LYRV-27 (B. Fried­hof)

Gute deut­sche post-apo­ka­lyp­ti­sche Lite­ra­tur ist sel­ten. Oft fin­de ich bil­li­ge eBooks mit einem Schreib­stil zwi­schen Viert­kläß­ler und Gro­schen­heft – und grei­fe dann auf eng­li­sche Titel zurück, die das “Maß der Din­ge” sind – s. The Road, The Dog Stars, gera­de in der Ver­fil­mung von Rid­ley Scott (August im Kino): neben dem über­zeu­gen­den Set­ting eine der schön­sten Lie­bes­ge­schich­ten, die ich je gele­sen habe.

Dann fiel mir kurz vor dem Amphi-Wochen­en­de in Köln der Roman von Ben Fried­hof (Pseud­onym des in Kre­feld leben­den Autors) in die Hän­de; Unter­ti­tel: Flucht aus Köln.

Das ist ein klas­si­scher Zom­bie-Roman, das heißt die Zom­bies sind so, wie wir sie aus den gan­zen Fil­men ken­nen: aggres­siv, schnell.
Aktu­ell gibt es drei Bücher in die­ser Serie, das vier­te ist wohl für den Herbst ange­kün­digt. 

Ich muß hier als erstes her­vor­he­ben, daß der Autor einen wirk­lich guten und sehr pla­sti­schen Schreib­stil hat. Für mich hebt er sich inso­fern aus der Mas­se her­aus, als daß ich so einen Stil sehr, sehr ger­ne lese und mich freue, daß es doch noch deut­sche Autoren in weni­ger “lite­ra­risch wert­vol­len” Gen­res gibt, die schlicht­weg schrei­ben, erzäh­len kön­nen.
Mit “pla­stisch” mei­ne ich, daß Fried­hof Ein­drücke schil­dert (grel­les Mor­gen­licht, Geschmack im Mund, Schmer­zen…), mit denen sich der Leser in die Sze­ne hin­ein­füh­len kann.
Oder so Geplän­kel-Sze­nen mit einem gewis­sen Charme / Wort­witz wie: “Nur wenn du nicht wie­der mit der Decke mono­po­li­stisch wirst”, sagt Eli­as zu Kira, wor­auf sie ant­wor­tet: “Ich bin Decken-Kapi­ta­li­stin, sor­ry. Gibt kei­nen Sozia­lis­mus bei Wär­me.”

Wir lesen die Geschich­te von Eli­as (Prot­ago­nist), Kira und Leo, die in einer Köl­ner WG leben. Die Kata­stro­phe beginnt – an Coro­na ange­lehnt – mit Nach­rich­ten aus Chi­na, selt­sa­men Angrif­fen in den Haupt­städ­ten der Welt – bis das Cha­os immer näher kommt. Sehr gut beschreibt der Autor die Unsi­cher­heit der Men­schen, die nicht ein­schät­zen kön­nen, was da auf sie zukommt.

Vor­den­ker der Grup­pe ist Leo, der die Situa­ti­on früh rich­tig ein­schätzt und die wei­te­ren Aktio­nen lenkt, so den “Ham­ster­kauf” vor dem gro­ßen Aus­bruch. Letz­te­rer wird reell geschil­dert, also als Kon­troll­ver­lust der medi­zi­ni­schen und Ord­nungs­in­fra­struk­tur.

Den Drei­en wird klar, sie müs­sen raus aus der Groß­stadt, daher ist die Flucht in die Eifel zen­tral in der Geschich­te.

Ich will hier nicht zuviel ’spoi­lern’. Eli­as’ Schwe­ster Anna kommt hin­zu: hier hat­te ich das erste Mal so einen Moment, in dem die Immersi­on ver­schwand, weil in kei­ner Wei­se the­ma­ti­siert wur­de, ob sie infi­ziert sein könn­te – zumal noch nicht klar war, ob es auch eine aero­ge­ne Über­tra­gung gibt.

Momen­te der Hoff­nung, Momen­te der Angst – Fried­hof lie­fert einen wirk­lich run­den Roman. Da will ich bei allen fach­lich über­zeu­gen­den  “Prepping”-Elementen ver­zei­hen, daß in Schlüs­sel­sze­nen mehr­fach gehupt wird, was der­ma­ßen däm­lich ist. Ver­mut­lich soll das Hupen ein­fach die näch­ste Action trig­gern, denn die Zom­bies ste­hen auf Lärm.
Der Tod eines Prot­ago­ni­sten ist schlecht beschrie­ben – das “Wir holen dich raus!” ist völ­lig sinn­frei. Hier merkt man, daß m.E. ein Lek­to­rat gefehlt hat. (Vie­le Sät­ze in der Taschen­buch­aus­ga­be sind zudem mit­ten in der Zei­le umbro­chen.)

Spoi­ler zum Ende – ggf. nicht wei­ter­le­sen:


 

Daß es gera­de die Bun­des­wehr ist, die am Ende noch zackig-ein­satz­be­reit ist und für Ret­tung sorgt, gefällt mir nicht – nicht in die­sen Zei­ten der “Kriegs­vor­be­rei­tung” (ich ver­wen­de mal ein harm­lo­ses Wort), der sprach­li­chen Mili­ta­ri­sie­rung des Dis­kur­ses, der (stu­fen­wei­se) Wie­der­ein­füh­rung der Wehr­pflicht. So ein Ende des Buches hät­te ich abso­lut nicht gebraucht – und das hat mich auch von der Bestel­lung des zwei­ten Romans abge­hal­ten, von dem ich nur ansatz­wei­se weiß, daß Eli­as von den ande­ren getrennt wird (?).

Trotz­dem: ein soli­der, sprach­lich anspre­chen­der Roman über eine Zom­bie-Apo­ka­lyp­se in einer mir bekann­ten Stadt (habe in der Süd­stadt stu­diert). Gera­de die­se “Orts­nä­he” trans­por­tiert für mich so ein Gefühl von Betrof­fen­heit: “Es”, was immer ‘es’ dann ist, kann hier direkt in der Nähe pas­sie­ren.

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