Amphi-Festi­val 2026 – Das Jubi­lä­um (Sonn­tag)

Schlecht geschla­fen, früh raus, gäh­nend Kaf­fee gekocht – na, das wird ein lan­ger Tag… Wie­der ins Auto, auf nach Köln.

Im Park­haus einen net­ten Jun­gen Mann ken­nen­ge­lernt, der mit gut auf­ge­dreh­ter Sound-Anla­ge Park­deck 5 befuhr. Elec­t­ro-Fan mit den neue­sten Infos zum “hei­ßen Scheiß” aus Por­tu­gal und Peru. Fünf Jah­re älter als mein älte­ster Sohn, wie schön, dach­te ich, wenn jemand so ein­taucht in die­se Sze­ne. Er war direkt sym­pa­thisch – wir haben uns spä­ter noch­mal gese­hen und die­ses erken­nen­de Zulä­cheln ist so eine Boje im Meer der Men­schen. Grü­ße, Ama­de­us!

Motel Tran­syl­va­nia waren schon auf der Büh­ne. Per­fek­ter Ope­ner – und evtl. mehr, wenn ich mir das mal genau­er anhö­ren wür­de. Gefie­len mir gut, die Aus­zü­ge, die ich mit­be­kam.

Chrom als erstes High­light an die­sem Sonn­tag. Wit­zig: die Men­ge ging deut­lich mehr mit als bei man­chen spä­te­ren Bands. Es wur­den die zu erwar­ten­den Songs gespielt – Lob und Aner­ken­nung. 😉

Schö­ne Beob­ach­tung: vor uns stan­den drei Gene­ra­tio­nen: Oma, Toch­ter mit Mann und die Enke­lin. Spä­ter zeig­te die Kame­ra auf dem rechts der Main Stage ste­hen­den Bild­schirm vier Kin­der mit ihren Mickey-Mäu­sen auf den Ohren ganz vorn an der Absper­rung vor dem Herrn Witt auf der Büh­ne. Ist das nicht schön, wie sich die Sze­ne irgend­wie von sich selbst eman­zi­piert hat, und von der rebel­li­schen Jugend­kul­tur zu einer Sze­ne “for all ages” gewan­delt hat!? Oft habe ich ein­fach den Blick schwei­fen las­sen und mich gefragt: was haben wir denn hier für ein Durch­schnitts­al­ter? Ich wür­de sagen: die 3 und die 4 vor­ne. Mir ist klar, die paar Kin­der, die da waren, sind nicht DER Sze­ne-Nach­wuchs. Manch­mal fra­ge ich mich, ob es sein kann, daß zwar die Leu­te um 20 weg­blei­ben, dafür aber mehr Men­schen so ab 30 zur Sze­ne fin­den. Men­schen, die im Berufs­le­ben ste­hen – oder eben nicht (mehr). Men­schen, die Ent­täu­schun­gen erlebt haben, die erfah­ren haben, wie schwer “leben” sein kann, die plötz­lich die­se “schwar­ze Melan­cho­lie” in sich fin­den – und die pas­sen­de Sze­ne dazu. Fra­ge also: steigt man heu­te even­tu­ell spä­ter in die­se Sze­ne ein? Das wäre span­nend zu dis­ku­tie­ren.

Nach­dem ich schon bei der Castrum-Nigra-Par­ty über die Geträn­ke­si­tua­ti­on geschrie­ben habe, kann das hier nicht feh­len. Ich tei­le mal aus, aber als Vater von zwei Gen-Z-Söh­nen mei­ne ich: das darf ich. Ich habe selbst mal im Ehren­amt in der Bewir­tung von bis zu 800 Per­so­nen mit­ge­ar­bei­tet: da war ein ganz altes Wort wich­tig: Zackig­keit, auf Zack sein, Arsch huh und Zäng ussen­an­ner- nee, das war eine ande­re Sache. 😉 Wenn ich den jun­gen Leu­ten beim Bedie­nen zuschaue, schla­fen mir die Zehen ein. Oder, wie es ein EBM-Anhän­ger am Nach­bar­tisch for­mu­lier­te: “Aldä, mit den­ne is kein Kriech ze gewin­ne!”
Lan­ge Schlan­gen – nie­mand schafft es, mal drei bis drölf Bie­re vor­zu­zap­fen. Am Wurst­stand wird jede Wurst dem poten­ti­el­len Käu­fer unter die Nase gehal­ten: paßt das, ist die so gut genug?
Da hat nie­mand ver­stan­den, was a) Umsatz machen und b) Kun­den zufrie­den­stel­len heißt. Und das ist, <gdr> ein Gen-Z-Pro­blem. Aber: bei gut 6€ für 400ml Spül­was­ser (AKA Kölsch) muß­te ich mich nicht so oft anstel­len, da tat es dann auch die kosten­lo­se Was­ser­stel­le. <rant-mode-off>

Schat­ten­mann aus der Fer­ne (wegen Anste­hen für Bier und Essen) gehört. Ich lie­be “Mit Nadel und Faden”, aber der Gesamt­ein­druck ist mir dann doch zu NDHig – nicht mein Ding.

Für Soli­ta­ry Expe­ri­ments wie­der vor die Büh­ne. Eine per­fek­te Show, wenig red­sa­mer Den­nis, schö­nes Duett mit Mari Kat­tman, aber alles zu … glatt, zu rou­ti­niert – gut, Rou­ti­ne dür­fen sie nach 30+ Jah­ren haben. Es ist kein Pro­blem mit die­ser Band, das ich habe (und die ich gern höre), son­dern viel­mehr die Fest­stel­lung, daß mir nur bestimm­te Elec­t­ro-/Syn­th-Pop-Bands wirk­lich zusa­gen, wo ver­schie­de­ne Fak­to­ren zusam­men­kom­men – vor allem Stim­me des Sän­gers und die Tex­te (VNV Nati­on, KITE, Mesh/Blackcarburning, Fro­zen Plas­ma, frü­her: Fun­ker Vogt).

The Sweet Kill auf dem Amphi-Festival 2026Dann auf zur Thea­ter Stage für The Sweet Kill. Holy shit, haben die mich abge­holt! Sän­ger Pete mit druck­vol­ler Stim­me, die die Ton­sprün­ge vie­ler Lie­der sau­ber schafft. Aus­drucks­vol­ler – wört­lich – Gesang, star­ke Per­for­mance. Ein Auf­tritt wie Lon­don after Mid­night auf Via­gra. Wahn­sinn, wie schön, daß ich die vor­ab über die Amphi-Play­list bei Spo­ti­fy für mich ent­deckt habe! Und die Cover-Ver­si­on von ‘Hurt’ war dann noch das Sah­ne­häub­chen auf dem Kuchen.

The Sweet Kill auf dem Amphi-Festival 2026Jetzt müß­te ich wie­der ran­ten, aber es fühlt sich nicht so gut/fair an. Sagen wir so: ich konn­te mit Leba­non Hano­ver noch nie etwas anfan­gen, obwohl sie musi­ka­lisch das bie­ten, war mir im Prin­zip gefällt. Nun saßen Cor­ri-May und ich vor dem Ein­gang der Thea­ter Stage, wo ein de fac­to Ein­laß-Stop war: lan­ge Schlan­ge bis an den Schließ­fä­chern vor­bei. Mei­ne Über­le­gung: ist Assem­bla­ge 23 jetzt so extrem ange­sagt oder ist’s drü­ben bei Main-Stagens eher lang­wei­lig? Der geneig­te Leser ahnt schon: wir gin­gen rüber und hör­ten die letz­ten bei­den Stücke von LH. (Ich zen­sie­re mich…) Ja, das war lang­wei­lig – und ich habe nicht ver­stan­den, was der Herr Benecke mit sei­nem Aus­spruch mein­te: “Habt ihr das gese­hen, was LH hier gemacht haben!!!!!!!? Gei­äl!” oder so ähn­lich.
Egal, ich will nicht nöh­len, aber es ist doch scha­de, wenn Fans von A23 nicht rein­kom­men, weil – unter­stellt – Leu­te gelang­weilt von der Main zur Thea­ter Stage pil­gern – mein Ein­druck, ganz per­sön­lich.
(Und: die Thea­ter Stage bie­tet ca. 1800 bis 2000 Men­schen Platz, was bei 12500 geschätz­ten Besu­chern wenig ist…)

Diary of Dreams auf dem Amphi-Festival 2026Cor­ri-May und ich sind nun nach vor­ne bis zum ersten Pöl­ler, äh, wie nennt man die Tei­le, die die moder­ni­sier­ten “Pil­ze” hal­ten?, gegan­gen, um den (für mich) wich­tig­sten Gig des Tages zu erle­ben: Dia­ry of Dreams… So dach­te ich, bis Witt auf der Büh­ne stand. Adri­an und sei­ne Trup­pe lie­fer­ten ab, mal wuch­tig und drän­gend, mal sanft und nach­denk­lich – so wie ich es lie­be. Lei­der zu wenig Zeit nach hin­ten raus, Traum­tän­zer-Refrain schnell noch mit dem Publi­kum impro­vi­siert.
(Und wie­der note to self: end­lich mal – im Win­ter – inten­siv hören und ‘lyrics’ mit­le­sen…)

Es begann zu reg­nen, für Joa­chim Witt vor­ne unter den ‘Pil­zen’ ste­hen­ge­blie­ben. Bei Witt merkt man immer schon in den ersten Minu­ten, wie er drauf ist, – und ob es sich lohnt, dabei­zu­blei­ben. Heu­er war viel Feu­er im 77-Jäh­ri­gen, der mit ein­ge­spiel­ten Musi­kern auf­trat. Herr­lich sein kur­zer Aus­bruch, als jemand “Gol­de­ner Rei­ter” for­der­te, weil das “geil” sei. Witt kon­ter­te: was dar­an geil sei, wenn es im Text um einen ‘Absturz’ gehe? Doch natür­lich kam auch ver­söhn­lich: “Jetzt bist du dran” vor dem gewünsch­ten Song.
Wenn ich dach­te, Dia­ry of Dreams wären heu­te mein High­light, so lag ich falsch. Es war der alte Mann (der Insi­der weiß, uns tren­nen nur 17 Jah­re), den ich nach sei­nem Album “Bay­reuth 1” auf dem WGT 1999 erst­ma­lig live erle­ben durf­te. Eini­ge Titel aus dem Werk wur­den heu­te gespielt, aber nichts ist so ein men­ta­ler Fick wie “Die Flut”. Mit Trä­nen in den Augen stand ich da, wie­der ein­mal umge­ben von den Men­schen, die fremd sind, aber doch  so ähn­lich ticken, vor einem Künst­ler, der auch mei­ne Gefühls­la­gen in Lie­der ver­wan­deln kann. Ein Blick zur Sei­te: ich sehe nur hoch­ge­reck­te Hän­de, ein Meer aus Emo­tio­nen; holy shit. Direkt den Gol­de­nen Rei­ter danach – und ich hat­te genü­gend See­len­bal­sam ein­ge­fah­ren für das Wochen­en­de – und schrei­be dar­über, ohne genau die Wor­te zu fin­den, die ich fühl­te – eine selt­sa­me Mélan­ge aus Fremd­sein inmit­ten von Ver­traut­heit.

Neben­bei: net­tes Duo Witt – Wes­sel­sky.

So ist dann nichts aus Clan of Xym­ox gewor­den, die eigent­lich auf mei­ner Liste stan­den – und gegen Herrn Witt ver­lo­ren haben. Aber: auch bei die­ser Band liest man z.B. auf Face­book vom Ein­laß-Stop ins Thea­ter…

Eine letz­te Run­de, ein biß­chen Essen, die dunk­len Wol­ken und über­flie­gen­den Papa­gei­en genie­ßen, ein paar Lie­der von Eis­bre­cher – Heim­fahrt.

Ein unrun­des Wochen­en­de, eine emo­tio­na­le Ach­ter­bahn­fahrt. Man stel­le sich Witt neben Pete Mills von The Sweet Kill vor: “Night ter­ror cree­per, ter­ro­ri­zing me, All I wan­ted was a lul­la­by” vs. “Hätt’ ich nur ein­mal mit Ver­stand auf die­ses, mein Leben geseh′n, Ich fühl­te mich jetzt nicht so verlor’n – Dämon…”

Zuvie­le Ein­drücke und wie­der zu wenig Aus­tausch, schmer­zen­de Füße nach dem lan­gen Ste­hen. Aber, auch so ein Ein­druck: die Besu­cher­men­ge fühl­te sich die­ses Jahr wie­der ’schwär­zer’ an: wenig Bunt­ge­klei­de­te.

Ich hat­te mich im Vor­feld sehr auf The Explo­ding Boy gefreut, aber es war klar, daß ich nicht zur Orbit Stage pil­gern wür­de, weil ich das ein­fach nicht unter­stüt­zen möch­te.

Und dann am Mon­tag um 17 Uhr doch am Rech­ner, um gleich die Ear­ly-Bird-Tickets ordern zu kön­nen. Ich kann’s doch nicht las­sen. Und der Rush hat dann näch­stes Jahr Jubi­lä­um – 60… OMG…

Rush out.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner