Ruhig lag das Camp, von weitem rief ein Schwarzspecht, als ich wieder früh zur Wischi-Waschi-Station zum Duschen pilgerte. Das Gras noch regennaß; auch für heute waren Regen und stärkerer Wind angekündigt.
Am Vormittag Gespräch mit einer Frau, die sagte: M’era Luna, nö, “geh ich nicht mehr hin, das ist mir zu kommerzialisiert, speziell diese blöde VIP-Cave.” Ich finde das immer wieder interessant, wie genau dieses Detail Stein des Anstoßes bei vielen Menschen ist.
Gegen Mittag regnete es; nach einer nicht so guten Nacht hatte ich mich nochmal kurz hingelegt, weil wir auf das Event “Kaffee und Kuchen” verzichten wollten. Plötzlich wurde ich wach, fragte Corri-May, wieviel Uhr es ist, weil ich dachte, ich hätte verschlafen – in dem Moment fängt es an zu schütten. Corri-May: “Wir müssen die Markise reinholen, der Wind verbiegt sonst die Arme.”
Also mal eben von Tiefschlaf zu komplett durchnäßt gewechselt und – wach! (Immerhin besser als im Tiefschlaf einzunässen… Talk about Old Goths.) 🫣
Tilly Electronics (vor Kaffee/Kuchen) leider nicht gehört. Umgezogen und bei aufklarendem Wetter für Mortes vor die Bühne. Das Duo hatte ich auf dem M’era verpaßt, wollte hier aber definitiv reinhören, weil mir die Musik beim Streamen gefallen hatte. Uns erwartete ein entspannter Gothic Rock, nicht zu up-tempo, u.a. mit einer (mich nicht überzeugenden) Cover-Version von HIM’s Join Me. Trotzdem ein sehr schöner Beginn des Gitarren-dominierten Samstags.
Zwischendurch fand ‘Kinderbelustigung’ u.a. mit Riesen-Seifenblasen statt. Die Arbeitsteilung sorgte für Spannungen: Eltern erzeugten die Blasen, die Kinder versuchten sie zu zerstören, was zu Unmut bei den Produzenten führte.
Im Anschluß die Golden Apes, eingängiger Dark Rock, so würde ich sagen. Ich kannte den einen oder anderen Song, aber empfand diesen Gig als eher monoton.
Wir gingen dann Richtung Zelt und Sitzbänken und hörten von dort auch Corlyx. Die Band hat
sich von Electro-Industrial zunehmend Richtung Post-Punk entwickelt, ist aber wohl stilistisch nicht so ganz festzulegen. Leider kann ich das nur schlecht einordnen, wir haben die Band nicht bewußt gehört – Abstand, Gespräche.
Für Then Comes Silence wieder vor die Bühne. Nun kam die Ansage, alles weiteren Bands würden 20 Minuten früher auftreten. Kurz fragte ich mich, ob das mit dieser gerichtlichen Auseinandersetzung zum Thema Lärmbelästigung durch die Festivals im Entenfang zusammenhängen könnte, worüber ich hier kurz berichtet hatte, aber warum dann 20 Minuten?
Nun ja, die Lösung war einfach: Katatonia sollten später eine “queen-size”-Umbaupause erhalten…
Die Schweden von Then Comes Silence spielten ihre Mischung aus Post-Punk und Dark Wave (mit vielleicht ein wenig Shoe Gaze) souverän. Mir war vorletztes Jahr “Ride or Die” aufgefallen, das sofort in meine Haupt-Playlist gewandert war. Ein wirklich guter Auftritt und note to self: auf Tour anschauen.
Zwischendurch mal wieder zur Wischi-Waschi-Station zwecks “Abwicklung der Notdurft” – da lief AC/DC, also Kacken zu den Höllenglacken. Wenn man mit dem Hammer philosophieren kann (Nietzsche), dann kann man auch mit der Brechstange dichten. 😉
Später hörte man dort auch die Onkelz – da fällt mir kein Reim drauf ein.
Dann Antimatter, eine britische Band mit einer Mischung aus Dark Rock und Progressive Rock, würde ich sagen. Ein ‘ruhiger’ Auftritt, was nicht heißt: unemotional. Mir gefielen einige Lieder beim Vorab-Hören; und jetzt war mir klar: da muß ich mal intensiver reinhören. Das hat mir sehr gut gefallen! (Und wie immer: es menschelt dann auch bei mir: Während mir Sänger Mick Moss sehr sympathisch war, empfand ich z.B. den Golden-Apes-Sänger als extrem distanziert.)
Ein bißchen übers Gelände gelaufen, mit photophor gesprochen, ein Paar aus dem Saarland kennengelernt, das nicht mehr zu Mega Events wie Wacken fährt, sondern sich gezielt kleine Metal-Festivals in Eifel und Westerwald sucht; hier war man u.a. für Katatonia. Lange gesprochen, Eindrücke ausgetauscht, zumal Corri-May ja gerade auf Wacken war. Grüße, L. & C.!
Ja, dann also Katatonia, schwedische Metal-Band, die in meiner Wahrnehmung als DIE GEILSTE-EVER BAND des Stella im Vorverkauf angepriesen wurde. Auf dem SN-Account fand sich ja so sinngemäß die Aussage, wie stolz man sei, SO EINE BAND für das Stella aufgetan zu haben usw.
Ich habe über diese Engagements von Metal Bands durch einen vom Metal kommenden Veranstalter ja schon letztes Jahr geschrieben bzw. auch im Vorbericht. Die Beurteilung der Sache steht und fällt damit, wo man bei “Schwarzer Szene” eine Grenze ziehen will (if at all). Als “Gothic Metal” in den 90ern auftauchte, war das für mich normal, keiner Rede wert. Ich hörte Theatre of Tragedy, Moonspell… Doch die Crossover-Welle hat die Ränder der Szene letztlich ausgefleddert, wozu auch eine Schwarze-Szene-typische ‘laissez-faire-Haltung’ beitrug. Plötzlich waren dann die Mittelalter-Leute da, dann kamen die Cybergoths, die Steampunk-Leute usw.
Der Veranstalter, Thomas Richter, hat ja sein (größeres!) In-Flammen-Metal-Festival. Ich meine, es hat schon einen Unterton von Missionierungseifer, wenn dann zwingend zu einem “The Blackest One” betitelten Festival (zunehmend) Metal-Bands organisiert werden.
Wohlgemerkt: ich habe noch nichts über die Band gesagt, das ist keine Kritik an ihr. Ich kann dazu nur sagen: das war der Auftritt, der mir beim ganzen Festival musikalisch am wenigsten gegeben hat. Ich komme nicht zu einem Festival der Schwarzen Szene, um diesen “Alltags-Metal” zu hören. Das klang alles perfekt, ohne Frage, liebe Katatonen, ihr macht euer Ding, das nicht meins ist.
Doch eine Frage stellt sich mir: Kann es sein, daß Katatonia soviel gekostet haben, daß es nicht mehr möglich war, “teurere” Gothic-Bands zu verpflichten? Man denke an 2025: Das Ich, Heppner, Hocico, Mila Mar, Agonoize… 2024: Kirlian Camera, KITE, Suicide Commando, Umbra et Imago. Mir fehlten auf dem 26er Stella solche “klangvolle” Namen aus dem “engeren” Szene-Bereich, my 2ct.
Corri-May sagte am Ende: viel zu viel zu gleicher Electro. Jein, ich höre das gerne, aber auch nicht in der Menge, ok. Ich schaue eher auf das Verhältnis der Bands: ca. 22% Metal! Das ist viel für ein “Gothic-Festival”, aber es mag auch sein, daß nur ich das so sehe. Und ich muß das in der Form relativieren, daß mir Eisregen, Inner Missing, Antimatter ja schon sehr gut gefielen… und weiter so in Relation setzen: lieber Metal-Bands als Mittelalter…
Also alles gut? Joh… aber aus diesen Überlegungen reifte die Entscheidung, erstmalig nun keine Early-Bird-Karten zu kaufen, sondern auf die ersten Bandankündigungen zu warten.
(Nachtrag: Das Stella Nomine gefällt mir so gut, daß ich letztlich, wenn es zeitlich paßt, doch kommen würde – auch wenn die Band-Auswahl mir nicht so 100% zusagt.)
Ich hatte mich eigentlich auf Night in Athens gefreut, aber wir sind nach 4, 5 Katatonia-Songs zum Wagen zurück. Es paßte nicht mehr, wir diskutierten über die Musik, und wollten nicht mehr so lange warten. Dann ist das eben so. (Ok, ich wußte, daß die Band Corri-May nicht zusagen würde, also mußte man auch nicht so lange warten.)
Von daher: die grundsätzliche Festival-Atmosphäre haben wir wieder einmal sehr genossen. Es gibt wenig Kritik an der Orga, am Ablauf des Festivals usw. Schön wäre ein Chemie-Toiletten-Tank gewesen, damit man die Kassetten nicht in die Dixies kippen muß. Und 5€ Müllpfand pro Person ist zuviel, weil wir – als Beispiel – kaum Müll produzieren bzw. ihn im Wagen wieder mitnehmen, um zuhause trennen zu können. Also bei WoMos und Van eher 1x/Wagen. Aber das ist schon alles, was ich sagen kann. Ich würde sehr, sehr gerne im nächsten Jahr wieder in Torgau sein… Rush out.
