Amphi-Festi­val 2026 – das Jubi­lä­um (Sams­tag)

Tanzbrunnen, Köln, renovierte "Pilz"-Schirme vor der Bühne 2026 Nun drücke ich mich schon meh­re­re Stun­den um den Beginn des Schrei­bens am Bericht über das ver­gan­ge­ne Wochen­en­de – 20 Jah­re Amphi-Festi­val. Ich hat­te tat­säch­lich schon Text vor­ab ver­faßt – zur Absa­ge von VNV Nati­on und zur Situa­ti­on mit der Orbit Stage, der drit­ten Büh­ne auf dem Schiff (MS Rhein­Ma­gie), die wie­der nur mit län­ge­ren Pen­del­zei­ten erreich­bar sein wür­de. Alles gelöscht.

Florian Grey auf dem Amphi Festival 2026Ich hat­te kei­ne Lust auf das Wochen­en­de, auf die Fah­re­rei – je eine Stun­de hin und zurück bei zuge­ge­ben kom­for­ta­blem Par­ken im RTL-Park­haus (für 10€/d), auf die Men­schen­men­gen, auf die­ses Mit­ten-Drin-Sein. Ich kann das nur schwer benen­nen. Wir kamen an als Flo­ri­an Grey schon auf der Büh­ne stan­den – guter Ope­ner, für mich nicht mehr. Eine Run­de dre­hen, das Wie­der­erken­nen der Infra­struk­tur, Bum­mel ent­lang der Ver­kaufs­stän­de, Kauf eines schö­nen Schlan­gen-Anhän­gers.

Soulbound auf dem Amphi Festival 2026Dann mit Soul­bound die erste Band, auf die ich mich gefreut habe. Die­ser ‘Nu Metal’ ist in kei­ner Wei­se mein favo­ri­sier­tes Gen­re, aber die Band mau­sert sich doch so lang­sam zu einer Lieb­lings­band. War­um? Na ja, Sän­ger John­ny the­ma­ti­siert immer wie­der sei­ne eige­nen Depres­sio­nen, auch eine aktu­ell schlech­te Pha­se, sen­si­bi­li­siert das Publi­kum für ‘men­tal health issues’ und ist ein­fach so herz­lich in sei­ner Art: das mag ich, dar­in fin­de ich mich.

Soulbound auf dem Amphi Festival 2026Ich bin dann zur Thea­ter Stage für Dina Sum­mer, von denen ich ein paar Songs vor­ab gehört hat­te. Was Dina Summer auf dem Amphi Festival 2026wür­de die als “Dis­co Goth” ange­kün­dig­te Band auf die Büh­ne brin­gen? Nun, das war von der Umset­zung ziem­lich per­fekt – die Licht­an­la­ge kom­plett aus­ge­reizt, der Sound crisp, gut aus­ge­steu­ert. Über­haupt die­ses Jahr: auf bei­den Büh­nen (im Tanz­brun­nen) deut­lich lei­se­rer Sound als in den Vor­jah­ren… Bei Dina Sum­mer hör­te ich immer wie­der 80er Dis­co-Anlei­hen raus, doch auch sehr EBM-arti­ge Pas­sa­gen. Ich bin froh, den gesam­ten Gig gese­hen zu haben; so habe ich einen Ein­druck von einer Band, die ich kein zwei­tes Mal sehen muß.

Beim Raus­ge­hen Asch und Kate von pho­to­phor getrof­fen – kur­zes Gespräch mit Asch, ein High­light des Tages, der von so viel Auf­neh­men und so wenig Aus­tausch geprägt war. (Hey Amphi-Orga! Für pho­to­phor wür­de ich sogar zur Orbit Stage lat­schen.)

Soror Dolorosa auf dem Amphi Festival 2026Mit Cor­ri-May drau­ßen wie­der getrof­fen, die sich Held­ma­schi­ne ange­schaut hat­te. Zurück zur Thea­ter Stage für Sor­or Dolo­ro­sa. Dort wur­de ich dann durch guten alten Gothic Rock die­ser fran­zö­si­schen For­ma­ti­on “geer­det”. Das tat gut, home­co­ming, auch wenn die Band mir bei einem Stel­la-Nomi­ne-Festi­val nicht so gefal­len hat­te. Aber immer wie­der die­se Gedan­ken: wie unper­sön­lich sind die­se Auf­trit­te vor hun­der­ten oder gar tau­sen­den Men­schen. Und das Bild springt auto­ma­tisch in mei­nen Kopf: vor­ne rechts vor der Büh­ne bei The Beau­ty of Gemi­na im Kult­tem­pel – welch ein Erleb­nis!

Den Magen fül­len, vor die Haupt­büh­ne zu Solar Fake. Wer­de ich nicht warm mit… Sven öfter mal deut­lich unter der zu errei­chen­den Ton­hö­he (viel­leicht lag’s am Moni­to­ring), der Sound plät­schert durch – nicht mei­ne Band (s.a. mein Kom­men­tar zur Soli­ta­ry Expe­ri­ments). Und ich war weit hin­ten, wo die Men­schen enger gedrängt als vor der Büh­ne stan­den: das war mir unan­ge­nehm.

Kur­zer Exkurs zu den Besu­cher­zah­len, denn da gibt es doch v.a. auf Face­book etli­che Rück­mel­dun­gen zu “zu voll!”: Das Amphi ist in Gel­sen­kir­chen mit unter 5000 Besu­chern gestar­tet. Beim ersten Mal Tanz­brun­nen waren es 7500 Leu­te (pro Tag), 2010 unter Ein­bin­dung des Staa­ten­hau­ses schon 16000 pro Tag! Ab 2016 “nur” um die 12000/12500 Men­schen wegen Weg­fall des Staa­ten­hau­ses und Aus­wei­chen auf Thea­ter Stage + Orbit Stage. Ab 23 feh­len die Anga­ben auf der offi­zi­el­len Sei­te. Für das ver­gan­ge­ne Wochen­en­de geben meh­re­re Quel­len 12500 Gäste an, aber man mun­kelt, es sei­en “wegen Jubi­lä­um” auch um die 14000 Kar­ten ver­kauft wor­den. Fakt ist: Es war noch nie so voll am hin­te­ren Ende des Publi­kums vor der Main Stage, also wo man am “Met­brun­nen” vor­bei­ge­hen möch­te. Da muß­te man sich durch­drän­gen – habe ich bis­her so nicht erlebt. Viel­leicht lag es an der unat­trak­tiv weit ent­fern­ten Orbit Stage, die im übri­gen nur max. 1000 Men­schen ein Live-Erleb­nis bie­ten kann.)

Dann Ent­schei­dungs­zeit: Mono Inc. oder Rue Ober­kampf. Für Cor­ri-May stand fest: Mono Inc. Ich brauch­te See­len­fut­ter und ging ins Thea­ter. Julia und Oli­ver spiel­ten eine per­fek­te Show, hol­ten mich ab, tru­gen mich weg aus der Men­ge der frem­den Men­schen – “allein!” Wie­der ein­mal staun­te ich über den unge­wohnt gut aus­ge­steu­er­ten Sound im Thea­ter. Da gibt’s wenig zu schrei­ben: ich habe auf­ge­so­gen. (Und ja, ich wer­de Mono Inc. im Juni 27 sehen, von daher …)

Covenant auf dem Amphi Festival 2026Noch eine Run­de übers Gelän­de, ein paar Lie­der von Covenant, dann nach Hau­se. Die Absa­ge von VNV Nati­on kam plötz­lich, kam wie­der­holt, denn schon letz­tes Jahr hat­te Ronan den Amphi-Auf­tritt wegen gesund­heit­li­chen Pro­ble­men absa­gen müs­sen.

Hier flech­te ich das jetzt mit der Orbit Stage ein: Die­se Büh­ne auf dem Schiff, in den letz­ten Jah­ren öfter wegen Nied­rig­was­ser auf der ‘fal­schen’ Rhein-Sei­te, ist m.E. für die Amphi-Orga so ein Pre­sti­ge­ob­jekt, das nun zu einer Alt­last gewor­den ist, so emp­fin­de ich das. Selbst wenn das Boot auf der glei­chen Sei­te anle­gen kann, ist es ein Gedrän­ge dar­in – wenn man nicht wegen Ein­laß-Stop drau­ßen war­ten muß. Ich erwäh­ne es im Sonn­tags-Bericht: Thea­ter Stage maxi­mal 2000 Men­schen, auf dem Schiff ca. 1700, aber nur 1000 mit Blick auf die Büh­ne. Der gesam­te Rest bevöl­kert eben den Tanz­brun­nen vor der Main Stage…

Ich wür­de mir wün­schen, man ging vom Boot weg und wür­de für die drit­te Büh­ne irgend­ei­ne Lösung im Bereich Tanz­brun­nen fin­den. Ich könn­te auch mit zwei Büh­nen gut leben – im Wis­sen, daß ich jeder­zeit über kur­ze Wege zur ande­ren kom­me.

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