Gedan­ken nach dem Urlaub

Ich war län­ger weg und auch durch die medi­ter­ra­ne Umge­bung nicht so ganz “auf Schwarz gepolt”, d.h. ich habe weder hier etwas geschrie­ben, noch auf dem Insta­gram-Account, dafür dann mei­nen Zweit-Account ein wenig gefüt­tert.

Mit­be­kom­men habe ich den – in die­sem Jahr sehr inten­si­ven? – Pres­se­tru­bel um das WGT – und natür­lich die durch­weg posi­ti­ven Rück­mel­dun­gen der Leu­te, denen ich auf Insta­gram fol­ge. Es scheint für vie­le eine per­sön­li­che Hoch­zeit gewe­sen zu sein. Vie­les ist aber wohl auch dem Mot­to “Alle Jah­re wie­der” ent­sprun­gen, so die beleh­ren­den Arti­kel, wie man sich als Zuschau­er beim WGT kor­rekt ver­hal­ten sol­le usw. Es ist eben auch ein Medi­en-Event, ein pop­kul­tu­rel­les Spek­ta­kel, das aus­ge­schlach­tet wird.
Schön, wenn vie­le Teil­neh­mer doch ihren Platz, ihre Nische gefun­den haben.

Auch ‘more of the same’: die stän­di­gen Sei­ten­hie­be auf die “brau­nen Ein­flüs­se” im Orga-Team, die es z.B. einem “pol­ni­schen Händ­ler” ermög­licht haben sol­len, haken­kreuz­ähn­li­chen Schmuck zu ver­hö­kern. Ellen­lan­ge Insta-Dis­kus­si­on. Der Mensch, der eine ähn­li­che Posi­ti­on wie ich ver­trat (“wir waren mal eine unpo­li­ti­sche Sze­ne bzw. wir haben die Gemein­sam­kei­ten jen­seits der Poli­tik geschätzt”) wur­de der­ma­ßen gedisst – nicht fei­er­lich. War­um, so fra­ge ich mich, die­se ‘Gratis-Mut’-Diskussionen im Nach­hin­ein? Ein­fach am Stand ste­hend die Poli­zei rufen, auf den Haken­kreuz-Ver­kauf hin­wei­sen und war­ten, was die Ord­nungs­hü­ter dar­aus machen… Oder traut man sich das dann doch nicht?

So haben letzt­lich doch Gedan­ken wäh­rend des Urlaubs an der Schwar­zen Sze­ne gehan­gen, auch weil ich neben­bei las, daß das christ­li­che Café STAY in Leip­zig nach drei Jah­ren Betrieb nun nach der 26. links­extre­men Attacke auf­ge­ge­ben hat. Ich ken­ne STAY nicht, habe mich da auch nicht wei­ter ein­ge­le­sen, aber die Fra­ge, “wo gehö­re ich denn hin?” ist mir öfter durch den Kopf gegan­gen – auch weil so eine Mel­dung stark mit den “shi­ny hap­py peo­p­le” in black kon­tra­stiert, also da kein The­ma zu sein scheint.

[Ok, doch noch­mal kurz etwas recher­chiert. So kann man die Gegen­dar­stel­lung der Zeal Church, Betrei­be­rin des Cafés, gegen eine Pres­se­mit­tei­lung der Stadt hier lesen. Man mag zu den fun­da­men­ta­li­sti­schen Posi­tio­nen ste­hen, wie man will (mei­ne sind es nicht), aber das ist defi­ni­tiv Haß­kri­mi­na­li­tät gegen eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft.]

Das war auch des­halb The­ma, weil ich ein Buch mei­ner (spä­ten) Jugend, frü­hen Erwach­se­nen­zeit noch ein­mal gele­sen habe: “I heard the Owl call my Name” von Mar­ga­ret Cra­ven. Die Lek­tü­re ent­sprang damals einer Beschäf­ti­gung mit den Nati­ve Ame­ri­cans, ihrem v.a. scha­ma­ni­schen Erbe und den Pro­ble­men der eth­ni­schen Rest­be­völ­ke­rung in einer wei­ßen Mehr­heits­ge­sell­schaft der spä­ten 80er Jah­re. Hin­zu kam mit “Blue High­ways” von Wil­liam Least Heat Moon einer mei­ner per­sön­li­chen Klas­si­ker.

In “Owl” wird ein jun­ger, töd­lich erkrank­ter Vikar in eine abge­le­ge­ne Sied­lung der First Nati­ons geschickt. Wäh­rend der Prot­ago­nist Mark im Dorf die Gemein­schaft und die Tra­di­tio­nen der Men­schen ken­nen­lernt, sich mit ihnen anfreun­det, nimmt er gleich­zei­tig wahr, wie bedroht die­ses Leben durch die moder­ne Gesell­schaft ist. Spe­zi­ell ein jun­ger Mann, der in die Welt der ‘Wei­ßen’ geht, ist Anker­punkt. Doch auch Marks Chri­sten­tum wirkt wie ein auf­ge­setz­ter Kult, der die eige­nen Tra­di­tio­nen der Men­schen abstumpft und über­la­gert. Letzt­lich ist es ange­sichts der Erkran­kung, die sin­ni­ger­wei­se durch eine ande­re, plötz­li­che Todes­ur­sa­che ent­wer­tet wird, Motiv für die Stand­ort­be­stim­mung Marks: Wo gehört er hin? Als er für sich bemerkt, daß er dau­er­haft im Dorf blei­ben möch­te, kommt der Ruf der Eule, der den Tod ankün­digt.

Ich las das Ende mit Trä­nen in den Augen, wie damals, nur daß auf der Fäh­re jemand neben mir saß, der in Insta scroll­te und mir stän­dig wech­seln­de Musik­schnip­sel ins Ohr spiel­te.

Wo gehö­re ich hin, was mache ich mit die­sem Blog, wie sehr bin ich an das gebun­den, das man ’schwar­ze Sze­ne’ nennt? Oder: Wie sehr bin ich (noch) an das gebun­den, das aus der Schwar­zen Sze­ne heu­te gewor­den ist?

Zuhau­se dann die Über­ra­schung: Goog­le teilt mir neue Höchst­zu­griffs­zah­len für den Mai mit – viel­leicht auch auf­grund der Exor­zis­mus-Doku beim ZDF und mei­nem Schwer­punkt zu die­sen Fil­men.

Der Hosting-Ver­trag ist ver­län­gert. Ich wer­de hier in näch­ster Zeit über die Doku schrei­ben, klar, dann folgt Ende Juni der Bericht über die Castrum-Nigra-Par­ty auf der Ehren­burg an der Mosel. Im Juli steht das Amphi an – Jubi­lä­ums­jahr -, im August M’era Luna und Stel­la Nomi­ne.

Und wenn ich Cor­ri-May ganz lieb bit­te, gibt es viel­leicht noch einen Gast­ar­ti­kel zu WACKKKKENN!!!!!

Las­sen wir uns ein­fach mal vom Som­mer erschla­gen. 😉

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