Stel­la Nomi­ne 2026 – Frei­tag

Stella Nomine 26 Bühnenhintergrund

Eine ruhi­ge Nacht zum Frei­tag; früh zur „Wischi-Waschi-Sta­ti­on“ zum Duschen, wo es war­mes Was­ser genau in der Tem­pe­ra­tur gab, die ich mag. (Die klei­nen Din­ge des Lebens…) Lob! 🙂

Den Vor­mit­tag ver­bum­melt, im Schat­ten geses­sen. Am frü­hen Nach­mit­tag Rich­tung Büh­ne, Stän­de usw. gegan­gen. Beim offi­zi­el­len Merch lei­der kein Shirt gefun­den, das mich so rich­tig ange­spro­chen hat, dafür dann eine Müt­ze gekauft.

Kurz zu “Speis & Trank”: wie immer links der Büh­ne der Orga-Bier­stand, dies­mal als “Schat­ten-Schen­ke” bzw. “Volks­ei­ge­ne Besauf­sta­ti­on” bezeich­net. Ein hal­ber Liter Bier koste­te 4€, da kann man nicht meckern. Rechts der Büh­ne die Enten­fang-Gastro­no­mie mit Essen und Bier­stand; auch dort der glei­che Preis, aber Ur-Kro­stit­zer im Aus­schank, das mir bes­ser schmeck­te. Bei der Gastro abwechs­lungs­rei­che Ange­bo­te bis hin zur ‘Toten Oma’, so eine Art ‘Him­mel un Ääd’ des Ostens. Eine gro­ße Tüte Pommes/Mayo lag bei fai­ren 4€.

Los ging es mit Vil­la­nel­le, einem Elek­tro-Pro­jekt zwei­er Frau­en aus Spa­ni­en. Hier begann das, was Cor­ri-May spä­ter so als „Elek­tro-Müdig­keit“ bezeich­nen wür­den: wenig Vari­anz im Rhyth­mus oder in den Melo­dien, mono­to­ne Stim­me und viel krach-bumm. Ok als Ope­ner, aber da hat mich nix gepackt.

Doch dann! Mit Inner Miss­ing kam ein Doom-Metal-Duo aus Ruß­land auf die Büh­ne, das heu­te wohl in Isra­el lebt. Gitar­rist und Sän­ger Sig­mund singt mit kla­rem Bari­ton, Bas­si­stin Melaer spielt vir­tu­os auf einem fret­less Bass – sehr geni­al. Ich mei­ne auch, daß bei­de evt. eine Gesangs­aus­bil­dung haben, das war musi­ka­lisch sehr span­nend. Doom- bzw. Gothic-Metal, oft tran­cig – das hat mich gut abge­holt. Sehr schö­ner Gig!

Zwi­schen­durch Run­de gedreht, Brat­wurst geges­sen, mit Leu­ten gere­det. Der Him­mel zog sich so lang­sam bei Regen-Pro­gno­se zu.

World, Inter­rupt­ed – erneut Elek­tro mit für mich sehr mono­to­nem Gesang der hoch­schwan­ge­ren Sän­ge­rin – was inhalt­lich sicher nichts mit­ein­an­der zu tun hat. 🫣 Das pol­ni­sche Duo hat sich wohl in Deutsch­land in einer „Deutsch-Klas­se“ ken­nen­ge­lernt. Fett prang­te der FCK-PTN-Auf­kle­ber auf dem Note­book. Nun ja, Ok.

Wir gin­gen zum Wagen zurück, Pau­se, Essen, dadurch fie­len Psy­cho: Lies für uns aus.

Mit Regen­kla­mot­ten wie­der zur Büh­ne: Als The Visi­on Bleak star­te­ten, dach­te ich, das ist jetzt die Musik für einen „ima­gi­na­ry Western“. Hm, war das nun Death Rock? Laut Web­su­che spielt die Band “Gothic Metal”. Ein­gän­gig, kan­tig, gut aus­ge­steu­ert, unter­halt­sam, aber nicht haf­tend. ‚Night of the Living Dead‘ moch­te ich. Manch­mal fühl­te ich mich posi­tiv an Hag­gard erin­nert, die ich frü­her mal hör­te.

Duc­tape haben wir von etwas wei­ter hin­ten gese­hen. Das Duo hat eine sehr kla­re Arbeits­tei­lung: Fur­kan Güler­ay schrum­melt stumm auf der Gitar­re, wäh­rend Çağ­la Güler­ay die Show macht und die Syn­ths bedient. Für mich dürf­te die Gitar­re viel wei­ter in den Vor­der­grund gemixt sein: da kämen dann ech­te Sisters-Fee­lings auf. So war es erneut Elec­t­ro mit post-pun­ki­gem Ein­schlag, aber eben auch mit einer grö­ße­ren Abwechs­lung, als bis­her gehört. Man ver­steht, war­um Duc­tape gera­de so ange­sagt sind: Musik, Per­for­mance – das stimmt. Schö­ner Auf­tritt ins­ge­samt. (Nach­trag: Bei die­sen Bands mer­ke ich, daß ich alt wer­de. Sie spie­len die ange­sag­te Musik der 20er des neu­en Jahr­hun­derts, wäh­rend ich Bands der 90er nach­hän­ge.)

Ok, hier ist nun eine klei­ne Ent­schul­di­gung nötig. Im Vor­be­richt schrieb ich, die Band mit dem unle­ser­li­chen Namen (auf Flyer/Plakat) müs­se sich bei mir schon echt Mühe geben. Sor­ry, Eis­re­gen, jetzt weiß ich, daß ihr euren eige­nen Schrift­font habt – und da war kei­ne Mühe nötig: ich habe euren Auf­tritt genos­sen! Wie war es mög­lich, bei über 30 Jah­ren Band­ge­schich­te nie über euch gestol­pert zu sein? Ich höre wohl doch irgend­wie zu wenig Elec­t­ro-Kon­ter-Metal.

Aber so ist das: am Sani­tär-Bereich lief spä­ter ein Lied, das genau die ver­staub­te Syn­ap­se in mei­nem Hirn erreich­te, die dadurch wie­der zum Feu­ern gebracht wur­de: Chop Suey! von System of a Down, das sofort in eine mei­ner Play­lists wan­dert.

Eis­re­gen mit ihrem „Dark Metal“ mit Anlei­hen aus Black- und Death-Metal bril­lier­ten mit glas­kla­rem Sound, fet­ter Gitar­re und der Stim­me von „Blut­keh­le“ Micha­el, sicher mar­kan­te­stes Merk­mal der Band. Umstrit­te­ne Tex­te, das Album “Krebs­ko­lo­nie” ist in der Ursprungs­ver­si­on noch auf dem Index, wur­de spä­ter text­lich über­ar­bei­tet und re-released, kras­se, splat­te­ri­ge Text-Bil­der – so was liegt mir (ab und an). Tat­säch­lich der ein­zi­ge Gig heu­te, bei dem ich getanzt habe. Und „Am Abgrund“ rutscht nun in mei­ne „pri­ma­ry play­list“. Allein die ersten Wor­te “Ich hab’ es auf­ge­ge­ben, ein guter Mensch zu sein. Und in die­sem Schei­tern bin ich nicht allein…”

In der Pau­se wur­de dann ein 3m-Flug­zeug auf der Büh­ne befe­stigt – Fun­ker Vogt kün­dig­ten sich an. In der Band­ge­schich­te holp­ri­ge Jah­re nach dem Aus­stieg von Jens Kästel und der schlech­ten Ent­schei­dung, Sacha Korn zu enga­gie­ren. Heu­te singt Basti­an Polak (von Intent:Outtake), aber Fun­ker Vogt mit ihrem immer sehr ähn­li­chen Song-Auf­bau (kennst du Black Mar­ket Dea­lers, kennst du alle Lie­ders) waren für mich Musik vom Ende der 90er bis zum Ende der 2000er. Mög­li­cher­wei­se, lie­be Fun­ker, tue ich euch damit Unrecht. Der Gig brach­te ein stück­weit das alte Fun­ker-Fee­ling, doch auch so eine Weh­mut mit Blick auf „ver­gan­ge­ne Tage“.
(Beim Kor­rek­tur­le­sen stol­pe­re ich wie­der über die­sen Absatz, der nicht sagt, was ich mei­ne: Kästel fehlt mir – Fun­ker Vogt mit ihm als Front­mann. Wäre es bes­ser gewe­sen, das Pro­jekt FV zu beer­di­gen und mit etwas Fri­schem zu star­ten? Sei­ner­zeit ging der Sonic Sedu­cer davon aus, daß mit Kästels Aus­stieg FV zu Ende sei. Aber die Band schleppt sich unter die­sem Namen und mit Sei­ten­pro­jek­ten durch die Jah­re. Ich wür­de das so nicht machen. Es zu sehen, erzeugt bei mir Melan­cho­lie.)

Vor dem Head­li­ner, Years of Deni­al, waren Cor­ri-May und ich uns einig: das war genug Elec­t­ro für heu­te – die haben wir – nach kur­zen “Hör­pro­ben” – nicht mehr gese­hen. Sor­ry für das Auf­merk­sam­keits-Deni­al.

Küh­le Nacht zum Sams­tag.

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