Heim­fin­den

Heim­fin­den
im Dun­kel dei­ner Augen.
Mit einem Lächeln neu ein­ge­setzt
ins ewi­ge Spiel,
und dei­ne Nähe bannt
die Küh­le des Nacht­win­des,
der Schnee brin­gen könn­te?

Auf neu­en Wegen durch alte Gas­sen,
wenn die ande­re Welt noch fern ist.
Über dem Abgrund, gehal­ten,
im Flut­licht, das uns in ein
gigan­ti­sches Thea­ter ver­setzt,
in dem wir eng umschlun­gen,
den Auf­tritt der Gebor­gen­heit erwar­ten,
die uns initi­ie­ren wird. Heim­fin­den wei­ter­le­sen

Die Hei­li­ge Nacht

Regen fällt auf Stra­ßen dun­kel­ster Nacht.

Freud­lo­se fahl­gel­be Fen­ster stie­ren,

rote Wan­gen hin­ter einer Gar­di­ne, ver­zerrt durch Näs­se.

Kin­der­la­chen – Lachen des Win­des im Dach­stuhl,

Engels­mu­sik erreicht kein totes Radio, tot­ge­wünscht.

Abge­schot­tet, ohne Ohren, Augen,

ein­ge­schlos­sen mit der Trau­er, der tie­fe­ren Trau­er

in der rei­nen, hel­len Zeit.

“Oh, du Fröh­li­che, oh, …”

[© Rush / V. Wag­ner]

Betet mit mir

Betet mit mir
die Nacht wird kalt
schmer­zen wird der Leib
sin­gen wird die See­le

Betet mit mir
daß Sie kommt
deren Hand hei­li­gen kann
mit Feu­er und Zärt­lich­keit

Betet mit mir
das Ban­ner muß auf­recht blei­ben
das Kla­ge­lied ver­stum­men
Säu­seln sol­len Ket­ten
Strei­cheln sol­len Fes­seln

Betet mit mir
um Erlö­sung durch Ihre Hand
um Ruin und Bit­ter­keit
Erge­bung und mat­tes Glän­zen
vor Ihren Füßen

[© Rush / V. Wag­ner]

 

{Nach “Laken so weiß” hier noch ein­mal der Blick auf die nächt­li­che Welt vom Boden aus. Für einen Gläu­bi­gen ist das ‘Betet mit mir’ blas­phe­misch, für das Ich im Text ist es auf­rich­ti­ges Gebet zu einem Gott, der sehr genau weiß – aus eige­ner Erfah­rung -, was Schmerz ist. Der im übri­gen auch weiß, was Erlö­sung ist, aber hier, nun ja, ist es eben blas­phe­mi­scher (erdi­ger?) gemeint. 😂}

Im Nebel (H. Hes­se)

Selt­sam, im Nebel zu wan­dern!
Ein­sam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freun­den war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist kei­ner mehr sicht­bar.

Wahr­lich, kei­ner ist wei­se,
Der nicht das Dun­kel kennt,
Das unent­rinn­bar und lei­se
Von allen ihn trennt.

Selt­sam, im Nebel zu wan­dern!
Leben ist Ein­sam­sein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

[Her­mann Hes­se]

Umhül­len­der Hauch

Buff, Morf, Amphi Festival, Fuck Corona

Umhül­len­der Hauch
aus Träu­men stei­gend
ver­strömt Hel­le im klei­nen Raum.
Wo – wich­ti­ge Gren­zen der Inte­gri­tät,
dahin­ter Ver­än­de­rung.

Hier läuft die Zeit zurück,
gefühl­voll, drau­ßen
über­fühlt.
Ich ken­ne die Welt da drau­ßen,
ich weiß um sie. Umhül­len­der Hauch wei­ter­le­sen

Mit lee­ren Augen kam ich heim

Schwei­ge­marsch und Trä­nen,
Herbst­re­gen, der in mein Gesicht schlug.
Zer­zau­ste Haa­re unter grau­em Him­mel -
Kal­ter Wind, der an ihnen zerr­te.
Ste­ten Schrit­tes durch brau­ne Fel­der
Zog es mich fort von den Men­schen,
Die mich umstan­den, auf mich zeig­ten.

Dei­ne Hand konn­te hei­len,
Dein Mund konn­te hei­li­gen.
Dei­ne Augen waren kein Trost.

Heim­kehr vom Marsch.
Ker­zen­licht und hel­ler Wein.
Mit mei­ner Lie­be ging ich fort,
Mit lee­ren Augen kam ich heim.
Und du warst nicht an die­sem Ort.

[© Rush / V. Wag­ner]

Sonn­tag­abend, ver­klin­gend

Orange, Nacht
Nacht in Oran­ge

Sonn­tag­abend
ver­klin­gend.
Auf einem Park­deck über der Stadt
in der Lee­re dunk­len Gei­stes.
Wind streicht durchs Haar, zärt­lich,
unter Later­nen, die für nie­man­den leuch­ten.

In schwar­ze Wol­ken rei­chen
fein­glied­ri­ge, freund­li­che Anten­nen,
selig emp­fan­gend,
und Fern­se­her glü­hen hin­ter
prü­den Gar­di­nen
klei­ner, gel­ber Fen­ster.
Men­schen, dort ver­sun­ken,
ein­ge­pfercht.
Der Besuch wird nicht kom­men,
die Erlö­sung ist noch nicht bezahlt. Sonn­tag­abend, ver­klin­gend wei­ter­le­sen

Ich wan­der­te heu­te

Ich wan­der­te heu­te
durch über­schie­ßen­de Rei­fe,
die, am Boden lie­gend,
das Getier der Fäul­nis anzog.

Som­mer­en­de.
Über Wege,
von üppi­gem Grün über­wu­chert,
zieht es in den Mut­ter­schoß der Natur.
Ruhe suchend;
in der Zeit, die über­quillt.
Ern­te­ge­ruch in der Luft.

Die rei­fe Frucht ver­dorrt,
fällt zur Erde, wird ver­ge­hen.
Ver­schwen­dung, sagen wir,
wäh­nen Über­fluß sinn­los.
Ord­nung wird
aus Unter­gang ent­ste­hen.

[© Rush / V. Wag­ner]

Nacht­volk

Was bedeu­tet die Nacht für mich? Fas­zi­na­ti­on – seit ich ein klei­ner Jun­ge war. Beim Nach­den­ken fal­len mir ver­schie­de­ne Sze­nen aus mei­ner Kind­heit ein.

Da ist der Auf­bruch zur Fahrt in den Urlaub mor­gens um 4 Uhr. Ich ste­he als klei­ner Jun­ge im dunk­len Hof und schaue in den Him­mel, wo eine Unzahl von Ster­nen leuch­tet. Das hat­te ich so noch nie gese­hen. Ich kann mei­nen Blick kaum abwen­den und rufe zum Opa, der uns vom Fen­ster ver­ab­schie­det: “Opa, schau mal, die gan­zen Ster­ne!” Die Sze­ne ist wie ein­gra­viert in mei­ne See­len­land­schaft. Nacht­volk wei­ter­le­sen

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