The Haun­ting of Bly Man­or (Serie)

Daß HBM – “Spuk in Bly Man­or” – eine Serie ist (Wiki­pe­dia, Net­flix 2020, Nach­fol­ge-Serie zu Haun­ting of Hill Hou­se), scha­det m.E. der Erzäh­lung. Ich habe mit Seri­en oft das Pro­blem, das Wolf­gang M. Schmitt in Die Film­ana­ly­se schil­dert: Seri­en sind auf­grund ihrer Län­ge Zer­streu­ung, Fami­li­en­er­satz, vor allem aber Zeit­ver­schwen­dung. Vir­tuo­si­tät, so Schmitt, ist die Beschrän­kung auf das Wesent­li­che. Im Ide­al­fall soll­te man als Zuschau­er die Hin­ter­grün­de in Minu­ten ver­ste­hen, wäh­rend man bei Seri­en oft erst nach vie­len Fol­gen einen Durch­blick hat – talk about Bly Man­or.

Doch zuerst das Posi­ti­ve: Mike Fla­na­gan hat die auf Kurz­ge­schich­ten von Hen­ry James basie­ren­de Serie gut, atmo­sphä­risch ver­filmt. Als Zuschau­er erle­ben wir den Haupt­teil der Geschich­te fokus­siert auf das ame­ri­ka­ni­sche Au-Pair-Mäd­chen Dani­elle, das 1987 als Kin­der­mäd­chen für die Kin­der Flo­ra und Miles in Bly Man­or enga­giert wird. Koch, Haus­häl­te­rin, Gärt­ne­rin und das Au-Pair bil­den die Kern­trup­pe im Her­ren­haus. (Der fol­gen­de Text spoi­lert das Seri­en­en­de!)

Wäh­rend des Schau­ens fand ich aber, daß sich die Zeit in die Län­ge zieht. Man ahnt früh, daß Peter Quint ein Geist ist, braucht bei ande­ren Per­so­nen und der Art ihres Auf­tre­tens (Han­nah) aber län­ger, z.T. weil Sze­nen in der Ver­gan­gen­heit erzählt wer­den. Das ist das, was Schmitt (s.o.) an Seri­en kri­ti­siert.
Hin­zu kommt noch das Ele­ment, daß oft zwei Per­so­nen immer wie­der in der Zeit zurück­sprin­gen und ihr Gespräch in leicht ver­än­der­ter Form füh­ren. Hier muß man genau zuhö­ren, um die inhalt­li­chen Unter­schie­de zu ver­ste­hen.

Das Mäd­chen Flo­ra führt dann den Begriff des “Weg­steckens” ein: die Per­so­nen erle­ben frü­he­re Momen­te und Tote wie­der, weil sie jemand in die/der Erin­ne­rung “weg­steckt”. Das ist auch so zu ver­ste­hen, daß die Gei­ster von den Leben­den Besitz ergrei­fen kön­nen. Das zieht sich über etli­che Epi­so­den hin, wo frü­her Auf­klä­rung – oder Fort­füh­rung der Geschich­te nötig gewe­sen wäre.

Bis Epi­so­de 7, dann wie­der in 9, ist die Geschich­te in eine Rah­men­hand­lung 1987 ein­ge­baut: eine Frau erzählt einer Hoch­zeits­ge­sell­schaft, was in Bly Man­or pas­siert ist. Erst in der 8. Fol­ge erzählt sie die in Schwarz­weiß gefilm­te Geschich­te des Anwe­sens und man ver­steht, was Flo­ra mit der „Frau aus dem See“ mein­te. Ein Geist aus dem 17. Jahr­hun­dert hat eine „Schwer­kraft“ um das Haus her­um auf­ge­baut, in der vie­le sei­ner wahl­los getö­te­ten Opfer gefan­gen sind.

Die Abschluß-Fol­ge redu­ziert dann aber mei­ne Kri­tik, denn wir erle­ben die Fort­füh­rung der im übri­gen sehr emo­tio­nal erzähl­ten les­bi­schen Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen Dani­elle und der Gärt­ne­rin. Und aus dem Hap­py End der vor­letz­ten Epi­so­de erwächst eine lan­ge gemein­sa­me Zeit in den USA, die – pro­gram­ma­tisch – immer einen Tag nach dem ande­ren geplant wird. Denn die Kin­der von Bly Man­or wur­den nur geret­tet, weil da Au-Pair Dani­elle den bösen Geist in sich über­nom­men hat. Sie ver­läßt die Gärt­ne­rin, ihre Part­ne­rin, als die­se böse Sei­te nach Jah­ren aktiv wird.

So ste­hen wir am Ende einer guten Serie. Wir iden­ti­fi­zie­ren die Erzäh­le­rin der Rah­men­hand­lung mit der Gärt­ne­rin und erken­nen in der Braut das Mäd­chen, Flo­ra. Ein Geist blieb in Bly Man­or zurück – ein guter Geist.

Die bei­den letz­ten Fol­gen haben mei­nen Ein­druck von HBM gedreht. Plötz­lich waren die Län­gen, v.a. in den Fol­gen 3–6 vergessen.Trotzdem müß­te ich mit dem Wis­sen aus der letz­ten Epi­so­de alles noch ein­mal schau­en, aber das wäre ja eine ziem­li­che Lebens­zeit­ver­schwen­dung. Daher: HBM wird bei mir in Erin­ne­rung blei­ben, wäh­rend ich Fla­na­gans Vor­gän­ger-Serie, The Haun­ting of Hill Hou­se, schon ver­ges­sen habe.

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