Stel­la Nomi­ne “The Blackest One” 2024 – Bericht (2)

Sams­tag

Wir star­te­ten gemüt­lich in den Sams­tag mit einem lan­gen Früh­stück. Auf dem Festi­val­ge­län­de fand da wohl schon der „Dark Run“ über 8km statt.
Dann wie­der mit dem Auto zum Festi­val-Gelän­de. Wir konn­ten spä­ter erken­nen, daß der Tages­park­platz etwas erwei­tert wor­den war, aber es war ja defi­ni­tiv genug Flä­che vor­han­den.
Gemüt­lich zur Büh­ne geschlen­dert, wo gera­de Ato­mic Neon mit eher klas­si­schem Rock auf­spiel­ten.

Vor­her gab es “Kaf­fee & Kuchen”: da wer­den etli­che Bier­gar­ni­tu­ren zu einer lan­gen Tafel zusam­men­ge­stellt, und es gibt von den ehren­amt­li­chen Hel­fern gebacke­nen Kuchen + Kaf­fee. Sehr net­te Geste, eine Wert­schät­zung der Besu­cher. Den Ope­ner Worn Out haben wir lei­der ver­paßt.
Cor­ri May sprach G. an, die sie vom Amphi wie­der­kannt hat, da sie vor uns in der ersten Rei­he beim Hen­ric-de-la-Cour-Kon­zert stand. Wir unter­hiel­ten uns über Festi­val-Vor­lie­ben, Bands und Tour­neen. Ach, Kite kom­men jetzt auf Tour?! Habe ich gar nicht mit­be­kom­men. Wegen Ticket kön­nen wir aber erst schau­en, wenn die näch­sten zwei Wochen über­stan­den sind. G. ist Fan im Tur­bo-Modus: die beglei­tet alle 9 (?) Kite-Kon­zer­te quer durch die Repu­blik und Däne­mark…
Bei Devil M nah­men wir wie­der “Aus­zeit”, aber wir nut­zen das, um gemüt­lich mit einer Drei­er-Grup­pe über Musik und Sze­ne zu phi­lo­so­phie­ren. Wie­der ein­mal fiel mir auf, daß hier schon etli­che “Hardcore”-Schwarze sind, die seit Jahr­zehn­ten auf meh­re­ren Festi­vals pro Jahr unter­wegs sind. Die­se Grup­pe wer­de ich beim Cold Hear­ted Festi­val in Bochum wie­der­tref­fen.
Viel­leicht flech­te ich die­se Anmer­kung hier bei Lament ein: das musi­ka­li­sche Spek­trum die­ses klei­nen Festi­vals war mehr als breit gestreut – das auch der domi­nie­ren­de Ein­druck bei Cor­ri May. Vom Doom Metal bis eben zum Alter­na­ti­ve Rock, den Lament nun prä­sen­tier­ten, vom elek­tro­ni­schen Sound-Tep­pich zu “Krach&Schreien”[tm] war alles dabei. Lament waren nicht mein Ding, obwohl die Musik ein­gän­gig war. Es ist oft das Gesamt­bild, also Musik, Dar­bie­tung, die Musi­ker, Sän­ger, die Beherr­schung der Instru­men­te usw. Bei Lament fand ich den Sän­ger “schräg”. Ist es Erken­nungs­zei­chen, daß Lied­ti­tel gestot­tert ange­sagt wer­den?
Doch dann The Nos­fe­ra­tu – sau­ber gemach­ter Gothic Rock mit einem prä­zi­se spie­len­den Gitar­ri­sten. Über­haupt: der Sound war top aus­ge­steu­ert – nur manch­mal schie­nen die Vocals im Lärm etwas unter­zu­ge­hen. Bei The Nos­fe­ra­tu dach­te ich: Wozu die Sisters im dich­te­sten Nebel aus der Fer­ne (nicht) sehen kön­nen, wenn man hier eine spiel­freu­di­ge, mit­rei­ßen­de Band erle­ben kann, deren Wur­zeln auch in den 80ern lie­gen? Ohne Kite wäre das mein High­light des Tages gewe­sen.
Essens­run­de, dann Umbra et Ima­go. Sound gut – ich mag die Musik. Größ­ter Kri­tik­punkt: die z.T. vier Sän­ge­rin­nen und Sän­ger (Mozart, Ben­nie (?), zwei Sän­ge­rin­nen) hat­ten gro­ße Pro­ble­me mit dem sau­be­ren Into­nie­ren gemein­sa­mer Pas­sa­gen. Das war manch­mal sub­op­ti­mal. Schlecht auch für die Ver­mark­tungs­ab­sicht: wenn ich das rich­tig ver­stan­den habe, mach­te Mozart für ein “Doku­ment” Wer­bung (er sei auf “But­ter­fahrt”), das man nun für 28€ kau­fen konn­te, so daß man Ende des Jah­res den Kon­zert­film her­un­ter­la­den kön­ne. Ob das Anklang gefun­den hat?
Mozart ist… – wie schrei­be ich das? Er ist Urge­stein, aber was er auf der Büh­ne sagt, sind oft ent­we­der Pla­ti­tü­den oder Pein­lich­kei­ten, so wenn er mehr­fach erklärt, das wäre jetzt hier so geil, er wür­de am lieb­sten mastur­bie­ren. Laß mal, Chef­fe. Wür­de ich mehr U&I hören, wäre das mög­li­cher­wei­se nicht so ein Pro­blem. Wem das jetzt zu nega­tiv klingt: Sie sind halt doch die Ur-Gruf­ties der deut­schen Sze­ne. Dann darf man zur Not auf der Büh­ne mastur­bie­ren.

 

KITE! Kite – die vor­letz­te Band für heu­te und mein abso­lu­tes HIGH­LIGHT! Wie immer schweig­sa­mer und rou­ti­nier­ter Auf­bau der Instru­men­te durch Nick­las Ste­ne­mo (Sän­ger) und Chri­sti­an Berg (Key­boards). Die­ses nicht so Gesprä­chi­ge scheint sich durch­zu­zie­hen: höch­stens mal ein  “thank you” auch beim Kon­zert, anson­sten kei­ne Anspra­che an die Fans. Auch von einer Ansa­ge der Band hat­te man wohl Abstand genom­men: Kite kamen ein­fach im üppi­gen Nebel auf die Büh­ne. Was dann folg­te – und was ich aus einer der vor­de­ren Rei­hen erle­ben durf­te -, war wie­der so ein “Kon­zert, das man nicht ver­gißt”. Unbe­kann­te­re Stücke, ein kom­plett neu­es Lied im “Test­be­trieb”, dann Glas­sy Eyes und Panic Music (Gän­se­haut beim Schrei­ben die­ser bei­den Titel), True Colours und wei­ter zu Dance Again, das wohl fast alle im Publi­kum kann­ten.
Da ich mei­nen Gehör­schutz ver­ges­sen hat­te, kne­te­te die Musik mich von oben bis unten durch. Wie ich es lie­be, die­ses Gefühl, die Musik über­nimmt dei­nen Kör­per – blen­det Gedan­ken und Zwei­fel aus, läßt dich ein­fach im Rhyth­mus mit- und erle­ben.
(Neben­bei: auch eine Frau vom Mer­chan­di­se-Shop mein­te, die Her­ren Kite sei­en doch sehr ein­sil­big. Sie habe nicht gewußt, was sie für die T‑Shirts neh­men sol­le. Nick­las habe dann etwas genu­schelt: Mana­ger fra­gen – er wis­se das nicht… 😊)

 

Kir­li­an Came­ra haben wir uns nicht mehr ange­se­hen. Im Nach­hin­ein habe ich das bereut, aber die Ent­schei­dung wur­de getrof­fen und ist unver­än­der­lich. Immer­hin haben wir KC im Dezem­ber schon gehört.
Am Sonn­tag war die Rück­fahrt dann nicht so ent­spannt: Staus und stocken­der Ver­kehr haben unse­re eigent­lich Fahrt­zeit um andert­halb Stun­den auf­ge­bla­sen.
Zuhau­se Auto aus- und Sachen weg­räu­men – und Clouds hören.

Fazit

Wenn ich über­le­ge, wie ich das jetzt zusam­men­fas­sen soll, dann steht da als erstes der Begriff “Fami­li­en­tref­fen” in mei­nen Gedan­ken. Klei­nes Set­ting, per­fekt orga­ni­siert, gera­de andert­halb­tau­send Leu­te. Groß­zü­gi­ge Camp-Area, pro­fes­sio­nel­les Dusch- und Toi­let­ten­an­ge­bot (gegen Auf­preis), genü­gend Tages­park­plät­ze. Bei mehr Andrang wür­de es m.E. als erstes beim Enten­fang-Essens­stand eng: da gab es auch jetzt schon ab und an eine Schlan­ge (und die­se Leu­te, die sehen, daß zwei Per­so­nen bedie­nen, sich aber zu zehnt bei einer anstel­len).
Gera­de bei den Sitz­mög­lich­kei­ten im Ein­gangs­be­reich unter den Bäu­men hat­te ich abends mit Lich­ter­ket­ten­be­leuch­tung das Gefühl, in einer ande­ren, roman­ti­sche­ren Welt zu sein.
Der Orga­ni­sa­tor Tho­mas Rich­ter misch­te sich immer wie­der mit Frau und Toch­ter unter die Besu­cher. Die Feu­er­wehr kam zur Abküh­lung mit einem Wagen vor­bei – es waren drei hei­ße, trocke­ne Tage.

 

Ich will es ganz ein­fach so sagen: Wenn wir dar­über spre­chen, was die Zukunft der Schwar­zen Sze­ne sein kann, dann mei­ne ich, daß sie sich über die­se klei­nen Festi­vals kon­so­li­die­ren muß. Denn hier fin­det Schwar­ze Sze­ne statt – abseits pro­vo­kant-pin­ker Kostü­me und fell­be­han­ge­nen Met­horn-Schwin­gern. Ja, das ist per­sön­li­che Mei­nung, das ist poin­tiert und pau­schal. Nein, ich habe nichts gegen die­se Men­schen, aber für mich ist Schwar­ze Sze­ne ein enger gefaß­ter Begriff. Und die­se Sze­ne war beim SN (- natür­lich auch mit Pla­ti­tü­den wie dem über­all pla­ka­tier­ten Spruch “We like harm­o­ny, Satan & gum­my bears”). [Ja, ich könn­te jetzt dar­über ela­bo­rie­ren, wie mir die­ser Show-Sata­nis­mus miß­fällt, aber es scheint so ein lieb­ge­wor­de­nes Topic “der Sze­ne” zu sein… Wir sind so phöse…]
Es war tat­säch­lich ein so homo­gen schwar­zer visu­el­ler Ein­druck, wie ich ihn lan­ge nicht erlebt habe. Aber – auch wie­der sooo typisch: Bei den Bil­dern der Leip­zi­ger Zei­tung waren doch wie­der die optisch her­aus­ra­gen­den Per­so­nen zu sehen.
Dann tut es gut, jen­seits der durch­or­ga­ni­sier­ten Kom­merz­fe­sti­vals mit ihrer rigo­ro­sen Secu­ri­ty, den ellen­lan­gen Do/­Don’t-Listen, den etli­chen Büh­nen die­ses Klein­od zu fin­den, wo man oft das Gefühl hat, die Zeit wur­de ein­fach auf “slow moti­on” gestellt.
Gleich­zei­tig haben wir aus Gesprä­chen erfah­ren, wie bela­stend die Orga­ni­sa­ti­on eines gro­ßen Festi­vals (In Flam­men) und die­ses zusätz­li­chen (einen Monat spä­ter) für Fami­lie Rich­ter und die ehren­amt­li­cher Hel­fer ist. Die gro­ße Basis liegt ört­lich beim Are­al des Enten­fangs und dem pas­sen­den Zelt- und Ver­an­stal­tungs­ge­län­de, aber per­so­nell bei der Visi­on Rich­ters und sei­ner Fähig­keit, Men­schen zur Mit­ar­beit zu moti­vie­ren. Wenn ich das rich­tig ver­stan­den habe, sind die Festi­val-Hel­fer alle ehren­amt­lich tätig, wäh­rend die Leu­te in den Enten­fang-Stän­den bezahlt wer­den.

 

Für mich waren die­se Tage wirk­lich ein “back-to-the-roots”-Erlebnis, gera­de auch in einer etwas schwie­ri­ge­ren (per­sön­li­chen) Zeit. Ich war gedank­lich nicht immer 100% vor Ort. Für uns ist ganz klar: wenn es irgend­wie geht, wol­len wir näch­stes Jahr im Van wie­der­kom­men. Das Mot­to dazu stand auf einem T‑Shirt eines Besu­chers: “Unter­grund lebens­lang | Lebens­lang Unter­grund”. 😂 Rush out.

2 Gedanken zu „Stel­la Nomi­ne “The Blackest One” 2024 – Bericht (2)“

  1. Tol­ler Bericht! Umbra et Ima­go habe ich 1:1 genau­so wahr­ge­nom­men und Kite waren für mich auch eine posi­ti­ve Offen­ba­rung (wobei ich mich über die kur­ze Spiel­zeit sehr gewun­dert habe)

    1. Hey Dirk, dan­ke für dei­nen Kom­men­tar! Kite haben sich seit den ersten Songs sehr ver­än­dert: frü­her eher melo­di­scher, ein­gän­gi­ger, heu­te eher druck­vol­ler und pas­send zu der Show.

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