Exor­cist (TV-Serie)

Eine Fort­füh­rung des ursprüng­li­chen Films “Der Exor­zist” als Strea­ming-Serie bei Ama­zon.
Gefilmt nach einer Idee von Jere­my Sla­ter, Regie führ­ten ver­schie­de­ne Per­so­nen (2016−17, Wiki­pe­dia). Die Serie ist ein Ama­zon-Ori­gi­nal.
Ich ver­ge­be für die erste Staf­fel *****, für die zwei­te **. Der Text spoi­lert die Seri­en­fol­gen!

Staf­fel 1

Die Serie wur­de ab 2016 aus­ge­strahlt und im Mai 2018 nach nur zwei Staf­feln ein­ge­stellt. Gleich zu Anfang wird der Bezug zum Film „Der Exor­zist“ von 1973 her­ge­stellt, indem die Ori­gi­nal-Film­mu­sik gespielt wird und in einer Inter­net­su­che der Bericht über zwei beim Exor­zis­mus ver­stor­be­ne Prie­ster in George­town auf­taucht. Aber der Rück­be­zug ist noch inten­si­ver, denn vor der Aus­strah­lung der Serie wur­de bereits klar, daß die Mut­ter der Rance-Fami­lie im Zen­trum der Geschich­te tat­säch­lich Regan MacNeil aus dem Ori­gi­nal­film ist. Die Beses­sen­heit geht also in der eige­nen Fami­lie der nun erwach­se­nen Regan (hier: Ange­la) wei­ter!

Die Hand­lung der ersten Staf­fel hat einen drei­fa­chen Fokus:

  1. Die Fami­lie Rance in Chi­ca­go. Die­se besteht aus Ange­la, also Regan MacNeil, dem Vater Hen­ry, der sich von einem Hirn­trau­ma erholt und zu Beginn der Staf­fel eher dement wirkt, der älte­ren Toch­ter Kathe­ri­ne, die sich nach dem Tod einer Freun­din in ihrem Zim­mer ver­schanzt, sowie der jün­ge­ren Toch­ter Casey, die immer froh­ge­launt erscheint. Hin­zu kommt spä­ter Chris MacNeil, die Mut­ter Ange­la-Regans.
  2. Die bei­den Prie­ster: Da ist Pater Tomás Orte­ga, der, wie in Fil­men mit ähn­li­cher The­ma­tik, jung, zunächst nicht an Dämo­nen glau­bend, dafür am Glau­ben zwei­felnd ist, hier ins­be­son­de­re durch die Lie­be zu einer jun­gen Mexi­ka­ne­rin. Dann ler­nen wird Mar­cus Kea­ne ken­nen, einen erfah­re­nen, aber vom Vati­kan kri­tisch beob­ach­te­ten, her­nach exkom­mu­ni­zier­ten Exor­zi­sten, der einen Jun­gen in Mexi­co City nicht ret­ten konn­te (Dämon: The Bap­tist). Die­sen Exor­zis­mus durch Mar­cus sieht Tomás in sei­nen Träu­men, bis ihm der ange­schla­ge­ne Hen­ry Rance hell­sich­tig („Gott sprach aus ihm“) auf den Ort hin­weist, wo die Prie­ster sich tref­fen kön­nen. Die Beset­zung bei­der Rol­len durch Alfon­so Her­rera und Ben Dani­els hat mich sehr über­zeugt.  Nach anfäng­li­chen Schwie­rig­kei­ten beschlie­ßen die bei­den, im Fall der Fami­lie Rance zusam­men­zu­ar­bei­ten.
  3. Die Orga­ni­sa­ti­on „Fri­ars of Ascen­si­on”, wozu auch die Tomás Orte­ga wohl­ge­son­ne­ne Dame Maria Wal­ters gehört. Die Grup­pe plant einen Papst­be­such in der Stadt (zwecks Ermor­dung des­sel­ben) und ist eine sata­ni­sche Gesell­schaft, die Dämo­nen im Ritu­al „Voca­re Pul­ve­re“ beschwört. Dazu ermor­den Hel­fer 9 Men­schen, neh­men deren Orga­ne, ver­bren­nen sie und sam­meln die Asche. Im gezeig­ten Beschwö­rungs­ri­tu­al fährt der Dämon in den Poli­zei­chef, der bei Fami­lie Rance zur Befra­gung war.

Ange­la Rance AKA Regan MacNeil spürt früh und vor dem Hin­ter­grund ihrer Erfah­rung, daß ein Dämon in der Fami­lie ist. Ent­ge­gen der Annah­me ist er jedoch nicht in der älte­ren Toch­ter Kathe­ri­ne, son­dern in Casey. Gesprä­che des Dämons mit der jun­gen Frau wer­den so visua­li­siert, daß ihr ein „Sales­man“ (offen­bar eine Erschei­nungs­form des Dämons Pazu­zu aus dem ersten Exor­zist-Film) erscheint. Der Dämon ver­leiht Casey über­mensch­li­che Kräf­te: ent­täuscht von der eige­nen Lei­stung kann Casey einer Sport-Kon­kur­ren­tin tele­ki­ne­tisch einen Kno­chen­bruch zufü­gen.  Bei einem Angriff in einem Bus bricht Casey dem Angrei­fer den Kie­fer, wor­auf­hin sie in eine psych­ia­tri­sche Kli­nik ein­ge­lie­fert wird.

Kea­ne über­win­det sein Schei­tern beim Exor­zis­mus des Jun­gen mit Hil­fe der Äbtis­sin (Mut­ter Ber­na­dette) eines Non­nen­klo­sters, die selbst Exor­zis­men mit Lie­be und Geduld durch­führt – die weib­li­che Gegen­po­si­ti­on zu den Prie­stern.

Nach der Ent­las­sung Caseys begin­nen die bei­den Prie­ster den Exor­zis­mus. Wie­der (im Sin­ne ähn­li­cher Fil­me) ist es der jün­ge­re Mann, der “schwä­chelt” und vom ande­ren aus­ge­schlos­sen wird.

Es wird im wei­te­ren Ver­lauf deut­lich, daß der Dämon der­je­ni­ge ist, der frü­her bereits in Ange­la (AKA Regan) war. Doch Mar­cus glaubt, daß die Dämo­nen unter­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, so kann „The Bapist“ in der 3. Epi­so­de aus Casey spre­chen.

Ange­las Mann hat stän­dig die Zahl 162 im Kopf und Tomás fin­det her­aus, daß dies die Sei­te in Chris‘ Buch ist, auf der sie schreibt, der Dämon wer­de Regan immer suchen…

Der Sales­man sagt: „Bring her to me“ und ver­weist damit auf Ange­la. Kea­ne meint, dies sei ein Dämon mit einem „40-year-grudge“, er wol­le über die Toch­ter Casey erneut an die Mut­ter (Ange­la-Regan) her­an­kom­men. Beses­sen­heit sei wie ein Virus – so Kea­ne. Je län­ger der Dämon in sei­nem „Wirt“ sei, desto enger ver­schmel­zen bei­de bis zur ‘Inte­gra­ti­on’; dann sei die See­le des Opfers zer­stört und kein Exor­zis­mus kön­ne mehr hel­fen. Zudem wür­den Dämo­nen die „natür­li­che Ord­nung“ stö­ren, so daß man deren Anwe­sen­heit z.B. an auf­fäl­li­gen Schwär­men von Vögeln oder ande­ren Tie­ren erken­nen kön­ne.

Kea­ne fin­det etli­che Beses­se­ne in der Gegend, d.h. nicht nur Casey ist Opfer. Die­se flüch­tet aus einem Kran­ken­wa­gen, nach­dem sie die Sani­tä­ter getö­tet hat. Kea­ne fin­det sie am See­ufer, bringt sie zum Non­nen­klo­ster, in dem er bereits nach sei­ner Exkom­mu­ni­ka­ti­on Auf­nah­me gefun­den hat­te. Dort führt er mit den Non­nen und ohne Tomás den Exor­zis­mus wei­ter. Ange­la kommt hin­zu und lädt den Dämon ein, in sie zu fah­ren, d.h. die Toch­ter zu ver­scho­nen – das pas­siert auch. Die beses­se­ne Ange­la nimmt dann an einer Sit­zung der Fri­ars zur Vor­be­rei­tung des Papst­be­su­ches teil (hier offen­bar von Pazu­zu beses­sen, der sich in der letz­ten Fol­ge im Kampf um Ange­la als Sales­man zeigt).

Casey reflek­tiert die Beses­sen­heit so, daß sie sagt: „Nichts an mir gehör­te mehr mir selbst!“ Aus Ange­la hin­ge­gen spricht der Dämon so: „I’m not pos­s­es­sed. This is inte­gra­ti­on. She invi­ted me in. This is per­ma­nent.”

Der Kea­ne nicht wohl­ge­son­ne­ne, aber glau­bens­treue Prie­ster Ben­nett ent­tarnt das Atten­tat auf den Papst, wird – wie auch Kea­ne – von den Fri­ars gefan­gen­ge­nom­men. Ange­la, d.h. der Dämon in ihr, tötet Chris MacNeil, quält dann ihre Fami­lie, nach­dem sie auch Mut­ter Ber­na­dette mit­samt ihren Non­nen ermor­det hat. Alles hängt nun an Tomás bzw. Kea­ne. Erste­rer kommt zur Fami­lie Rance und wird von Ange­la / Pazu­zu attackiert. In einer Art Traum­vi­si­on erscheint ihm Kea­ne, der ihn ret­ten will. Tomás kann den Dämon in Ange­la besie­gen. Kea­ne ver­hin­dert das Papst­at­ten­tat.

Der Dämon Pazu­zu erklärt via Ange­la, die Welt sei von Gott für die Dämo­nen gemacht gewe­sen. Dann sei der Mensch gekom­men, aber die Dämo­nen wür­den sich die Welt nun zurück­ho­len.

Schö­nes Zitat von Kea­ne am Ende: „‘Cau­se that’s the deal we make with the world every time we get out of bed in the mor­ning. Hurt me all you want, but the bastards don’t get to win.”

Die­se erste Staf­fel zeigt mir, wie gut Fort­set­zun­gen umge­setzt wer­den kön­nen. Alles ist stim­mig, die Rol­len sind sehr gut besetzt, es macht gro­ßen Spaß, die Fol­gen zu sehen, auch wenn ich nicht per se der ‚Seri­en­typ‘ bin. Da ich lie­ber moder­ne, d.h. mit moder­nen Mit­teln gedreh­te Fil­me sehe, kein Fan alter Titel bin, rückt die Serie bei mir mit Note 1 vor den Ori­gi­nal-Film.

Staf­fel 2 – The Next Chap­ter

Die zwei­te Staf­fel beginnt mit zwei Hand­lungs­strän­gen: Da sind Tomás und Mar­cus, die seit gut einem hal­ben Jahr gemein­sam als „Free­lan­cer-Exor­zi­sten“ unter­wegs sind, aktu­ell in Mon­ta­na. Dann ist da der asia­tisch-stäm­mi­ge Andy Kim, der sich um Toch­ter Grace und fünf wei­te­re Pfle­ge­kin­der küm­mert (auf Nachb­urn Island, Washing­ton). Sei­ne Frau Nico­le ist durch Sui­zid ver­stor­ben.

Tomás und Mar­cus wol­len die von einem Dämon beses­se­ne Cin­dy, Ehe­frau des ört­li­chen She­riffs, ret­ten. Die­ser glaubt nicht an die Beses­sen­heit, ent­reißt sei­ne Frau gewalt­sam den Exor­zi­sten und bringt sie in ein Kran­ken­haus, wo sie gleich zwei Per­so­nen tötet. War in Staf­fel 1 der Begriff „Inte­gra­ti­on“ zen­tral, die dau­er­haf­te Ein­woh­nung eines Dämons in eine Per­son, ist es hier der „inne­re Kampf“ (von mir so genannt) bei Tomás, der offen­bar die Fähig­keit hat, in einer Art Traum­rei­se den Dämon zu kon­tak­tie­ren. Mar­cus weist auf die Gefah­ren hin und for­dert den Kol­le­gen zur her­kömm­li­chen Vor­ge­hens­wei­se (Ritua­le Roma­num) auf.

Andy wird von einer eben­falls asia­tisch-stäm­mi­gen Sozi­al­ar­bei­te­rin besucht, die ihn als „Pfle­ge­va­ter“ kon­trol­lie­ren soll, mit der er aber wohl frü­her schon mal liiert war. Um das Haus her­um gesche­hen ver­schie­de­ne “über­na­tür­li­che” Din­ge: ein Schwarm Krä­hen fliegt gegen das Haus, die Tie­re ster­ben; ein christ­li­cher Jun­ge erlebt bei einem Far­mer die Geburt eines miß­ge­stal­te­ten Lamms.

Als drit­ter Strang kommt der Vati­kan hin­zu, wo sich nun der Prie­ster Ben­nett auf­hält, der auf­decken will, daß „Inte­grier­te“ auch die Kir­che unter­wan­dern. Es kommt der Kar­di­nal Guil­lot (?) aus der 1. Staf­fel hin­zu, der Teil der „Fri­ars of Ascen­si­on“ ist. Man glaubt Ben­nett nicht. Hier geht es in Ant­wer­pen wei­ter nach dem Tod Guil­lots durch eine Exor­zi­stin, die Ben­nett mit einer alten, mäch­ti­gen, nun beses­se­nen (Inte­gra­ti­on) Exor­zi­stin bekannt­macht.

Die o.g. zwei Strän­ge flie­ßen zusam­men, als Tomás und Mar­cus nach Seat­tle kom­men, um an einer Zwölf­jäh­ri­gen einen Exor­zis­mus aus­zu­füh­ren, wobei sich her­aus­stellt, daß die Mut­ter psy­chisch krank ist und das Mäd­chen unter Dro­gen setzt. So kommt die Klei­ne, Har­per, auf die Insel in das Haus von Andy Kim – und bald mer­ken die sie beglei­ten­den Exor­zi­sten, daß auf der Insel irgend etwas nicht stimmt. Andy steht bald im Fokus: Grace ist ein dämo­ni­sches, nicht wirk­lich exi­stie­ren­des Mäd­chen, sei­ne tote Frau kommt wie­der als Geist. Wie­der sieht Tomás Sze­nen im Geist, in denen eine gan­ze Fami­lie von einem Mann ermor­det wird, der ‚Aeter­num Vale‘ sagt.

Neben­be­mer­kung: Da auch die­se Staf­fel fest im aktu­el­len Zeit­geist (und der damit ver­bun­de­nen Film­för­de­rung) ver­an­kert ist, gibt es neben Men­schen ver­schie­den­ster Eth­ni­en auch unter­schied­li­che sexu­el­le Prä­fe­ren­zen, bis hin dazu, daß Ex-Prie­ster Mar­cus homo­se­xu­el­le Züge in sich erkennt.

Das Gesche­hen kommt zu einem ersten Kul­mi­na­ti­ons­punkt in Epi­so­de 7, in der es um den Exor­zis­mus von Andy geht. Das ist alles so ver­wor­ren insze­niert, daß ich mich kaum moti­vie­ren konn­te, die Fol­ge zu Ende zu schau­en – und die Staf­fel kom­plett abge­bro­chen habe.

War die erste Staf­fel noch zu top­pen? Muß­te nicht jede Fort­füh­rung schei­tern? Das kann sein. Man hät­te m.E. die erste Staf­fel auch allein für sich ste­hen las­sen kön­nen, als mit die­ser grot­ti­gen, ver­fran­sten, unaus­ge­go­re­nen zwei­ten so eine Chan­ce zu ver­tun. Mir war klar, eine drit­te Staf­fel wird es nicht geben.

Der Exor­zist: Bekennt­nis (Film-Ankün­di­gung)

Die übli­chen Hor­ror- und Film­por­ta­le pfei­fen es wie die sprich­wört­li­chen Spat­zen von den Dächern: es wird eine (wei­te­re) fil­mi­sche Fort­set­zung des Exor­zi­sten geben. Der von David Gor­don Green gedreh­te Film (The Exor­cist: Belie­ver) star­tet am 12.10.23 in den Kinos; das Dreh­buch stammt von Peter Satt­ler.
Ja, es soll sogar eine Tri­lo­gie wer­den, wobei Film­starts erfah­ren haben will, daß evtl. nur Teil 1 ins Kino kommt, die bei­den ande­ren Tei­le nur über einen Strea­ming­dienst zu sehen sein sol­len.

Darf man gespannt sein? Zunächst muß ich geste­hen, daß ich kei­nen der bis­he­ri­gen Fil­me von Green ken­ne; er scheint zuletzt inten­siv am Hal­lo­ween-Fran­chise gear­bei­tet zu haben. All die­se (Tee­nie-) Slas­her-Fil­me sind nicht mein Ding. (Ich hat­te zunächst so ver­stan­den, daß er auch “Bones and All” gedreht hat, was ziem­li­che Vor­schuß-Lor­bee­ren für das neue Pro­jekt bedeu­tet hät­te, aber da hat­te ich mich ver­tan: er war in einer Neben­rol­le zu sehen.) Der Exor­zist: Bekennt­nis (Film-Ankün­­di­­gung) wei­ter­le­sen

Der Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well (Film)

“Der Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well” wur­de von Scott B. Han­sen 2016 gedreht. Ich habe den Film auf Ama­zon Video gese­hen und ver­ge­be **.
Info @ Film­starts / Der Text spoi­lert den Film!

Ein Film, der viel­ver­spre­chend beginnt, aber sehr schnell berg­ab geht und sich nicht erholt, so schreibt sinn­ge­mäß ein Nut­zer auf IMDB. Das ist tat­säch­lich so: die Ein­gangs­sze­ne des geschei­ter­ten Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well ist sehr gut umge­setzt und macht Lust auf mehr, auf einen guten Film. Den bleibt der Regis­seur schul­dig. Vor allem die schau­spie­le­ri­sche Qua­li­tät ist m.E. noch unter B‑Mo­vie-Niveau…

Ich will den Film daher nicht chro­no­lo­gisch beschrei­ben, son­dern die Geschich­te um Bran­don Jen­sen, den Prot­ago­ni­sten, zusam­men­fas­sen, auch wenn Fra­gen bzgl. der Logik blei­ben. Im Abspann sehen wir, wie ein Mäd­chen in einer Tru­he ein Oui­ja-Brett fin­det. Ich kann nur ver­mu­ten, daß das die jun­ge Tra­cy ist, die dadurch in Berüh­rung mit einer dämo­ni­schen Gegen­welt kommt. Als jun­ge Frau wird sie von ver­mumm­ten Män­nern gekid­nappt und in einem sata­ni­schen Ritu­al in einer Art Stol­len im Berg ver­ge­wal­tigt (neben Satan wird auch Pan ange­ru­fen). Dadurch ergreift offen­bar der Teu­fel oder ein Dämon Besitz von Tra­cy.

Wir sehen dann als Intro-Sze­ne zum Film Bild­ma­te­ri­al aus der 29. Sit­zung des Exor­zis­mus der Tra­cy vom 14.11.1994. Das ist in der Tat sehr gut dar­ge­stellt, v.a. die Ent­stel­lung der Beses­se­nen, die Aggres­si­vi­tät des Dämons. Der Exor­zis­mus geht schief, alle Anwe­sen­den außer Kame­ra­mann und einem Baby, das sich im Haus befin­det, wer­den getö­tet. Eine Beson­der­heit im Rah­men des Film­gen­res ist hier, daß der Dämon Men­schen zwin­gen kann, Waf­fen gegen sich selbst zu rich­ten.  Die­ses Baby ist Bran­don, der in der Fol­ge von einem Paar adop­tiert wird. Wir sehen spät im Film, wie die beses­se­ne Tra­cy am Kin­der­bett steht und in einer nicht genau zu sehen­den Form dem Baby Gewalt antut. Man kann ver­mu­ten, daß sie einen Keim des Dämo­ni­schen dem Kind ein­pflanzt. Wir haben also die Abfol­ge: Oui­ja-Brett – Tra­cy – Ritu­al im Stol­len – Beses­sen­heit – Wei­ter­ga­be an Baby Bran­don.

Sprung zur Jetzt­zeit: Bran­don stu­diert und will für „Reli­gio­nen der Welt“ eine Abschluß­ar­beit zum The­ma Exor­zis­mus ver­fas­sen, da das The­ma auf ihn einen gro­ßen Reiz aus­übt. Er erfährt vom geschei­ter­ten Exor­zis­mus der Tra­cy Cro­well vor 20 Jah­ren in einem Nach­bar­ort. Mit einem Kom­mi­li­to­nen erkun­det er das Haus der Gescheh­nis­se und fin­det das Oui­ja-Board.  Ich kann wei­ter nur ver­mu­ten, daß der schon in Bran­don befind­li­che, dämo­ni­sche Keim ihn dazu bringt, Fund­rai­sing-Kam­pa­gne zu star­ten: er sam­melt 10000$ dafür, daß er sei­nen Kör­per einem poten­ti­el­len Dämon zur Ver­fü­gung stel­len wird. All das soll live im Netz gestreamt wer­den. Bei der ersten Über­tra­gung einer Ses­si­on mit dem Oui­ja-Brett im Haus mel­det sich eine Enti­tät mit Namen „Mana“, die sagt, sie war­te (auf Bran­don).

Die näch­ste Ses­si­on mit einem Medi­um und einer Medi­zin­stu­den­tin läuft aus dem Ruder; danach ist Bran­don ver­än­dert. Er besucht sei­ne Mut­ter, die ihn raus­wirft und sich spä­ter selbst tötet. Eben­so besucht er den Vater, der eben jener Kame­ra­mann ist, der den Exor­zis­mus an Tra­cy auf­ge­zeich­net hat. Erst jetzt erfährt Bran­don, daß er adop­tiert ist. Sei­ne Zuschau­er sehen in all dem einen „Fake“; Bran­don gesteht ihnen, daß nichts pas­siert sei.

Nach dem Tod der Mut­ter flieht Bran­don vor der Poli­zei in den Wald und fin­det sin­ni­ger­wei­se den glei­chen Stol­len des Ritu­als um Tra­cy. Hier wer­den die Film­schnit­te sehr wirr, der Zuschau­er begreift aber zum ersten Mal, daß da eine Art Sek­te Ritua­le abhält. Hier­auf bezieht sich ein Tele­fo­nat zwei­er Män­ner in Busi­ness-Anzü­gen, der eine vor einem Zer­stö­rer der Navy posie­rend, was wohl zei­gen soll, daß die Sek­te in „höch­sten Regie­rungs­krei­sen“ ange­sie­delt ist. Per­son A fragt, ob „es“ der Glei­che ist, B bestä­tigt, A sagt: Dann tun Sie es.

Nun wird klar: Tra­cy wur­de ein „teuf­li­scher Samen“ ein­ge­pflanzt, das Baby, Bran­don, ist davon betrof­fen. Die Per­son B aus dem Tele­fo­nat gibt sich als Prie­ster aus, bie­tet einen Exor­zis­mus an. De fac­to soll Bran­don aber befreit wer­den, um sein dämo­ni­sches Werk fort­füh­ren zu kön­nen („voll­ende dein Werk“). Bran­don tötet ein paar Men­schen, was aber im Film schwach dar­ge­stellt ist. Zuletzt stellt ihn der Detec­ti­ve der Poli­zei, schießt auf ihn. Man sieht eine Traum-Repri­se: die Adop­tiv­el­tern mit dem ‚süßen‘ Baby, dann den erwach­se­nen Bran­don, wie er auf Tra­cy zugeht, so nach dem Mot­to: end­lich sind Mut­ter und Sohn ver­eint. Hier endet der Film.

Die Arbeit des Kame­ra­teams und die Idee mit dem Live­stream vom Selbst­ex­pe­ri­ment loh­nen das Anschau­en, der Rest lei­der nicht.

Infi­ni­ty Pool (Film)

Der Text spoi­lert den Film!

Wür­de ein Mensch, der sich selbst ver­ach­tet, sich haßt, die Chan­ce wahr­neh­men, sein Ich, sei­nen Kör­per töten zu las­sen, um als sein eige­ner Klon erneut/weiter leben zu kön­nen? Aber da dies ein 100%iger Klon ist, ist der Selbst­haß auch wie­der da. Was gewän­ne – ver­lö­re – man?

Ich sage es mal so: Man­ches in die­sem emp­feh­lens­wer­ten Film (allein schon, weil Mia Goth mich trig­gert) bleibt unklar. Bei Ver­bre­chen kann man sich in die­sem fik­ti­ven tro­pi­schen Land von der Todes­stra­fe frei­kau­fen, wenn man die Anfer­ti­gung eines Klons bezahlt, der dann hin­ge­rich­tet wird. Die­sen Frei­brief für unge­zü­gel­ten Hedo­nis­mus und will­kür­li­che Gewalt nutzt eine Grup­pe von rei­chen Urlau­bern aus, feder­füh­rend die ver­füh­re­ri­sche Gabi (Mia Goth), um den Urlaub unge­hemmt und jen­seits gesell­schaft­li­cher Regeln ver­brin­gen zu kön­nen. Infi­ni­ty Pool (Film) wei­ter­le­sen

Requi­em (Film)

Requi­em” wur­de 2006 von H.-Chr. Schmid gedreht. Ich habe die Kauf­ver­si­on auf iTu­nes gese­hen und ver­ge­be ***.
(Wiki­pe­dia) – Der Text spoi­lert den Film!

Requi­em behan­delt den Exor­zis­mus-Fall der Anne­lie­se Michel, s. Der Exor­zis­mus der Anne­lie­se M. für ein paar Hin­ter­grund-Infos zum ech­ten Fall oder die­sen Arti­kel bei Natio­nal Geo­gra­phic.

Der Film wird auch bespro­chen in Sven Groß­hans’ Buch “Das Schau­spiel der Beses­sen­heit – Exor­zis­mus im Film” (Ber­lin (Logos), 2010).

Hier im Film heißt die weib­li­che Haupt­per­son Michae­la Klin­gler (ver­mut­lich eine wenig krea­ti­ve Wort­schöp­fung aus Klin­gen­berg (Wohn­ort der ech­ten Anne­lie­se) und dem Nach­na­men Michel). Requi­em (Film) wei­ter­le­sen

Der Exor­zist (Film)

Der Exor­zist” wur­de 1973 von Wil­liam Fried­kin gedreht. Der Film basiert auf dem 1971er Roman glei­chen Titels von Wil­liam Peter Blat­ty, der auch das Dreh­buch für den Film (und Exor­zist 3 – basie­rend auf Blat­tys Nach­fol­ge­ro­man ‘Legi­on’ von 1983) schrieb. Ich habe den Film via iTu­nes gekauft (Director’s Cut, s.u.) und ver­ge­be ****. (Wiki­pe­dia)

Die­ser Text spoi­lert den Film!

Der Film wird auch bespro­chen in Sven Groß­hans’ Buch “Das Schau­spiel der Beses­sen­heit – Exor­zis­mus im Film” (Ber­lin (Logos), 2010). Beson­ders aus­führ­lich beschreibt ihn Moni­ka Sca­la in „Der Exor­zis­mus in der Katho­li­schen Kir­che“.

Der Director’s Cut des Roman­au­tors Blat­ty (!) aus dem Jah­re 2001 trägt den Unter­ti­tel: „The ver­si­on you’ve never seen“. Es sind zusätz­li­che Sze­nen wie Regans “Spi­der­walk” zu sehen.
Fried­kin woll­te 1973 ein offe­nes, kur­zes Ende, damit Fort­set­zun­gen mög­lich sind. Blat­ty ver­än­der­te im Director’s Cut dahin­ge­hend, daß Poli­zist Kin­der­man und Pater Dyer sich ver­ab­re­den, was zu Exor­zist 3 über­führt.

Auf You­tube gibt es anläß­lich des 25. Jubi­lä­ums des Films ein „Making of“ mit dem Titel The Fear of God und eine Doku aus dem Jah­re 1974.

Der Film beginnt mit Auf­nah­men im Irak, wo Pater Lan­ke­ster Mer­rin ein klei­nes Amu­lett fin­det, das den Kopf einer Sta­tue des (Wind-)Dämons Pazu­zu dar­stellt.  [Der You­tuber Rob Ager hat die­sen Irak-Vor­spann in einem aus­führ­li­chen, sehens­wer­ten Video erläu­tert.]

Schwenk in die USA, Georgetown/Washington D.C.: dort lebt die geschie­de­ne Schau­spie­le­rin Chris MacNeil mit ihrer Toch­ter Regan. Der in der glei­chen Stadt arbei­ten­de Pater Dami­en Kar­ras wird zunächst beob­ach­tend vor­ge­stellt; er ist eben­falls Psych­ia­ter.

Im MacNeil-Haus gesche­hen selt­sa­me Din­ge, ein Schar­ren ist auf dem Dach­bo­den zu hören, die Toch­ter Regan, 12 Jah­re alt, spielt mit einem Oui­ja-Brett, durch das ihr ein „Cap­tain How­dy“ ant­wor­tet. Bald beginnt Regans Bett nachts zu wackeln, und das Mäd­chen macht die unheil­vol­le Vor­her­sa­ge zu Bur­ke Den­nings, Regis­seur und Freund der Mut­ter: „Du wirst ster­ben da oben!“

Mer­rin und Kar­ras tref­fen sich, letz­te­rer gesteht dem älte­ren Pater, daß er sei­nen Glau­ben ver­lo­ren habe. Kar­ras geht durch eine schwe­re Pha­se: die alters­schwa­che Mut­ter kommt in die Psych­ia­trie und stirbt dort, wäh­rend Kar­ras sich vor­wirft, nicht aus­rei­chend für sie gesorgt zu haben. In sei­ner Kir­che wird eine Mari­en­sta­tue ent­weiht (wobei man nur ver­mu­ten kann, daß Regan das war; im Film wer­den sata­ni­sti­sche Grup­pen dahin­ter ver­mu­tet [mehr dazu und ande­re ver­tie­fen­de Erklä­run­gen mit noch­ma­li­gem Ver­weis auf Rob Ager]).

Regan ist mitt­ler­wei­le cha­rak­ter­lich stark verändert/besessen. Durch ihre Ein­wir­kung stirbt Den­nings tat­säch­lich, indem er eine stei­le Trep­pe neben dem Haus hin­un­ter­fällt. Die Mut­ter läßt Regan im Kran­ken­haus unter­su­chen, es kann kei­ne trag­fä­hi­ge Dia­gno­se gestellt wer­den. Man pro­biert Medi­ka­men­te und Hyp­no­se, doch plötz­lich spricht der Dämon aus dem Kind und greift den Hyp­no­ti­seur an. Nun schlägt einer der Ärz­te im Kran­ken­haus den Exor­zis­mus vor. Regans Zustand wird immer schlim­mer, sie ver­letzt sich selbst mit einer Sche­re, schreit vul­gä­re Phra­sen und ver­än­dert sich äußer­lich stark. Die Mut­ter kon­tak­tiert Kar­ras, der den Exor­zis­mus ablehnt, Regan aber besucht. Als der Teu­fel aus dem Mäd­chen spricht, zwei­felt Kar­ras wei­ter, weil er glaubt, sie hal­te sich für den Teu­fel, ähn­lich wie sich jemand als Napo­le­on sehen kann. Für Kar­ras sind die Sym­pto­me nicht ein­deu­tig: der Dämon reagiert auf „Weih­was­ser“, das nur nor­ma­les Lei­tungs­was­ser ist, ande­rer­seits spricht Regan in Spra­chen, die sie nicht beherrscht. Letzt­lich sieht man in nar­ben­ar­ti­ger Schrift auf Regans Bauch den Schrift­zug: „Help me.“

Nach die­sem „Pro­be-Exor­zis­mus“ bean­tragt Kar­ras den eigent­li­chen Exor­zis­mus, doch Mer­rin erhält den Auf­trag dazu, wäh­rend Kar­ras assi­stie­ren soll. Er weist den Jün­ge­ren an, auf kei­nen Fall direkt mit dem Dämon zu reden. Kar­ras meint, drei Per­sön­lich­kei­ten hät­ten sich in Regan mani­fe­stiert, doch Mer­rin kor­ri­giert ihn barsch: es sei nur eine (der Teu­fel? Pazu­zu?). Regans Lei­dens­ge­schich­te will Mer­rin nicht hören.

Der Exor­zis­mus beginnt, Regan levi­tiert über dem Bett, die Prie­ster rufen wie­der­holt: „Die Kraft Jesu Chri­sti bezwingt dich…“ Die o.e. Moni­ka Sca­la führt aus, daß sich der Film sehr genau an den Ablauf des Exor­zis­mus-Ritu­als der Katho­li­schen Kir­che hält.
Der Dämon greift Kar­ras an, indem er mit der Stim­me von des­sen ver­stor­be­ner Mut­ter spricht. Mer­rin schickt den dadurch beein­träch­tig­ten Prie­ster­kol­le­gen aus dem Zim­mer.  Als die­ser spä­ter zurück­kommt, fin­det er den Älte­ren tot auf dem Bett; Regan sitzt dämo­nisch lächelnd dane­ben.

Sehr deut­lich wie­der­holt die­ser Pater Mer­rin den zen­tra­len Ritus des Chri­sten­tums, das Opfer. Bevor er sei­nen Tod annimmt, lässt der Dämon Regan in der Hal­tung des Gekreu­zig­ten über ihrem Bett schwe­ben, und die Mastur­ba­ti­on mit dem blut­ver­schmier­ten Kreuz ver­weist nicht nur auf die ‚sata­ni­sche‘ Umkehr der kirch­li­chen Riten und Sym­bo­le, son­dern auch auf die unum­kehr­ba­re Ver­bin­dung von Reli­gi­on, Gewalt und Lust in der Geschich­te des christ­li­chen Abend­lan­des.“

[Neu­es aus der Höl­le: Die Exor­zis­mus-Wel­le, in: Seeß­len, Georg / Jung, Fer­nand: Hor­ror: Grund­la­gen des popu­lä­ren Films]

Kar­ras kämpft nun selbst mit dem Dämon, for­dert ihn auf, Regan zu ver­las­sen und in ihn zu fah­ren. Das geschieht, wor­auf­hin der Prie­ster aus dem Fen­ster springt, die Trep­pe (wie Den­nings offen­bar) hin­ab­stürzt und stirbt. Ziel ist: durch das “Selbst­op­fer” den Dämon zu besie­gen. Im christ­li­chen Sinn: Kar­ras nimmt “die Sün­de” (den Dämon) wie Jesus auf sich und stirbt. Man hat auch die­sen Trep­pen­sturz als das Hin­ab­stei­gen Jesu/Karras’ in das Toten­reich inter­pre­tiert. Auf einer per­sön­li­chen Ebe­ne erlangt Kar­ras “Erlö­sung” – das Selbst­op­fer ist höch­ster Aus­druck sei­nes Glau­bens.

Der Film endet damit, daß die Fami­lie aus dem Haus aus­zieht. Die von Mer­rin fal­len­ge­las­se­ne Mün­ze (eine St.-Josefs-Medaille) bewahrt die Mut­ter auf, um sie an einen Pater Dyer (Freund von Kar­ras) wei­ter­zu­rei­chen.

Dies ist der Klas­si­ker aller Exor­zis­mus-Fil­me, aber für mich nicht der beste Film des Gen­res.

The Cru­ci­fi­xi­on (Film)

“The Cru­ci­fi­xi­on” wur­de 2017 von Xavier Gens gedreht. Ich habe den Film auf Ama­zon Prime gese­hen und ver­ge­be die Note ****.
(Wiki­pe­dia)

Zwei Geschich­ten wer­den im Film par­al­lel erzählt. Da ist zum einen die New Yor­ker Repor­te­rin Nico­le, eine Athe­istin und Kir­chen­kri­ti­ke­rin, deren Mut­ter eine gläu­bi­ge Chri­stin war. Als die­se infol­ge ihrer Krebs­er­kran­kung kurz vor dem Tod stand, bat sie Nico­le, einen Weg in den Glau­ben zu fin­den, damit bei­de ‚im Him­mel‘ spä­ter ver­eint sein wür­den. Nico­le lehn­te dies ab, und die Mut­ter starb mit die­ser ableh­nen­den Bot­schaft.

Dann ist da die jun­ge Non­ne Ade­li­na in Rumä­ni­en, selbst in einem Wai­sen­haus auf­ge­wach­sen, die in Deutsch­land als Kin­der­mäd­chen zwei eben­falls aus einem Wai­sen­haus adop­tier­te Kin­der einer Fami­lie betreu­te und mit einem Deut­schen eine wenig erfüll­te sexu­el­le Bezie­hung hat­te. Kurz nach ihrer Rück­kehr brach­te sich der älte­re Prie­ster Gabri­el vor ihren Augen um, indem er sich vom Kirch­turm des Non­nen­klo­sters stürz­te.

Repor­te­rin Nico­le kommt nach Rumä­ni­en, als Ade­li­na bereits tot ist: gestor­ben an den Fol­gen eines ver­such­ten Exor­zis­mus durch den Prie­ster Dimit­ru, der wegen über­durch­schnitt­lich vie­ler Exor­zis­men auf Betrei­ben sei­nes zustän­di­gen Bischofs durch die Behör­den fest­ge­nom­men wor­den war. Doch trotz Abbruch des Exor­zis­mus war Ade­li­na nicht zu ret­ten. Der Bischof gibt Nico­le, genau­so wie die zuvor behan­deln­de Psych­ia­te­rin, an, Ade­li­na habe an Schi­zo­phre­nie gelit­ten. (Also die klas­si­sche Kon­tro­ver­se: Ist es eine Beses­sen­heit im reli­giö­sen Sinn oder eine psych­ia­tri­sche Erkran­kung?)

Die Hand­lungs­strän­ge nähern sich über den gut­aus­se­hen­den jun­gen Prie­ster Anton an, den Nico­le im Ort nahe des Non­nen­klo­sters trifft. Er glaubt an Beses­sen­heit und Exor­zis­men, äußert das aber zunächst nicht offen, wäh­rend Nico­le etli­che Per­so­nen befragt und die Situa­ti­on bis zum Tod Ade­li­nas rekon­stru­iert.

Der Dämon Aga­res [Ade­li­na spricht ihn wie „Aka­risch“ aus; er wird tat­säch­lich in eso­te­ri­schen „Gri­moi­res“ als Dämon beschrie­ben – auf einem Kro­ko­dil rei­tend, einen Habicht auf der Hand] war in einen älte­ren (ver­mut­lich) Rom (von Roma) gefah­ren, der einen taub­stum­men, aber sehr gläu­bi­gen Sohn hat. Die­ser rief Pater Gabri­el zwecks Exor­zis­mus, der aber nicht gelang: der Dämon fuhr in Gabri­el, so daß die­ser sich offen­bar aus Ver­zweif­lung (das bleibt im Film offen) vom Turm stürz­te. In den Ster­be­mo­men­ten am Boden fuhr der Dämon in sein neu­es „Gefäß“, eben Ade­li­na. Nico­le nähert sich nun durch ihre Unter­su­chun­gen dem Dämon; es pas­sie­ren aller­lei schrä­ge Din­ge: Lich­ter gehen aus, Flie­gen ster­ben im Wein­glas, Spin­nen krab­beln hier und da, das Auto bleibt mit­ten in der Nacht lie­gen. Nico­le sieht dämo­ni­sche Frat­zen.

Anton erklärt ihr, beim Exor­zis­mus gebe es vier Stu­fen. Die erste hei­ße „Anwe­sen­heit“: der Dämon beherr­sche den Kör­per, er wird als Dämon erkannt. Dann folgt „Bruch­punkt“, eine durch Cha­os, Hal­lu­zi­na­tio­nen und Gestank gekenn­zeich­ne­te Pha­se. In der drit­ten Stu­fe, „Kon­flikt“, bekämpft der Exor­zist den Dämon, um dann bei der „Aus­trei­bung“ über die­sen zu sie­gen. Anton liegt mit sei­ner Ver­mu­tung, daß die Aus­trei­bung nicht erfolgt ist, rich­tig: der Dämon war in der Umge­bung der toten Non­ne aktiv und such­te sich ein neu­es Opfer: Nico­le. Der Dämon befällt Nico­le auf dem Hof des alten Rom, nach­dem sie erkannt hat­te, wie die Abfol­ge der Beses­sen­heit war.

Die Sze­nen sind sehr über­zeu­gend gefilmt: der Dämon hebt den Kör­per Nico­les unter die Raum­decke, wirft sie durch den Raum. Eine Spe­zia­li­tät von ihm ist: er läßt es wäh­rend des Exor­zis­mus reg­nen, das sei eine „Ver­spot­tung des Weih­was­sers“. Anton eilt her­bei und führt den Exor­zis­mus durch – zunächst nach Buch, doch dann sagt er dem Dämon, des­sen Name er ja kennt, er brau­che das Ritua­le Roma­num nicht, nur den Glau­ben Nico­les. Er fleht Nico­le an, bei Jesus Zuflucht zu suchen, nur so kön­ne sie den Dämon besie­gen.

Anton ist über­zeugt davon, daß Gott Nico­le nach Rumä­ni­en geführt habe, damit sie an ihn glau­ben ler­ne. Nico­le erfährt gegen Ende des Films, daß ihre Mut­ter am glei­chen Tag gestor­ben ist, an dem sich Pater Gabri­el umge­bracht hat.

Letzt­lich ist der Film eine schö­ne Geschich­te über das The­ma, wie man über die Erfah­rung des Bösen zur Lie­be Got­tes gelan­gen kann. Ganz ohne Zwang ist das aber auch nicht pas­siert, was so ein biß­chen die Dro­hung à la “Wenn du nicht glaubst, lei­dest du in der Höl­le” wie­der auf­nimmt bzw. als ‘rich­tig’ hin­stellt. Ande­rer­seits unter­streicht der Film, daß eine Beses­sen­heit auch nur durch Glau­be bekämpft wer­den kann.

Der Kame­ra­mann hat ein gutes Gespür dafür, Land­schaf­ten und Archi­tek­tur in Sze­ne zu set­zen. Der Film hat lang­sa­me Kame­ra­schwenks und ist ins­ge­samt ruhig auf­ge­baut, was ihm gut­tut. Ich mag die­sen Film sehr gern, weil mich Nico­les Geschich­te ein wenig an mei­ne eige­ne erin­nert. Es ist eine Geschich­te des Glau­ben-Ler­nens, die ich mit der Note 2 bewer­te.

Run Rab­bit Run (Net­flix)

Wenn ich an mei­ne Kind­heit zurück­den­ke, gibt es hor­ror­tech­nisch eini­ge Fil­me, die mich ziem­lich geschockt haben. Allen vor­an Hti­tch­cocks “Die Vögel”. Weil ich selbst Vögel beob­ach­te­te, war das Ver­hal­ten der Vögel im Film um so ver­stö­ren­der.
Dann “Pick­nick am Valen­tins­tag”, der ein­zi­ge Film, der mir wirk­lich Alp­träu­me ein­ge­ge­ben hat.

Jetzt ist da “Run Rab­bit Run” aus Austra­li­en, der sich in ver­stö­ren­der Inten­si­tät in mei­ne Rea­li­tät als Mitt-50er gräbt. Schei­ße, ist der gut!
Mut­ter und Toch­ter, Tren­nung vom Vater. Ein wei­ßer Hase, das Hasen­mo­tiv, die ver­schwun­de­ne Schwe­ster der Mut­ter. Nun ist sie – irgend­wie – wie­der da. Das düste­re Geheim­nis – 18 Minu­ten vor dem Fil­men­de erfah­ren wir es.

Wer Net­flix hat: anse­hen! Für mich einer der besten Hor­ror­fil­me, den ich seit lan­gem auf Net­flix gese­hen habe. Arbeit des Kame­ra­teams – erste Sah­ne! Sound­track so pas­send, daß ich ihn immer wie­der bewußt an ver­schie­de­nen Stel­len des Films wahr­neh­me.

Und Erin­ne­rung (kei­ne Wer­bung): Net­flix hat jetzt auch eine Abo-Ver­si­on mit Wer­bung. 5€/Monat und – ist sie Ali­ce?

“Du bist ein Mon­ster!”

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