M’era Luna 2026 – Sams­tag

Eingang zum Infield, M'era Luna 2026

Rush & Corri-May auf dem M'era LunaWie immer bei die­sen Kon­zert­be­rich­ten: Ich schrei­be über das, was ich gese­hen, gehört, mit­be­kom­men habe. Eben­so: nichts über das Rah­men­pro­gramm, das mich nicht inter­es­siert.

Ein ruhi­ger Mor­gen – nur etwas Groll über mich selbst und den schö­nen, am Frei­tag­abend ver­lo­re­nen Ring. Doch genau so soll­te es wei­ter­ge­hen: auf dem Weg zum Lee­ren der Toi­let­ten-Kas­set­te habe ich den Tank­schlüs­sel des Wagens ver­lo­ren: Loch in der Tasche *face­palm*
Weg zwei­mal abge­gan­gen, aber … die net­ten MLer waren bes­ser: schnell wur­de der Schlüs­sel gefun­den und an der Info hin­ter­legt. 
Also: Wenn du den Schlüs­sel bei “Trom­pe­te 54“gefunden hast: ganz lie­ben Dank! 😘

M'era Luna InfieldEin wie­der aus­ver­kauf­tes Festi­val mit 25000 Gästen und durch­aus über­re­gio­na­ler Bericht­erstat­tung – inkl. ARTE-Live-Stream. Man kann sich beim NDR auch Bil­der­ga­le­rien anschau­en, aber wer meint, daß er da die “Durch­schnitts­be­su­cher” fin­det, den muß ich ent­täu­schen, denn wie immer sind die skur­ril­sten Kostü­me gleich bei meh­re­ren Blät­tern zu sehen.

Principe ValienteKur­ze Abstim­mung mit R. und L., unse­ren Freun­den auf dem Zelt­ge­län­de, dann auf zur Club Stage, um Prin­ci­pe Vali­en­te als für uns erste Band zu sehen. Das ist immer so eine schwie­ri­ge Ent­schei­dung: wenn ich um 12 zu den Ope­nern im Infield ste­he, dann gehe ich da 12 Stun­den spä­ter erst wie­der weg, es sei denn, ich möch­te den Weg zur “Wagen­burg” mehr­fach lat­schen. Man wird ja älter… Also Mor­tes, Xan­dria, Bey­ond Obses­si­on lei­der nicht gese­hen, obwohl alle drei mir beim Vor­ab­hö­ren gefie­len. (Mor­tes dann beim Stel­la Nomi­ne.)

Prin­ci­pe Vali­en­te spie­len Musik, die mich abholt: ein schö­ner Festi­val-Beginn mit einem Aber: ich ver­ste­he den Sän­ger nicht – weder aus der Kon­ser­ve, noch live. Das ist so eine Mischung aus Nuscheln und zu weit in den Hin­ter­grund gemisch­ten Vocals. Und das mit einem Hör­schutz, der die Stim­me bes­ser her­vor­tre­ten läßt – in der Theo­rie. Mit­ten­drin stup­ste mich Cor­ri-May an: “Ich ver­steh da kein Wort…”

Für ein Indu­stri­al, das sich Cor­ri-May ste­chen las­sen woll­te, gin­gen wir zum Wild­cat-Stand – und R. und ich hör­ten Auger mit etwas Distanz zur Büh­ne. Die hat­te mich mit ihrer Dark-Pop/­Rock-Mélan­ge beim 24er Amphi nicht fas­zi­niert, aber heu­te paß­te das: der Auf­tritt hat mir sehr gut gefal­len. Das war schon recht typi­scher Gothic Rock in moder­nem Gewand. Wer­de ich mir noch­mal genau­er anhö­ren.

Erst­mal ging es dann zum Wagen zurück – eine klei­ne Plan­um­stel­lung. Dadurch fiel alles auf der Main weg, was mich aber sowie­so nicht inter­es­sier­te: Hoci­co, Mega­herz, Com­bi­christ.

Für Diora­ma waren wir wie­der vor der Club Stage. Ich ken­ne ein, zwei Lie­der, aber die­se Elec­tro/­Syn­th­Pop-Müdig­keit, die so beim Amphi schon spür­bar war, zog sich fort: das plät­scher­te als Kon­zert so durch.

Doch DANACH! Vel­ja­nov hat­te ja krank­heits­be­dingt absa­gen müs­sen, und FKP Scor­pio schaff­te es, The Beau­ty of Gemi­na zu ver­pflich­ten. Holy MF Sh*t! Ich habe einen klei­nen Luft­sprung gemacht, als ich die­se Nach­richt weni­ge Tage vor dem ML las. Und so wur­de die­ser Auf­tritt von Micha­el Sele und sei­ner Trup­pe im Grund zu mei­nem Favo­ri­ten die­ses Wochen­en­des. Trotz Anrei­se­streß bot die Band eine ruhi­ge und tie­fe Per­for­mance, wofür ich sie lie­be. (Tour im Herbst 27; Kar­ten schon erhält­lich!)

 


 

 

 

 

 


Rüber zur Main, dort den Rest von The Bir­th­day Mas­sacre mit­be­kom­men – ein­gän­gig, ok.

Dort ging es wei­ter mit White Lies, ein Auf­tritt, der ziem­lich pola­ri­sier­te, so habe ich es in den Social Media mit­be­kom­men. Für eini­ge war das ein Höhe­punkt der Band-Geschich­te, ande­re frag­ten, was die­se Band mit ihrem “Alter­na­ti­ve Rock” denn auf dem M’era Luna macht. Ich bin ehr­lich: neben­bei ange­hört, ein biß­chen New Model Army und Bad Reli­gi­on raus­ge­hört, aber das ist kei­ne Musik, die ich heu­te noch höre. Ande­rer­seits macht die­se Abwechs­lung auch ein gutes Festi­val aus.

In Extre­mo waren vor­letz­ter Act auf der Main. Ich las­se es ja immer mal wie­der anklin­gen: die­ses gan­ze Mit­tel­al­ter-Ding ist für mich nicht so wirk­lich das, was ich per­sön­lich unter Schwar­zer Sze­ne ver­ste­he. Aber: ich habe In Extre­mo Ende der 90er geliebt. Ai Vis Lo Lop, Spiel­manns­fluch, Voll­mond und Die Gier waren lan­ge auf mei­ner Play­list – sind es heu­te nicht mehr. Wie schrei­be ich das jetzt?

Ich mei­ne, die Band ist in die Jah­re gekom­men; ihr wird der Rang von neu­en Künst­lern abge­lau­fen. Es war ein guter Auf­tritt mit viel Pyro­tech­nik, aber da pack­te mich gar nichts mehr. Ich kann das nicht gut beschrei­ben… Ich hat­te Asch von pho­to­phor beim kur­zen Gespräch beim Amphi schon erzählt, daß ich gera­de “Nie­der­gang” von Michel Onfray lese, ein Buch, das die Ver­gäng­lich­keit von allem deut­lich her­aus­stellt. Immer wie­der ent­steht Neu­es, das schwä­cher wird und von der Kraft des Wie­der­um-Neu­en ver­drängt wird. Das trifft auch Künst­ler, klar. Des­we­gen spie­len The 69 Eyes heu­te um 14 Uhr, frü­her aber gegen Abend in einem ‘bes­se­ren’ ’slot’.

Sonnenuntergang M'era LunaWithin Temp­t­ati­on, das hat­te ich vor­ab ent­schie­den, woll­te ich nicht anse­hen. Zum einen schon so oft gese­hen, zum ande­ren nicht mein favo­ri­sier­ter Musik­stil – und, so sag­te mir jemand, der sie heu­te auch nicht mehr hört, über die letz­ten Jah­re zu poli­tisch gewor­den. Letz­tes Jahr stand Frau den Adel ja mit Ukrai­ne-Flag­ge auf der Büh­ne: das geht für mich gar nicht, auch schon oft ange­spro­chen.

Also rüber zu Front Line Assem­bly. Die hat­te ich mit ihrem Album “Implo­de” Ende der 90er mal rauf- und run­ter­ge­hört – und irgend­wie “zugäng­li­cher” in Erin­ne­rung. Das war nun doch ein eher här­te­rer, mono­to­ner Indu­stri­al, der nicht nur mir nicht gefiel: das Publi­kum dünn­te sich nach und nach aus, was sehr scha­de ist für einen Head­li­ner auf der Club Stage.

Die Tem­pe­ra­tu­ren an die­sem Sams­tag waren um 30°C. Hier an der Stel­le gro­ßes Lob an die Orga: es waren wirk­lich genü­gend Trink­was­ser-Stel­len auf­ge­baut, so daß man immer Was­ser fin­den konn­te – auch ohne lan­ge Schlan­gen. Sehr gut!
Neben­bei: Auch Fold­Ta­ble hat wohl die­ses Jahr die Bän­ke in Ver­si­on 2.0 gelie­fert: ich habe kei­ne zusam­men­ge­bro­che­nen wie im Vor­jahr gese­hen. 😉

Trotz­dem war gera­de Face­book (ML-26-Grup­pe) voll mit Kri­tik. Wie­der “zu wenig Dixies, zu wenig Toi­let­ten­pa­pier” (kann ich nicht beur­tei­len), Aus­fahrt des Park­plat­zes nicht beschil­dert und nachts schwer zu fin­den, teu­res Essen, das zum Teil nicht schmeckt. Ja, die Prei­se… Wir lagen bei 7€ glatt für 0,5L Bier, 10ct über Wacken. Eine Currywurst/Pommes habe ich für 13€ erstan­den. Man­che Besu­cher sag­ten: nur auf dem Mit­tel­al­ter-Markt essen, da ist alles bes­ser; doch einer schrieb auf FB: bloß nicht, das Gulasch sei kom­plett unge­nieß­bar gewe­sen. Fun Fact: er hat­te vega­nes Gulasch gekauft… 😉

Zum Bier: es gab Beck’s‑Stände und neu­tra­le, die Anheu­ser-Busch Bud auf der Liste hat­ten. Hier gab es ja schon zu Wacken Dis­kus­sio­nen über die­se Mar­ke. Ich ging davon aus, daß Beck’s‑Stände auch die­ses Bier ver­kau­fen, aber eine Ver­käu­fe­rin sag­te uns: nö, alles ist hier Anheu­ser-Busch Bud. Wenn das stimmt, dann war das im Grun­de ein seich­tes Gebräu, das kei­nen beson­de­ren Ein­druck hin­ter­läßt.

Span­nend zu den Lösch­was­ser-Tanks auf der Lan­de­bahn: da lagen zwar Eimer drauf, aber der Hahn war knapp über dem Boden… Man fül­le die­se Eimer mal, wenn 1000L unter Druck raus­schie­ßen… 😉
Aber der Gedan­ke, die Moti­va­ti­on zählt ja.

Es war eine ruhi­ge Nacht.

Einen Gedan­ken brin­ge ich hier noch unter, damit nicht alles beim Sonn­tag lan­det: Natür­lich wur­de wie­der über die VIP­Ca­ve gelä­stert. Mei­stens war die Reak­ti­on: laß die doch, wenn die das zah­len wol­len. Aber das ist so nicht ganz kor­rekt: <rant mode on> bestimm­te “Flün­zer” wer­den ja, ohne dafür zah­len zu müs­sen, ein­ge­la­den. Nennt sich dann “Ambassa­dors”, wobei sich mir die­se Wort­wahl nicht erschließt. Das sind die, die nur vor dem Ein­gang posen, aber kei­ne Bil­der von Bands oder so zei­gen, weil die das aus der Distanz erlebt haben: da erschöpft sich die Anwe­sen­heit beim ML im Prä­sen­tie­ren des Out­fits und der Kriegs­be­ma­lung… 😉
Und ich fin­de: die VIP­Ca­ve ist noch­mal etwas ande­res als z.B. gestaf­fel­te Cam­ping-Ange­bo­te wie “Mein Zelt steht schon” oder “Gothic Gar­den”. Die sind nicht so “pro­mi­nent” sicht­bar, die­nen auch Men­schen mit kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen als Mög­lich­keit, gut am Festi­val teil­neh­men zu kön­nen. Die Cave hin­ge­gen ist für mich so wie Ani­mal Farm: “All goths are equal, but some goths are more equal than others.”
Und das stört mich – ein biß­chen, irgend­wie. Weil ich immer noch mein anar­chi­sti­sches Welt­bild pfle­ge, einen phi­lo­so­phi­schen Anar­chis­mus, wo Hier­ar­chien (und wenn die VIP­Ca­ve kei­ne ist, dann freß ich einen Besen) kei­nen Platz haben. <rant mode off>

In der FB-Grup­pe zum ML fand ich einen guten Kom­men­tar. Da ich nicht genau weiß, wie ich zitie­ren darf, mache ich das mit Initia­len. O.H. schrieb: “Je stär­ker das Festi­val aber als Life­style-Pro­dukt ver­mark­tet wird, desto mehr Men­schen kom­men nicht wegen der Sze­ne, son­dern weil es gera­de ange­sagt ist oder weil sie “mal schau­en” wol­len. Das ver­än­dert zwangs­läu­fig die Atmo­sphä­re. Was ein­mal beson­ders war, wird aus­tausch­bar.”

Rush out.

Zum Sonn­tag

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