L’Âme Immortelle, Kulttempel Oberhausen, 2.2.24

Kulttempel Oberhausen

Ich hatte kurz auf die Ungelebte-Leben-Tour von L’Âme Immortelle hingewiesen – gestern haben wir die Band live gesehen.

Nach einer stressigen Woche fuhren wir mit Staus bei Köln und Duisburg am Freitagnachmittag nach Oberhausen. Die Band hatte um 19 Uhr ein ‚Fantreffen‘ im Kulttempel, kurz nach 8 war Einlaß, ab 9 starteten die Supports, die Hauptband dann recht spät gegen 23 Uhr. Insbesondere da es nachher noch die Disco ‚All Styles Black‘ geben sollte, fand ich die Zeitplanung suboptimal. Ich finde, wer unbedingt ‚Meet & Greet‘ will, kann dafür auch um 17 oder 18 Uhr da sein, damit der Abend früher starten kann.
Am Rande dazu: Als wir ca. 20:20 reinkamen, sagte eine Frau zu mir: „Ach, Sie kommen jetzt erst rein…“ Ich entgegnete ihr lakonisch etwas, sie dann so mit der Stimme, die allen Gläubigen gemeinsam ist, hauchend: „Ich habe beide SPRECHEN KÖNNEN!“ 😂 (Rush: mentaler Kniefall)

Alpha Point

So, dann im vollen Kulttempel der Auftakt mit dem aus Moldawien stammenden Electro-Duo Alpha Point. Vorab: ich kritisiere aus meinem Blickwinkel, andere dürfen das anders sehen. Erster Eindruck vom Sänger, der sich auch Rush nennt: ADHS on Stage. Aber vielleicht geht moldawisches Publikum bei Support mehr mit, als die stoisch auf LAM wartende Tempelversammlung. Doch die Musik, die Texte, soweit ich sie verstand, korrigierten für mich das Bild zum Positiven: ja, kann man gut hören. Erinnerten mich z.T. an Pohls „She hates emotions“. Mir gefielen der Song mit ‚Shattered …‘ und ‚Emptiness within‘.

BURN

Kurzer Umbau, dann waren Burn dran. Auch hier der erste Eindruck: Oh Gott, ein deutscher Robert Smith. Ehrlich: Warum will man im Musik-Business erfolgreich sein, indem man aussieht wie der alternde Smith mit Bauchansatz und schütterem Haar, und auch noch in der gleichen Tonlage singt, und die Musik an The Cure orientiert, wenn auch durchgängig etwas rockiger in Richtung Gothic Rock?
Egal, mir hat’s aufgrund meiner Vorlieben wesentlich besser gefallen als die erste Vorband, klar, aber wenn ich ehrlich bin: beide bleiben nicht in dauerhafter Erinnerung, sorry. Und der Spruch des Sängers, das Publikum solle nicht so ‚katholisch‘ sein, sondern mehr mitgehen, mitsingen, war völlig unnötig.

Nun also L’Âme Immortelle. Thomas Rainer kam mit gefütterter Jacke auf die Bühne, während Sonja Kraushofer mit den ersten Zeilen von ‚Was wäre wenn‘ mittig durchs Publikum vor die Bühne kam – und das Lied komplett i.S. eines Bades in der Menge sang. Genialer Auftakt – und wir werden sehen: genauso genialer Ausklang später.

Ich bin kein Musikjournalist, daher stehe ich nicht mit Notizblock oder Handy da und schreibe Titel und Eindrücke mit. Aber: die Setlist ist schon online – und ich habe sie in eine Playlist bei Spotify überführt. Tx 4 nothing.
Zu mir und LAM: Ich war ab dem 1997er Album ‚Lieder, die wie Wunden bluten‘ an der Band dran, habe aber ab 2002/3 die Alben nicht mehr so intensiv verfolgt. Gesungen wurden am Abend die Lieder, die man von der Band kennen muß. Ein Fokus lag auf langen ruhigen, von Sonja allein gesungenen Balladen – insbesondere mit dem symphonisch aufbrausenden ‚Widerhall‘. Zweimal sang Thomas allein auf der Bühne, während Sonja sich umzog. Sie präsentierte sich in zwei schwarzen und einem schwarz-roten Kleid. Das Publikum ging mit, sang mit und war von Sonjas Präsentation begeistert. Thomas war manchmal mehr mit dem Publikum in seiner Ecke beschäftigt, was mich irritierte und vom eigentlichen Lied ablenkte.
[Pro Tip: Wenn man in verschiedenen Liedern den gleichen Reim ‚thront‘ auf ‚wohnt‘ benutzt, sollte man die Lieder etwas weiter auseinander platzieren – fällt sonst auf. LOL]

Die Zugaben waren ‚5 Jahre‘ und eine fantastisch performte Version von ‚Es tut mir leid‘.
Momente lang war dann unklar: war es das? Musik lief kurz an… BITTERKEIT? Doch dann wurde umgebaut, Sonja und Thomas nahmen am Keyboard Platz und sangen eine ergreifende, langsame Version von Bitterkeit. Dieses Lied … ‚verfolgt‘ mich durch die Jahrzehnte, wieder feuchte Augen nach diesem Konzert der Superlative.

Ton: Perfekt bei Sonja ausgesteuert. Thomas hat seine Vocals wesentlich mehr durch ‚Schreien‘ verzerrt, als es bei den Studioaufnahmen der Fall ist. Hat mir persönlich nicht so gefallen. Ich mag die stimmliche Interaktion, den Kontrast, der die Band ausmacht, finde aber, die tiefe Stimme sollte trotzdem gut verstehbar sein (weswegen ich vermutlich hunderte Metal-Stile nicht mag).

Licht an und Schlange vor dem Ausgang – so, als würden alle panisch flüchten wollen. Dabei war doch noch Disco angesagt. Aber wie schon im Dezember war mein Eindruck, die Leute wollen heim – oder woanders hin. Durch den späten Beginn war gegen 2 nur noch eine Handvoll Leute auf der Tanzfläche; es wurde ungemütlich, weil abgebaut und Sachen durch den Raum geschleppt wurden. Aber trotzdem mußte ich beim Tanzen zu Boy Harsher’s ‚Pain‘ schmunzeln: das Lied ist letzte Woche in meine Sommer-Playlist gewandert, die ca. April online geht.

Heute war die Musik weniger elektro-lastig, mehr Klassiker und so ein spannendes Projekt wie ‚I can see a Darkness‘ von Acid Pauli vs Johnny Cash. Letztlich konnte man noch erleben, wie der Wunsch einer einzigen Person die Tanzfläche leerfegte – dann war auch für uns Zeit, Richtung Hotel zu gehen.
Herrlicher Abend!

Kurz noch zum Publikum: schwarze Kleidung, aber oft eben Jeans + T-Shirt. Zwei Mädels in so einer Art Fetish-Outfit, kaum einer wirklich aufwendig ausstaffiert.

Weitere Möglichkeiten, die Band zu sehen:

  • 15.2. Hannover
  • 16.2. Berlin
  • 17.2. Flensburg
  • 23.2. Hamburg
  • 24.2. Freiburg

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