Wie immer bei diesen Konzertberichten: Ich schreibe über das, was ich gesehen, gehört, mitbekommen habe. Ebenso: nichts über das Rahmenprogramm, das mich nicht interessiert.
Ein ruhiger Morgen – nur etwas Groll über mich selbst und den schönen, am Freitagabend verlorenen Ring. Doch genau so sollte es weitergehen: auf dem Weg zum Leeren der Toiletten-Kassette habe ich den Tankschlüssel des Wagens verloren: Loch in der Tasche *facepalm*
Weg zweimal abgegangen, aber … die netten MLer waren besser: schnell wurde der Schlüssel gefunden und an der Info hinterlegt.
Also: Wenn du den Schlüssel bei “Trompete 54“gefunden hast: ganz lieben Dank! 😘
Ein wieder ausverkauftes Festival mit 25000 Gästen und durchaus überregionaler Berichterstattung – inkl. ARTE-Live-Stream. Man kann sich beim NDR auch Bildergalerien anschauen, aber wer meint, daß er da die “Durchschnittsbesucher” findet, den muß ich enttäuschen, denn wie immer sind die skurrilsten Kostüme gleich bei mehreren Blättern zu sehen.
Kurze Abstimmung mit R. und L., unseren Freunden auf dem Zeltgelände, dann auf zur Club Stage, um Principe Valiente als für uns erste Band zu sehen. Das ist immer so eine schwierige Entscheidung: wenn ich um 12 zu den Openern im Infield stehe, dann gehe ich da 12 Stunden später erst wieder weg, es sei denn, ich möchte den Weg zur “Wagenburg” mehrfach latschen. Man wird ja älter… Also Mortes, Xandria, Beyond Obsession leider nicht gesehen, obwohl alle drei mir beim Vorabhören gefielen. (Mortes dann beim Stella Nomine.)
Principe Valiente spielen Musik, die mich abholt: ein schöner Festival-Beginn mit einem Aber: ich verstehe den Sänger nicht – weder aus der Konserve, noch live. Das ist so eine Mischung aus Nuscheln und zu weit in den Hintergrund gemischten Vocals. Und das mit einem Hörschutz, der die Stimme besser hervortreten läßt – in der Theorie. Mittendrin stupste mich Corri-May an: “Ich versteh da kein Wort…”
Für ein Industrial, das sich Corri-May stechen lassen wollte, gingen wir zum Wildcat-Stand – und R. und ich hörten Auger mit etwas Distanz zur Bühne. Die hatte mich mit ihrer Dark-Pop/Rock-Mélange beim 24er Amphi nicht fasziniert, aber heute paßte das: der Auftritt hat mir sehr gut gefallen. Das war schon recht typischer Gothic Rock in modernem Gewand. Werde ich mir nochmal genauer anhören.
Erstmal ging es dann zum Wagen zurück – eine kleine Planumstellung. Dadurch fiel alles auf der Main weg, was mich aber sowieso nicht interessierte: Hocico, Megaherz, Combichrist.
Für Diorama waren wir wieder vor der Club Stage. Ich kenne ein, zwei Lieder, aber diese Electro/SynthPop-Müdigkeit, die so beim Amphi schon spürbar war, zog sich fort: das plätscherte als Konzert so durch.
Doch DANACH! Veljanov hatte ja krankheitsbedingt absagen müssen, und FKP Scorpio schaffte es, The Beauty of Gemina zu verpflichten. Holy MF Sh*t!
Ich habe einen kleinen Luftsprung gemacht, als ich diese Nachricht wenige Tage vor dem ML las. Und so wurde dieser Auftritt von Michael Sele und seiner Truppe im Grund zu meinem Favoriten dieses Wochenendes. Trotz Anreisestreß bot die Band eine ruhige und tiefe Performance, wofür ich sie liebe. (Tour im Herbst 27; Karten schon erhältlich!)
Rüber zur Main, dort den Rest von The Birthday Massacre mitbekommen – eingängig, ok.
Dort ging es weiter mit White Lies, ein Auftritt, der ziemlich polarisierte, so habe ich es in den Social Media mitbekommen.
Für einige war das ein Höhepunkt der Band-Geschichte, andere fragten, was diese Band mit ihrem “Alternative Rock” denn auf dem M’era Luna macht. Ich bin ehrlich: nebenbei angehört, ein bißchen New Model Army und Bad Religion rausgehört, aber das ist keine Musik, die ich heute noch höre. Andererseits macht diese Abwechslung auch ein gutes Festival aus.

In Extremo waren vorletzter Act auf der Main. Ich lasse es ja immer mal wieder anklingen: dieses ganze Mittelalter-Ding ist für mich nicht so wirklich das, was ich persönlich unter Schwarzer Szene verstehe. Aber: ich habe In Extremo Ende der 90er geliebt. Ai Vis Lo Lop, Spielmannsfluch, Vollmond und Die Gier waren lange auf meiner Playlist – sind es heute nicht mehr. Wie schreibe ich das jetzt?
Ich meine, die Band ist in die Jahre gekommen; ihr wird der Rang von neuen Künstlern abgelaufen. Es war ein guter Auftritt mit viel Pyrotechnik, aber da packte mich gar nichts mehr. Ich kann das nicht gut beschreiben… Ich hatte Asch von photophor beim kurzen Gespräch beim Amphi schon erzählt, daß ich gerade “Niedergang” von Michel Onfray lese, ein Buch, das die Vergänglichkeit von allem deutlich herausstellt. Immer wieder entsteht Neues, das schwächer wird und von der Kraft des Wiederum-Neuen verdrängt wird. Das trifft auch Künstler, klar. Deswegen spielen The 69 Eyes heute um 14 Uhr, früher aber gegen Abend in einem ‘besseren’ ’slot’.
Within Temptation, das hatte ich vorab entschieden, wollte ich nicht ansehen. Zum einen schon so oft gesehen, zum anderen nicht mein favorisierter Musikstil – und, so sagte mir jemand, der sie heute auch nicht mehr hört, über die letzten Jahre zu politisch geworden. Letztes Jahr stand Frau den Adel ja mit Ukraine-Flagge auf der Bühne: das geht für mich gar nicht, auch schon oft angesprochen.
Also rüber zu Front Line Assembly. Die hatte ich mit ihrem Album “Implode” Ende der 90er mal rauf- und runtergehört – und irgendwie “zugänglicher” in Erinnerung. Das war nun doch ein eher härterer, monotoner Industrial, der nicht nur mir nicht gefiel: das Publikum dünnte sich nach und nach aus, was sehr schade ist für einen Headliner auf der Club Stage.
Die Temperaturen an diesem Samstag waren um 30°C. Hier an der Stelle großes Lob an die Orga: es waren wirklich genügend Trinkwasser-Stellen aufgebaut, so daß man immer Wasser finden konnte – auch ohne lange Schlangen. Sehr gut!
Nebenbei: Auch FoldTable hat wohl dieses Jahr die Bänke in Version 2.0 geliefert: ich habe keine zusammengebrochenen wie im Vorjahr gesehen. 😉
Trotzdem war gerade Facebook (ML-26-Gruppe) voll mit Kritik. Wieder “zu wenig Dixies, zu wenig Toilettenpapier” (kann ich nicht beurteilen), Ausfahrt des Parkplatzes nicht beschildert und nachts schwer zu finden, teures Essen, das zum Teil nicht schmeckt. Ja, die Preise… Wir lagen bei 7€ glatt für 0,5L Bier, 10ct über Wacken. Eine Currywurst/Pommes habe ich für 13€ erstanden. Manche Besucher sagten: nur auf dem Mittelalter-Markt essen, da ist alles besser; doch einer schrieb auf FB: bloß nicht, das Gulasch sei komplett ungenießbar gewesen. Fun Fact: er hatte veganes Gulasch gekauft… 😉
Zum Bier: es gab Beck’s‑Stände und neutrale, die Anheuser-Busch Bud auf der Liste hatten. Hier gab es ja schon zu Wacken Diskussionen über diese Marke. Ich ging davon aus, daß Beck’s‑Stände auch dieses Bier verkaufen, aber eine Verkäuferin sagte uns: nö, alles ist hier Anheuser-Busch Bud. Wenn das stimmt, dann war das im Grunde ein seichtes Gebräu, das keinen besonderen Eindruck hinterläßt.
Spannend zu den Löschwasser-Tanks auf der Landebahn: da lagen zwar Eimer drauf, aber der Hahn war knapp über dem Boden… Man fülle diese Eimer mal, wenn 1000L unter Druck rausschießen… 😉
Aber der Gedanke, die Motivation zählt ja.
Es war eine ruhige Nacht.
Einen Gedanken bringe ich hier noch unter, damit nicht alles beim Sonntag landet: Natürlich wurde wieder über die VIPCave gelästert. Meistens war die Reaktion: laß die doch, wenn die das zahlen wollen. Aber das ist so nicht ganz korrekt: <rant mode on> bestimmte “Flünzer” werden ja, ohne dafür zahlen zu müssen, eingeladen. Nennt sich dann “Ambassadors”, wobei sich mir diese Wortwahl nicht erschließt. Das sind die, die nur vor dem Eingang posen, aber keine Bilder von Bands oder so zeigen, weil die das aus der Distanz erlebt haben: da erschöpft sich die Anwesenheit beim ML im Präsentieren des Outfits und der Kriegsbemalung… 😉
Und ich finde: die VIPCave ist nochmal etwas anderes als z.B. gestaffelte Camping-Angebote wie “Mein Zelt steht schon” oder “Gothic Garden”. Die sind nicht so “prominent” sichtbar, dienen auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen als Möglichkeit, gut am Festival teilnehmen zu können. Die Cave hingegen ist für mich so wie Animal Farm: “All goths are equal, but some goths are more equal than others.”
Und das stört mich – ein bißchen, irgendwie. Weil ich immer noch mein anarchistisches Weltbild pflege, einen philosophischen Anarchismus, wo Hierarchien (und wenn die VIPCave keine ist, dann freß ich einen Besen) keinen Platz haben. <rant mode off>
In der FB-Gruppe zum ML fand ich einen guten Kommentar. Da ich nicht genau weiß, wie ich zitieren darf, mache ich das mit Initialen. O.H. schrieb: “Je stärker das Festival aber als Lifestyle-Produkt vermarktet wird, desto mehr Menschen kommen nicht wegen der Szene, sondern weil es gerade angesagt ist oder weil sie “mal schauen” wollen. Das verändert zwangsläufig die Atmosphäre. Was einmal besonders war, wird austauschbar.”
Rush out.


