Duncan Ralston: Woom (Buch)

Woom wird als „extreme horror novel“ angepriesen. Zunächst einmal: von der Länge her eher Novelle als Roman, aber trotzdem ein Buch, das mich stark fasziniert hat. Deswegen will ich – anders als sonst – hier kaum etwas spoilern.

Der Titel Woom ist Sprachfehler und Wortspiel in einem. Er verweist in der konkreteren Bedeutung auf den Room 6 des Lonely Motels, wo sich die Handlung zwischen einem Mann namens Angel und einer Prostituierten, Shyla, abspielt.

Schnell wird klar, daß Angel kein normaler Kunde ist – und eigentlich anders heißt. Seine sexuellen Wünsche sind spezieller – und er möchte reden. Dazu erzählt er Kurzgeschichten, die als eigene Kapitel in die Rahmenhandlung eingeflochten werden. Es geht im ganzen Buch um Gewalt, die Menschen sich und anderen antun und um das Erlebnis von Schmerz. Es sind tragische, gewalttätige, oft detailreiche Geschichten, die man liest. Protagonist Angel glaubt nicht an Übernatürliches, meint aber, Räume können das, was in ihnen geschehen ist, in gewisser Weise speichern und ausstrahlen: „I believe pain lingers.“ Das ist ein Element von Horrorliteratur, das man immer wieder findet, z.B. in Riley Sagers ‚Home Before Dark‘: ‚I worried his death would still be felt in the study. That his guilt, desperation, and madness had somehow infiltrated the space, swirling in the air like dust.‘ (So heißt es im Film-Klassiker Amityville Horror: ‚Houses don’t have memories‘ – doch man wird eines besseren belehrt.)

Aber was genau für Angel passieren soll, bleibt für den Leser lange im Dunkeln: „Angel knew a lot about pain. Too much. With any luck, his pain would end today.“

Shyla erzählt über ihre Vergangenheit und eine Geschichte mit einem Kunden. Ohne viel verraten zu wollen: es geht – allgemein – um Gewalterfahrungen, um das Thema Atmung, um Höhlungen, in die man Dinge stecken und aus denen man sie wieder herausnehmen kann. Der Begriff ‚luggage‘ wird verwendet: was kann man wo tragen, was trägt man mit sich? Die krasseste Geschichte betrifft Angel selbst, die den Wunsch in ihm auslöste, neu geboren werden zu wollen. Aber auch die Prostituierte muß eine traumatische Erfahrung aus ihrer Jugend nun noch einmal erleben – mit einem seltsamen, unerwarteten Twist.

Was mich an dieser Novelle so fasziniert, sind die menschlichen Abgründe, über die ich lese. Brutale Übergriffe, die ein anderer unfreiwillig erdulden muß, aber auch Gewalt (mit BDSM-Bezug), die man(n) freiwillig erträgt; transformierende Erlebnisse – physisch und psychisch. All das verknüpft mit der Thematik Elternschaft und Nachwuchs. Ich kann das Buch jedem, der nicht zu zart besaitet ist, wirklich empfehlen – ist in zweieinhalb Stunden gelesen. Für mich war das ein weiterer „Geheimtip“ aus dem Netz, ähnlich wie Penpal.

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