Amphi-Festival 2023 – der Samstag

Amphi Festival, 2023, Logo, Orbit Stage
Banner Orbit Stage

Dieses Jahr bin ich etwas genervt zum Amphi gefahren. Gründe: Fahr- bzw. Übernachtungssituation und Programm(konflikte).

Es war lange unklar, ob meine Frau und ich gemeinsam zum Amphi fahren würden, daher war kein Hotel gebucht. Als ich dann im Februar oder so schaute, waren die Kontingente der Tanzbrunnen-nahen Hotels weg oder so teuer, daß ich meinen Augen kaum traute.
Ich fand ein Hotel auf der anderen Rheinseite in der Südstadt, reservierte für Freitag auf Montag.
Dann kamen die Überlegungen: zu Fuß zum Tanzbrunnen eine halbe Stunde. Ist morgens gut machbar, aber dann steht/läuft/tanzt man den ganzen Tag und muß noch zurück. Also Taxikosten, vielleicht 20€ pro Fahrt. Kein Frühstück inkludiert, also zusätzliche Essenskosten. Überlegt, besprochen, gecancelt – kein Hotel!

Das bedeutete dann aber Samstagmorgen mit dem Auto hin, abends zurück, Sonntag wieder hin…
Penis-Waffeln u. Phallus-Symbol

Das ist einfach nicht so entspannt, wie ich das Wochenende haben möchte. Doch wir hatten Glück: wir konnten im RTL-Parkhaus parken und waren damit nah am Tanzbrunnen, und das für gerade 10€/Tag.

Während ich dann beim kurzen Vorbericht all die tollen Acts benannt hatte, die ich „sehen muß“, zeigte mir die Running Order, daß ich dieses Jahr auch mal schlechte Karten haben würde. So viele Überschneidungen und wieder das Gefühl, daß drei Bühnen für ein Wochenend-Festival überdimensioniert sind – auch wenn das Rheinschiff doch noch am rechten Ufer anlegen konnte, was 400m Fußweg statt Shuttle-Busfahrt in die Innenstadt bedeutete.
Wir kamen also doch entspannt am Samstagmorgen an, tranken Kaffee, das erste Bier und aßen etwas. Bier, 0,4L, 5,50€ / Currywurst mit Pommes 8-9€ / Kumpir mit Gemüse (wesentlich sättigender) 8€ – und beim Amphi wenig Alternativen zur eigenen Verpflegung.

[Kleine Bemerkung vorab: alle Fotos wurden mit iPhone 13 Pro und meist der Telelinse aufgenommen. Da wir diesmal nicht in den vorderen Reihen standen und die Ausleuchtung im Theater nicht top war, ist die Qualität der Fotos im Vergleich zu sonst etwas schlechter.]
Amphi Festival, 2023, A Life Divided
A Life Divided

Los ging es für uns auf der Main Stage mit A Life Divided. Synthattack hörten wir vorher von der Met-Area über dem kleinen Teich. A Life Divided erinnern mich an Secret Discovery – gute Band zum Warmwerden.

Im Anschluß drehten wir eine Shopping-Runde. *Schlucken* – zum Teil krasse Preise. Wenn ich für selbst-designte und -genähte Sachen knapp 200€ zahlen soll, dann ist das ja verständlich, aber für ein China-Hoodie von der Stange 100€? Trotzdem immer wieder inspirierend, was es so alles zum Kaufen gibt… (Stichwort: vegane Schädel)
Amphi Festival, 2023, Vanguard
Vanguard

Weiter ging’s in der Theater Stage mit Vanguard -schwedischer Elektropop. Hat mir gut gefallen, auch wenn man das mit dem zweistimmigen Gesang zwischen Sänger und Keyboarder noch etwas üben sollte. Andererseits bin ich bei Elektropop / Synthiepop mittlerweile auch ziemlich kritisch und habe oft das Gefühl: klingt alles gleich. Ausschlaggebend ist immer wieder die Stimme: Ronan Harris, Niklas Stenemo, Felix Marc…

Amphi Festival, 2023, Whispers in the Shadow
Whispers in the Shadow

In der Regenpause dann zur MS Rheinenergie, der „Orbit Stage“. Der zentrale Bereich, wo die Künstler auftreten, ist wirklich sehr intim und hervorragend für publikumsnahe Auftritte.

Hier wollte ich besonders Whispers in the Shadow und Selofan sehen. Gothic Rock aus Wien – eine Band, von der ich schon viel früher hätte hören müssen. Whispers in the Shadow gefielen mir sehr gut. Note to self: in Ruhe hören und Texte mitlesen.
Amphi Festival, 2023, Selofan
Selofan

„Geisterhafter Frauengesang“ (lt. Amphi-Band-Info) erwartete uns mit Selofan. Joanna hat eine starke, bizarre Bühnenpräsenz, dazu Dimitris mit dem E-Baß. Sehr spannende Performance des Duos aus Griechenland, von dem ich garantiert mehr hören werde. Aber: meine Frau fand sie nicht so prickelnd, so daß wir nach gut 2/3 des Auftritts zum Tanzbrunnen zurückgingen. (Ich kenne das Gefühl bei mir auch: da gefällt einem ein Auftritt nicht, und man hat Angst, anderswo ‚besseres‘ zu verpassen.)

Amphi Festival, 2023, Covenant
Covenant

Covenant auf der Main Stage: Erst war ich skeptisch, denn ich höre Covenant schon länger nicht mehr regelmäßig. Aber die gut gelaunten Musiker um Eskil spielten einen schönen Auftritt, der mich vor allem mit der Ballade „Invisible & Silent“ begeisterte.

Amphi Festival, 2023, Covenant
Covenant

Und vor deutschem Publikum (besser: bei Event in D) mit dem „Leiermann“ loszulegen, ist natürlich auch  sehr nett.

Schnell wieder ins Theater für Zeraphine. Meine Frau ging nach 10 Minuten wieder raus, ihr lag die Stimme Sven Friedrichs nicht, und es war stickig-heiß im Innenraum. Trotzdem muß man sich bewußt sein, hier Urgesteine des deutschen Dark Waves zu hören, hervorgegangen aus den Dreadful Shadows. Man hört „Dark Rock“, gute Unterhaltung, aber bis auf „Wenn du gehst“ packt mich das nicht so richtig. Dieses Lied war jahrelang auf meiner Jogging-Playlist und ich kann mich an etliche Läufe im Regen erinnern, wo man mit dieser Hintergrundmusik glaubt, nie wieder aus dem Regen herauskommen zu können. War einfach schön, das mal wieder live gehört zu haben.
Amphi Festival, 2023, Deine Lakaien
Deine Lakaien
Amphi Festival, 2023, Deine Lakaien
Deine Lakaien

Und natürlich zum Abschluß Deine Lakaien. Großartig – das wäre das eine Wort – ich könnte hier Schluß machen. Die Interpretation von Love me to the End war genial, ansonsten ein Querschnitt durch alte und neue Lieder, wobei ich meinte, die alten werden doch mehr gefeiert. Ich muß gestehen, ich kenne die letzten Alben nicht, vielleicht auch, weil Deine Lakaien für mich für eine bestimmte Phase meines Leben stehen. So hör(t)e ich vor allem einen bestimmten Ausschnitt aus ihrem bald 40jährigen Bestehen – das sind die 90er. Im Gegensatz zu anderen Bands gerade auf der Main Stage war der Ton hier perfekt ausgesteuert – ein Genuß!

Amphi Festival, 2023, Deine Lakaien
Deine Lakaien
Leider nicht gesehen habe ich Calva y Nada, auch Bianca Stücker & Mark Benecke wären sehr interessant gewesen, aber ansonsten paßte alles, und wir waren ziemlich lange auf den Beinen. Gegen 23 Uhr ging es im Auto nach Hause für eine kurze Nacht…
Rush out.
[Rush öffnet die Tür nochmal und steckt den Kopf rein] Wenn ich das so korrekturlese, klingt das manchmal negativ. Nö, nicht so gemeint. Ich bin für viele Musikstile und Bands offen, aber manche sind mir einfach fremd(geworden) oder haben mich noch nie ‚abgeholt‘. Vielleicht ist es aber auch so, daß man Ü50 einfach genauer weiß, was man will, wo man steht und was einen kaltläßt. Deswegen persönliche Eindrücke. Rush out.]
(Hier der Sonntagsbericht)

4 Gedanken zu „Amphi-Festival 2023 – der Samstag“

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