denken, einen Führerschein fürs Auto zu machen, wenn der zuvor ausgefallene Eckzahn nachwachse. Da wir vom Gebiß erwachsener Personen sprechen, treffen diese Regelungen im Grunde nicht zu und dienen dazu, das Eingesperrtsein zu zementieren. Im weiteren Spoiler zum Film… Dogtooth (Film) weiterlesen
Schlagwort: Rezension
The Ritual (Film)
The Ritual ist ein Exorzismus-Film von David Midell aus dem Jahre 2025. Aus dem englischen Wikipedia-Eintrag kann man erfahren, daß für die Rolle des jüngeren Priesters Ben Foster vorgesehen war, der aber wohl nach einiger Zeit ausgestiegen ist und durch Dan Stevens ersetzt wurde. Hat da jemand die Reißleine gezogen?
Fakt ist: der Film ist grottig, und das schauspielerische Talent Al Pacinos wird durch Inszenierung und Story in den Schmutz gezogen – ich war wütend beim Schauen. The Ritual (Film) weiterlesen
Der Exorzist 3 (Film)
Nach dem Originalfilm von 1973 und einer schwachen Fortsetzung von 1977 sollte im Jahr 1990 mit William Peter Blattys Romanverfilmung (“Legion / Das Zeichen”) ein würdiger Nachfolger gedreht werden. Oder, wie Segaloff in “The Exorcist Legacy” schreibt: “The first rule of Exorcist III is: You do not talk about Exorcist II.”
Blatty schrieb selbst das Drehbuch nach seiner Romanvorlage und führte auch Regie.
Ich habe den Film via Apple gesehen und bewerte ihn mit ** von fünf Sternen. Der Text spoilert den Film. (Wikipedia EN) Der Exorzist 3 (Film) weiterlesen
Der Exorzismus der Emma Evans (Film)
„Der Exorzismus der Emma Evans“, im Original „La posesión de Emma Evans“ (bw. in englischsprachigen Ländern „Exorcismus“), von 2010 ist wieder einer der Filme ohne signifikante Wikipedia-Artikel. Das bedeutet in der Regel nichts Gutes. Regie führte Manuel Carballo (der den geplanten Regisseur Luis de la Madrid ersetzte), geschrieben wurde das Drehbuch von David Muñoz. Der spanische Film spielt in England. (Wikipedia EN)
Ich habe den Film via Apple TV gesehen und vergebe ***. Der Text spoilert wie immer den Inhalt des Films.
Der Regisseur hat sich hier vermutlich gedacht, schnell reingeschnittene Rückblicke peppen den ansonsten etwas drögen, zu langen Film auf. So starten wir mit einer Selbstverletzungsszene Emmas, ohne daß im Ansatz klar ist, was da passiert. Diese Art der oft schwarzweißen Rückblicke zieht sich durch den ganzen Film. Ja, kann man machen; nein, mir gefällt das nicht. Der Exorzismus der Emma Evans (Film) weiterlesen
Jackson – The Haunting of Hill House (Buch)
“Silence lay steadily against the wood and stone of Hill House, and whatever walked there, walked alone.”
Shirley Jacksons „Haunting of Hill House“ ist einer der Klassiker der Horrorliteratur, obwohl das Werk schon einige Jahre auf dem Buckel hat (1959). Das wiederum merkt man der Sprache im englischen Original an, die z.T. altertümlich wirkt und nicht immer flüssig zu lesen ist. Andererseits hat Jackson ein feines Gespür für den Ablauf und das Verfassen von Dialogen, so daß eben doch ein lebendiger Text entstanden ist.
Wir erfahren zu Anfang, daß Dr. Montague untersuchen möchte, wie sich ein als Spukhaus verstandenes Gebäude auf Gäste, die dort leben, auswirkt. Er lädt verschiedene Personen für einen dreimonatigen Sommeraufenthalt ein, zwei Frauen (Eleanor & Theodora), die bereits früher mit paranormalen Phänomenen konfrontiert waren, und Luke, einen Vertreter der Eigentümerfamilie. Jackson – The Haunting of Hill House (Buch) weiterlesen
Deliver us from Evil – Erlöse uns von dem Bösen (Film)
Den von S. Derrickson gedrehten Film (2014) habe ich via AppleTV gesehen und bewerte ihn mit – äh, das muß ich erklären…
Diese Rezension ruhte über gut zwei Jahre in den vorgeschriebenen Texten. Ich habe den Film nun erneut komplett geschaut, diesmal im englischen Orginal, was eine Empfehlung ist. Dann ist es so, daß ich ihn nicht ganz unparteiisch beurteilen kann, denn mein Lieblingsschauspieler, Eric Bana, hat die Rolle des Polizisten Sarchie inne. Ursprünglich stand im Entwurf “*** von fünf Sternen”, aber ich bin mir jetzt unsicher, ob ich nicht doch um einen aufrücken sollte, hochblickend zu Derricksons Meisterwerk, „Der Exorzismus von Emily Rose“. Der Regisseur ist auch für die Sinister-Filme (1 – Regie, 2 – Drehbuch) verantwortlich, die mir gut gefallen haben. Schauen wir mal über den Film drüber – und ob es doch vier Sterne werden können.
Wichtig: der deutsche Filmtitel ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Dokumentarfilm von 2006 über einen pädophilen Priester.
Der Text zum Film spoilert die Filmhandlung . (Wikipedia)
Knapp zwei Stunden hat sich Derrickson genommen, um die Buchvorlage von Ralph Sarchie und Lisa Collier Cool umzusetzen, s.a. diesen Artikel bei The Week über die Verbindung Buch-Film – in Kürze: Sarchie wird als reelle Person gezeigt, die Handlung ist fiktiv. Nicht verschweigen will ich, daß bei Amazon gerade die deutschen Rezensionen zum Buch eher Verrisse sind. Was den Film angeht, sind die negativen Kritiken [z.B. Rotten Tomatoes] für mich nicht nachvollziehbar.
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Der Exorzismus in der Katholischen Kirche (Buch)
Das Werk von Monika Scala, ihre Dissertation aus dem Jahre 2009, ist für Exorzismus-interessierte Laien m.E. ein Standardwerk. Obwohl ich gleich hinzufügen möchte: wer an theologischen Ausführungen nicht interessiert ist, wird vielleicht nur am ersten Teil des Buches Spaß haben.
Die drei großen Teile lassen sich so beschreiben: im ersten geht es natürlich um eine Einführung in das Thema, übergehend zu einer tiefgehenden Analyse des Films Der Exorzist von Friedkin auf Basis der Romanvorlage von Blatty. Szene für Szene, Protagonist für Protagonist wird der Film besprochen – unter besonderer Beachtung des immerhin 1/3 der Laufzeit ausmachenden Exorzismus-Rituals. Der Exorzismus in der Katholischen Kirche (Buch) weiterlesen
Gothic – 3 Bücher
Ursprünglich wollte ich die drei folgenden Bücher jeweils einzeln vorstellen. Dann fiel mir auf, daß sie sich letztlich so ähneln, daß es eher Sinn macht, sie gemeinsam, aber in ihren Unterschieden vorzustellen.
Im Deutschen wie im Englischen gibt es Buchserien, die ein Thema möglichst knapp vorstellen wollen. Es gibt die Serie “in einer Stunde” oder auch die umfangreichere Beck-Wissen-Reihe. Im Englischen existiert “A Very Short Introduction” – und als Teil davon “The Gothic” von Nick Groom, ein Bändchen unter Din-A5-Größe, textfokussiert, wenige Bilder, immerhin Carl McCoy. 😉 Gothic – 3 Bücher weiterlesen
We have always lived in the Castle (Jackson)
Der Text von Shirley Jackson, eher längere Erzählung als Roman, war der letzte, der vor ihrem Tod veröffentlicht wurde (1962). Mir wurde geraten, ihn ohne Vorkenntnisse zu lesen, somit wußte ich nicht, was mich erwartete. Letztlich habe ich auf ein Horror-Element gewartet, das nicht eintraf: es ist eine Art Mystery-Erzählung. Ich muß dazu in groben Zügen spoilern…
Ich glaube, daß die psychologische Deutung die wichtigere ist, insbesondere weil lt. Wikipedia die Autorin selbst unter Agoraphobie litt, also der Unfähigkeit sich auf offenen Plätzen mit vielen Menschen zu bewegen.
Dieser Zug an ihr findet sich in gleich zwei von drei Hauptcharakteren. We have always lived in the Castle (Jackson) weiterlesen
How to be a Goth (Weinstock)
Ich hatte Tish Weinstocks Buch schon länger “auf dem Radar”, aber nun habe ich es mal (quer-)gelesen. Somit kurze Besprechung, damit ihr wißt, was euch erwartet.
Weinstock schaut auf ihr Buch als eine Art Anleitung zum Goth-Sein, aus der Menschen Kraft schöpfen können, wenn der Druck von “cultural conformity” zu stark wird. So startet sie mit ihrem eigenen Werdegang, an den sich eine kurze, aber doch prägnante “Geschichte des Goth” anfügt, die sehr übersichtlich gestaltet ein klassisches “Goth name-dropping” ist. Gefällt mir gut. Sie faßt zusammen, Goth sei “a subterranean music and style scene unified by an aesthetic of darkness.” How to be a Goth (Weinstock) weiterlesen