Eine ruhige Nacht zum Freitag; früh zur „Wischi-Waschi-Station“ zum Duschen, wo es warmes Wasser genau in der Temperatur gab, die ich mag. (Die kleinen Dinge des Lebens…) Lob! 🙂
Den Vormittag verbummelt, im Schatten gesessen. Am frühen Nachmittag Richtung Bühne, Stände usw. gegangen. Beim offiziellen Merch leider kein Shirt gefunden, das mich so richtig angesprochen hat, dafür dann eine Mütze gekauft.
Kurz zu “Speis & Trank”: wie immer links der Bühne der Orga-Bierstand, diesmal als “Schatten-Schenke” bzw. “Volkseigene Besaufstation” bezeichnet. Ein halber Liter Bier kostete 4€, da kann man nicht meckern. Rechts der Bühne die Entenfang-Gastronomie mit Essen und Bierstand; auch dort der gleiche Preis, aber Ur-Krostitzer im Ausschank, das mir besser schmeckte. Bei der Gastro abwechslungsreiche Angebote bis hin zur ‘Toten Oma’, so eine Art ‘Himmel un Ääd’ des Ostens. Eine große Tüte Pommes/Mayo lag bei fairen 4€.
Los ging es mit Villanelle, einem Elektro-Projekt zweier Frauen aus Spanien. Hier begann das, was Corri-May später so als „Elektro-Müdigkeit“ bezeichnen würden: wenig Varianz im Rhythmus oder in den Melodien, monotone Stimme und viel krach-bumm. Ok als Opener, aber da hat mich nix gepackt.
Doch dann! Mit Inner Missing kam ein Doom-Metal-Duo aus Rußland auf die Bühne, das heute wohl in Israel lebt. Gitarrist und Sänger Sigmund singt mit klarem Bariton, Bassistin Melaer spielt virtuos auf einem fretless Bass – sehr genial. Ich meine auch, daß beide evt. eine Gesangsausbildung haben, das war musikalisch sehr spannend. Doom- bzw. Gothic-Metal, oft trancig – das hat mich gut abgeholt. Sehr schöner Gig!
Zwischendurch Runde gedreht, Bratwurst gegessen, mit Leuten geredet. Der Himmel zog sich so langsam bei Regen-Prognose zu.
World, Interrupted – erneut Elektro mit für mich sehr monotonem Gesang der hochschwangeren Sängerin – was inhaltlich sicher nichts miteinander zu tun hat. 🫣 Das polnische Duo hat sich wohl in Deutschland in einer „Deutsch-Klasse“ kennengelernt. Fett prangte der FCK-PTN-Aufkleber auf dem Notebook. Nun ja, Ok.
Wir gingen zum Wagen zurück, Pause, Essen, dadurch fielen Psycho: Lies für uns aus.
Mit Regenklamotten wieder zur Bühne: Als The Vision Bleak starteten, dachte ich, das ist jetzt die Musik für einen „imaginary Western“. Hm, war das nun Death Rock? Laut Websuche spielt die Band “Gothic Metal”. Eingängig,
kantig, gut ausgesteuert, unterhaltsam, aber nicht haftend. ‚Night of the Living Dead‘ mochte ich. Manchmal fühlte ich mich positiv an Haggard erinnert, die ich früher mal hörte.
Ductape haben wir von etwas weiter hinten gesehen. Das Duo hat eine sehr klare Arbeitsteilung: Furkan Güleray schrummelt stumm auf der Gitarre, während Çağla Güleray die Show macht und die Synths bedient. Für mich dürfte die Gitarre viel weiter in den Vordergrund gemixt sein: da kämen dann echte Sisters-Feelings auf. So war es erneut Electro mit post-punkigem Einschlag, aber eben auch mit einer größeren Abwechslung, als bisher gehört. Man versteht, warum Ductape gerade so angesagt sind: Musik, Performance – das stimmt. Schöner Auftritt insgesamt. (Nachtrag: Bei diesen Bands merke ich, daß ich alt werde. Sie spielen die angesagte Musik der 20er des neuen Jahrhunderts, während ich Bands der 90er nachhänge.)
Ok, hier ist nun eine kleine Entschuldigung nötig. Im Vorbericht schrieb ich, die Band mit dem unleserlichen Namen (auf Flyer/Plakat) müsse sich bei mir schon echt Mühe geben. Sorry, Eisregen, jetzt weiß ich, daß ihr euren eigenen Schriftfont habt – und da war keine Mühe nötig: ich habe euren Auftritt genossen! Wie war es möglich, bei über 30 Jahren Bandgeschichte nie über euch gestolpert zu sein? Ich höre wohl doch irgendwie zu wenig Electro-Konter-Metal.
Aber so ist das: am Sanitär-Bereich lief später ein Lied, das genau die verstaubte Synapse in meinem Hirn erreichte, die dadurch wieder zum Feuern gebracht wurde: Chop Suey! von System of a Down, das sofort in eine meiner Playlists wandert.
Eisregen mit ihrem „Dark Metal“ mit Anleihen aus Black- und Death-Metal brillierten mit glasklarem Sound, fetter Gitarre und der Stimme von „Blutkehle“ Michael, sicher markantestes Merkmal der Band. Umstrittene Texte, das Album “Krebskolonie” ist in der Ursprungsversion noch auf dem Index, wurde später textlich überarbeitet und re-released, krasse, splatterige Text-Bilder – so was liegt mir (ab und an). Tatsächlich der einzige Gig heute, bei dem ich getanzt habe. Und „Am Abgrund“ rutscht nun in meine „primary playlist“. Allein die ersten Worte “Ich hab’ es aufgegeben, ein guter Mensch zu sein. Und in diesem Scheitern bin ich nicht allein…”
In der Pause wurde dann ein 3m-Flugzeug auf der Bühne befestigt – Funker Vogt kündigten sich an. In der Bandgeschichte holprige Jahre nach dem Ausstieg von Jens Kästel und der schlechten Entscheidung, Sacha Korn zu engagieren. Heute singt Bastian Polak (von Intent:Outtake), aber Funker Vogt mit ihrem immer sehr ähnlichen Song-Aufbau (kennst du Black Market Dealers, kennst du alle Lieders) waren für mich Musik vom Ende der 90er bis zum Ende der 2000er. Möglicherweise, liebe Funker, tue ich euch damit Unrecht. Der Gig brachte ein stückweit das alte Funker-Feeling, doch auch so eine Wehmut mit Blick auf „vergangene Tage“.
(Beim Korrekturlesen stolpere ich wieder über diesen Absatz, der nicht sagt, was ich meine: Kästel fehlt mir – Funker Vogt mit ihm als Frontmann. Wäre es besser gewesen, das Projekt FV zu beerdigen und mit etwas Frischem zu starten? Seinerzeit ging der Sonic Seducer davon aus, daß mit Kästels Ausstieg FV zu Ende sei. Aber die Band schleppt sich unter diesem Namen und mit Seitenprojekten durch die Jahre. Ich würde das so nicht machen. Es zu sehen, erzeugt bei mir Melancholie.)
Vor dem Headliner, Years of Denial, waren Corri-May und ich uns einig: das war genug Electro für heute – die haben wir – nach kurzen “Hörproben” – nicht mehr gesehen. Sorry für das Aufmerksamkeits-Denial.
Kühle Nacht zum Samstag.


