Nacht­volk

Was bedeu­tet die Nacht für mich? Fas­zi­na­ti­on – seit ich ein klei­ner Jun­ge war. Beim Nach­den­ken fal­len mir ver­schie­de­ne Sze­nen aus mei­ner Kind­heit ein.

Da ist der Auf­bruch zur Fahrt in den Urlaub mor­gens um 4 Uhr. Ich ste­he als klei­ner Jun­ge im dunk­len Hof und schaue in den Him­mel, wo eine Unzahl von Ster­nen leuch­tet. Das hat­te ich so noch nie gese­hen. Ich kann mei­nen Blick kaum abwen­den und rufe zum Opa, der uns vom Fen­ster ver­ab­schie­det: “Opa, schau mal, die gan­zen Ster­ne!” Die Sze­ne ist wie ein­gra­viert in mei­ne See­len­land­schaft. Nacht­volk wei­ter­le­sen

Laken so weiß

Laken so weiß wie der kal­te Mond
Schnei­dend die Käl­te der Nacht
doch da der Mor­gen

Eine Stra­fe mag kom­men
Kein kla­re­res Leben
doch Befrie­di­gung

Der wei­ße Skla­ve emp­fängt Frie­den
Lebt im blau­en Rausch
der sin­nen­ge­ge­ben

Ohne Frei­heit doch
Da die Wahl der Waf­fen ent­fällt
für ihn

[© Rush / V. Wag­ner]

Laken so weiß wei­ter­le­sen

Ohne­welt

Nacht.
Im flackern­den Licht der letz­ten Ker­ze.

Thessaloniki, Abend, Hafen, Lichter
Her­ein­bre­chen­de Nacht, Thes­sa­lo­ni­ki

Du bist fort.
In Unord­nung zer­streut.
Gedan­ken wie Ver­gan­gen­heit, ein Abend Aben­de.
In Erin­ne­rung eine ohn­mäch­ti­ge Geste.
Radio lebt – wie dein Duft im Kis­sen.
Auf­räu­men im Kopf, im Zim­mer -
besei­ti­gen vor dem Mor­gen,
der mit unheil­vol­lem Licht blen­det. Ohne­welt wei­ter­le­sen

Eis­blu­men – im Lied und im Gedicht

In den 90ern hör­te ich inten­si­ver Sub­way to Sal­ly, heu­te nicht mehr. Grün­de? Ich war damals in einer, sagen wir, Vor­rei­ter­rol­le in der heid­ni­schen Sze­ne in Deutsch­land aktiv. Das bin ich heu­te nicht mehr, und damit höre ich auch etli­che der Bands aus die­ser Zeit nicht mehr, da die The­men nicht mehr “mei­ne” sind.

Aber in mei­ner Play­list ist immer noch das Lied “Eis­blu­men”, das mir viel­leicht auch so gut gefällt, weil, ja weil… ich mal ein Gedicht geschrie­ben habe für eine Frau, mit der ich eine schwie­ri­ge Bezie­hung ein­ge­gan­gen war. Hier zunächst ein kur­zer Aus­zug aus dem Lied “Eis­blu­men” (© Sub­way to Sal­ly), dar­un­ter mein Gedicht: Eis­blu­men – im Lied und im Gedicht wei­ter­le­sen

I died for beau­ty (Emi­ly Dick­in­son)

Nebel, Tannen, Waldweg, Schnee, Winter, DüsterkeitI died for Beau­ty – but was scar­ce
Adju­sted in the Tomb
When One who died for Truth, was lain
In an adjoi­ning Room -

He que­stio­ned soft­ly “Why I fai­led”?
“For Beau­ty”, I replied -
“And I – for Truth – Thems­elf are One -
We Bre­th­ren are”, He said -

And so, as Kins­men, met a Night —
We tal­ked bet­ween the Rooms -
Until the Moss had rea­ched our lips -
And cover­ed up – Our names -

[Emi­ly Dick­in­son]


“The poem weighs idea­lism against the stark rea­li­ty of death, empha­si­zing that death is far more per­ma­nent than the ide­als peo­p­le die for.” (LitCharts.com)

Träu­mer

Schon mei­nen Spiel­ge­nos­sen hieß ich Träu­mer;
Denn wie ein Bru­der eng­ver­wandt von je,
Fühlt’ ich, o Schmerz, du tie­fer, all­ge­hei­mer,
Mich dir und dei­nem dunk­len Weh.

Wenn lachend über mir des Lebens blau­er
Licht­him­mel hängt, mich Scherz und Lust umhallt,
Doch stets zu dir in dei­ne ern­ste Trau­er
Zurück­ge­zo­gen werd’ ich bald.

In mich mit lan­gen, durst’gen Zügen sau­ge
Ich dei­nen Odem, wäh­rend so ver­traut,
Und wie aus Welt­all­tie­fen doch, dein Auge,
Das gro­ße, dun­kel auf mich schaut.

Da fühl’ ich: aus dem düstern Reich dort unten
Nur kommt die Wei­he in des Men­schen Brust,
Und matt und schal erscheint mit ihren bun­ten
Trug­bil­dern mir der Erde Lust.

[A.F. v. Schack, Wei­he des Schmer­zes]

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