Exor­zist-Regis­seur Fried­kin ist tot

Regis­seur Wil­liam Fried­kin ist im Alter von 87 Jah­ren gestor­ben. Man kann sich heu­te kaum noch vor­stel­len, wel­che Reak­tio­nen der Film sei­ner­zeit in den Kinos her­vor­ge­ru­fen hat. Bei der Euro­pa-Pre­miè­re des Films in Lon­don ver­lie­ßen 10% der Zuschau­er das Kino früh­zei­tig; 20 Per­so­nen muß­ten mit Riech­salz behan­delt wer­den, schreibt S. Ahrens.
Auch inter­es­sant: Fried­kin selbst hat kei­ne Fort­set­zung sei­nes erfolg­rei­chen Films gedreht, dafür aber 2017 eine Doku­men­ta­ti­on über den bekann­te­sten Exor­zi­sten des Vati­kans, Gabrie­le Amor­th. (Auf Amor­th gehe ich spä­ter kurz ein, wenn ich eine Rezen­si­on zu The Pope’s Exor­cist  schrei­be.)
Fried­kin sag­te in die­ser Doku wohl, wenn es Engel gebe, müs­se es auch Teu­fel geben.

Ich habe den Film “Der Exor­zist” hier beschrie­ben und ihn mit der Schul­no­te 2 bewer­tet.

Der Exor­zist: Bekennt­nis (Film-Ankün­di­gung)

Die übli­chen Hor­ror- und Film­por­ta­le pfei­fen es wie die sprich­wört­li­chen Spat­zen von den Dächern: es wird eine (wei­te­re) fil­mi­sche Fort­set­zung des Exor­zi­sten geben. Der von David Gor­don Green gedreh­te Film (The Exor­cist: Belie­ver) star­tet am 12.10.23 in den Kinos; das Dreh­buch stammt von Peter Satt­ler.
Ja, es soll sogar eine Tri­lo­gie wer­den, wobei Film­starts erfah­ren haben will, daß evtl. nur Teil 1 ins Kino kommt, die bei­den ande­ren Tei­le nur über einen Strea­ming­dienst zu sehen sein sol­len.

Darf man gespannt sein? Zunächst muß ich geste­hen, daß ich kei­nen der bis­he­ri­gen Fil­me von Green ken­ne; er scheint zuletzt inten­siv am Hal­lo­ween-Fran­chise gear­bei­tet zu haben. All die­se (Tee­nie-) Slas­her-Fil­me sind nicht mein Ding. (Ich hat­te zunächst so ver­stan­den, daß er auch “Bones and All” gedreht hat, was ziem­li­che Vor­schuß-Lor­bee­ren für das neue Pro­jekt bedeu­tet hät­te, aber da hat­te ich mich ver­tan: er war in einer Neben­rol­le zu sehen.) Der Exor­zist: Bekennt­nis (Film-Ankün­­di­­gung) wei­ter­le­sen

Der Exor­zist (Film)

Der Exor­zist” wur­de 1973 von Wil­liam Fried­kin gedreht. Der Film basiert auf dem 1971er Roman glei­chen Titels von Wil­liam Peter Blat­ty, der auch das Dreh­buch für den Film (und Exor­zist 3 – basie­rend auf Blat­tys Nach­fol­ge­ro­man ‘Legi­on’ von 1983) schrieb. Ich habe den Film via iTu­nes gekauft (Director’s Cut, s.u.) und ver­ge­be ****. (Wiki­pe­dia)

Die­ser Text spoi­lert den Film!

Der Film wird auch bespro­chen in Sven Groß­hans’ Buch “Das Schau­spiel der Beses­sen­heit – Exor­zis­mus im Film” (Ber­lin (Logos), 2010). Beson­ders aus­führ­lich beschreibt ihn Moni­ka Sca­la in „Der Exor­zis­mus in der Katho­li­schen Kir­che“.

Der Director’s Cut des Roman­au­tors Blat­ty (!) aus dem Jah­re 2001 trägt den Unter­ti­tel: „The ver­si­on you’ve never seen“. Es sind zusätz­li­che Sze­nen wie Regans “Spi­der­walk” zu sehen.
Fried­kin woll­te 1973 ein offe­nes, kur­zes Ende, damit Fort­set­zun­gen mög­lich sind. Blat­ty ver­än­der­te im Director’s Cut dahin­ge­hend, daß Poli­zist Kin­der­man und Pater Dyer sich ver­ab­re­den, was zu Exor­zist 3 über­führt.

Auf You­tube gibt es anläß­lich des 25. Jubi­lä­ums des Films ein „Making of“ mit dem Titel The Fear of God und eine Doku aus dem Jah­re 1974.

Der Film beginnt mit Auf­nah­men im Irak, wo Pater Lan­ke­ster Mer­rin ein klei­nes Amu­lett fin­det, das den Kopf einer Sta­tue des (Wind-)Dämons Pazu­zu dar­stellt.  [Der You­tuber Rob Ager hat die­sen Irak-Vor­spann in einem aus­führ­li­chen, sehens­wer­ten Video erläu­tert.]

Schwenk in die USA, Georgetown/Washington D.C.: dort lebt die geschie­de­ne Schau­spie­le­rin Chris MacNeil mit ihrer Toch­ter Regan. Der in der glei­chen Stadt arbei­ten­de Pater Dami­en Kar­ras wird zunächst beob­ach­tend vor­ge­stellt; er ist eben­falls Psych­ia­ter.

Im MacNeil-Haus gesche­hen selt­sa­me Din­ge, ein Schar­ren ist auf dem Dach­bo­den zu hören, die Toch­ter Regan, 12 Jah­re alt, spielt mit einem Oui­ja-Brett, durch das ihr ein „Cap­tain How­dy“ ant­wor­tet. Bald beginnt Regans Bett nachts zu wackeln, und das Mäd­chen macht die unheil­vol­le Vor­her­sa­ge zu Bur­ke Den­nings, Regis­seur und Freund der Mut­ter: „Du wirst ster­ben da oben!“

Mer­rin und Kar­ras tref­fen sich, letz­te­rer gesteht dem älte­ren Pater, daß er sei­nen Glau­ben ver­lo­ren habe. Kar­ras geht durch eine schwe­re Pha­se: die alters­schwa­che Mut­ter kommt in die Psych­ia­trie und stirbt dort, wäh­rend Kar­ras sich vor­wirft, nicht aus­rei­chend für sie gesorgt zu haben. In sei­ner Kir­che wird eine Mari­en­sta­tue ent­weiht (wobei man nur ver­mu­ten kann, daß Regan das war; im Film wer­den sata­ni­sti­sche Grup­pen dahin­ter ver­mu­tet [mehr dazu und ande­re ver­tie­fen­de Erklä­run­gen mit noch­ma­li­gem Ver­weis auf Rob Ager]).

Regan ist mitt­ler­wei­le cha­rak­ter­lich stark verändert/besessen. Durch ihre Ein­wir­kung stirbt Den­nings tat­säch­lich, indem er eine stei­le Trep­pe neben dem Haus hin­un­ter­fällt. Die Mut­ter läßt Regan im Kran­ken­haus unter­su­chen, es kann kei­ne trag­fä­hi­ge Dia­gno­se gestellt wer­den. Man pro­biert Medi­ka­men­te und Hyp­no­se, doch plötz­lich spricht der Dämon aus dem Kind und greift den Hyp­no­ti­seur an. Nun schlägt einer der Ärz­te im Kran­ken­haus den Exor­zis­mus vor. Regans Zustand wird immer schlim­mer, sie ver­letzt sich selbst mit einer Sche­re, schreit vul­gä­re Phra­sen und ver­än­dert sich äußer­lich stark. Die Mut­ter kon­tak­tiert Kar­ras, der den Exor­zis­mus ablehnt, Regan aber besucht. Als der Teu­fel aus dem Mäd­chen spricht, zwei­felt Kar­ras wei­ter, weil er glaubt, sie hal­te sich für den Teu­fel, ähn­lich wie sich jemand als Napo­le­on sehen kann. Für Kar­ras sind die Sym­pto­me nicht ein­deu­tig: der Dämon reagiert auf „Weih­was­ser“, das nur nor­ma­les Lei­tungs­was­ser ist, ande­rer­seits spricht Regan in Spra­chen, die sie nicht beherrscht. Letzt­lich sieht man in nar­ben­ar­ti­ger Schrift auf Regans Bauch den Schrift­zug: „Help me.“

Nach die­sem „Pro­be-Exor­zis­mus“ bean­tragt Kar­ras den eigent­li­chen Exor­zis­mus, doch Mer­rin erhält den Auf­trag dazu, wäh­rend Kar­ras assi­stie­ren soll. Er weist den Jün­ge­ren an, auf kei­nen Fall direkt mit dem Dämon zu reden. Kar­ras meint, drei Per­sön­lich­kei­ten hät­ten sich in Regan mani­fe­stiert, doch Mer­rin kor­ri­giert ihn barsch: es sei nur eine (der Teu­fel? Pazu­zu?). Regans Lei­dens­ge­schich­te will Mer­rin nicht hören.

Der Exor­zis­mus beginnt, Regan levi­tiert über dem Bett, die Prie­ster rufen wie­der­holt: „Die Kraft Jesu Chri­sti bezwingt dich…“ Die o.e. Moni­ka Sca­la führt aus, daß sich der Film sehr genau an den Ablauf des Exor­zis­mus-Ritu­als der Katho­li­schen Kir­che hält.
Der Dämon greift Kar­ras an, indem er mit der Stim­me von des­sen ver­stor­be­ner Mut­ter spricht. Mer­rin schickt den dadurch beein­träch­tig­ten Prie­ster­kol­le­gen aus dem Zim­mer.  Als die­ser spä­ter zurück­kommt, fin­det er den Älte­ren tot auf dem Bett; Regan sitzt dämo­nisch lächelnd dane­ben.

Sehr deut­lich wie­der­holt die­ser Pater Mer­rin den zen­tra­len Ritus des Chri­sten­tums, das Opfer. Bevor er sei­nen Tod annimmt, lässt der Dämon Regan in der Hal­tung des Gekreu­zig­ten über ihrem Bett schwe­ben, und die Mastur­ba­ti­on mit dem blut­ver­schmier­ten Kreuz ver­weist nicht nur auf die ‚sata­ni­sche‘ Umkehr der kirch­li­chen Riten und Sym­bo­le, son­dern auch auf die unum­kehr­ba­re Ver­bin­dung von Reli­gi­on, Gewalt und Lust in der Geschich­te des christ­li­chen Abend­lan­des.“

[Neu­es aus der Höl­le: Die Exor­zis­mus-Wel­le, in: Seeß­len, Georg / Jung, Fer­nand: Hor­ror: Grund­la­gen des popu­lä­ren Films]

Kar­ras kämpft nun selbst mit dem Dämon, for­dert ihn auf, Regan zu ver­las­sen und in ihn zu fah­ren. Das geschieht, wor­auf­hin der Prie­ster aus dem Fen­ster springt, die Trep­pe (wie Den­nings offen­bar) hin­ab­stürzt und stirbt. Ziel ist: durch das “Selbst­op­fer” den Dämon zu besie­gen. Im christ­li­chen Sinn: Kar­ras nimmt “die Sün­de” (den Dämon) wie Jesus auf sich und stirbt. Man hat auch die­sen Trep­pen­sturz als das Hin­ab­stei­gen Jesu/Karras’ in das Toten­reich inter­pre­tiert. Auf einer per­sön­li­chen Ebe­ne erlangt Kar­ras “Erlö­sung” – das Selbst­op­fer ist höch­ster Aus­druck sei­nes Glau­bens.

Der Film endet damit, daß die Fami­lie aus dem Haus aus­zieht. Die von Mer­rin fal­len­ge­las­se­ne Mün­ze (eine St.-Josefs-Medaille) bewahrt die Mut­ter auf, um sie an einen Pater Dyer (Freund von Kar­ras) wei­ter­zu­rei­chen.

Dies ist der Klas­si­ker aller Exor­zis­mus-Fil­me, aber für mich nicht der beste Film des Gen­res.

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