Wer zuvor bereits den von mir mit ***** (!) bewerteten Film Exorzist: Der Anfang gesehen hat, wird sich wundern: Wieso wiederholt dieser 2005, also ein Jahr später erschienene Film die Thematik des anderen? Ist das so eine geheime ‘Battle of the Exorcists’?
Tatsächlich gab es da Streß: Morgan Creek, die Produktiosfirma, hatte den von Taxi Driver bekannten Regisseur Paul Schrader engagiert, den Stoff zu drehen. Doch man fand den Film dann zu abgehoben intellektuell, zu unblutig für das anvisierte Publikum. Der fertige Film wurde auf Eis gelegt (sehr verständlich, finde ich.)
Dann erhielt Renny Harlin den Auftrag, der mit “The Beginning” den von mir so gut bewerteten Film kreierte, der – nun ja – bei Kritikern und Publikum eher durchfiel – übrigens auch beim Autor des Romans: William Blatty war ’not amused’ über den Harlin-Film, während er den hier besprochenen lt. Wikipedia “ansehnlich, stilvoll und elegant” fand. *hust*.
Mein Problem mit diesem Film beginnt mit Stellan Skarsgård, einem Schauspieler, der so spielt, als hätte er ständig eingeschlafene Füße. Das ist so ein unglaublicher *gähn*-Darsteller – und ja, in “The Beginning” ist er halt auch zu sehen, ich weiß, aber, wie ich finde, dynamischer, vielleicht auch an die spürbarere Grunddramatik des Films besser angepaßt. Hinzu kommt mit Gabriel Mann ein junger, gutaussehender Priester, Pater Francis, der jedes Klischee erfüllt: jung, knackig, unerfahren, 150% gläubig usw. Die Überlebende des Vernichtungslagers Kulmhof (Chelmno), Rachel, wird von Clara Bellar sehr steif gespielt. Das fühlt sich für mich weitaus rigider an als in Exorcist: The Beginning…
Dann hätte es auch der Überlänge für diesen e x t r e m langsamen Film nicht bedurft. Das zieht sich ohne Ende. Wie meistens, spoilert mein Text einen Großteil des Films…
Wir starten in den Niederlanden im Kriegsjahr 1944: Pater Merrin soll einem SS-Mann, der große Ähnlichkeit mit der späteren Dämon-Darstellung (der Eingeborene Cheche) hat, 10 Leute des Dorfes benennen, die als Vergeltungsmaßnahme erschossen werden sollen. Darauf geht er ein, das trägt er als Schuld mit sich.
Sprung zum Jahr 1947 in die britischen Kolonialgebiete in Ostafrika (Kenia / Uganda) zum kleinen Ort, eher Buschstation, Derati, wo Merrin auf den Pater Francis aus dem Maryknoll-Missionsorden trifft. Hier liegt eine Spannung in der Luft zwischen der britischen Besatzungsmacht, verkörpert durch den Major Granville, und der einheimischen Turkana-Bevölkerung. Zudem soll Francis den Priester Merrin “überwachen”, der in einem Sabbatical ist (wegen der Sache in den Niederlanden, so deute ich). Kernthema ist nun, daß eine zuvor unbekannte, aus dem 5. Jahrhundert stammende Kirche an einer Bergflanke entdeckt worden ist, die einen byzantinischen Stil zeigt, der jedoch bislang nie soweit südlich nachgewiesen wurde. Die Einheimischen sind besorgt bzgl. der Ausgrabung.
Besagte Kirche ist so gut wie unversehrt, das heißt, es hat den Anschein, daß sie kurz nach der Erbauung aktiv zugeschüttet, vergraben worden ist. Sie ist dem Erzengel Michael geweiht, zudem sind aggressive Statuen erbaut worden, die “etwas niederhalten” sollen. Ein Sarkophag fungiert als Geheimeingang zu den niederen Gewölben, wo es in den Stein gemeißelte Fratzen und eine gehörnte Götter(?)-Statue gibt. Die Kirche steht offenbar, das ist nicht unüblich, auf einem heidnischen Kultort. Doch die Frage ist: war das nur ein heidnischer, oder eher ein satanischer Kult?
Es kommt Unruhe in das Setting: die Einheimischen warnen davor, die Kirche weiter auszugraben. Zwei englische Soldaten, die plündern wollten, werden tot aufgefunden (Symbolik: Johannes der Täufer – enthaupteter Kopf auf einem Tablett; Hlg. Petrus – kopfüber gekreuzigt); Major Granville erschießt im Affekt ein Mädchen, dann sich selbst; eine Eingeborene gebärt ein mit Maden übersätes totes Kind. Billig-CGI-Hyänen haben auch ihren Auftritt. All das fühlt sich so abgelöst an, abgehoben vom Spannungsaufbau, den ich mir vom Film wünsche.
Mehr und mehr konzentriert sich der Film auf die Person des Cheche, eines behinderten eingeborenen Manns, der im Hospital der Buschstation versorgt wird. Er allein profitiert von den Umständen, erholt sich von einer Bein-OP viel schneller als erwartet; ebenso bildet sich eine Spastik der Hand zurück.
Im Kontakt mit dem dafür empfänglicheren Pater Francis zeigt sich eine dämonische Besessenheit in Cheche. Der Priester drängt darauf, daß der junge Mann getauft werden soll; dazu begibt er sich mit ihm und Rachel in die Kirche. Die Situation eskaliert – Franics informiert Merrin (“Satan is real!”), macht sich auf den Weg, sein Rituale Romanum zu holen, wobei er von Eingeborenen abgefangen, gefesselt und mit Pfeilen schwer verletzt wird – das ist analog zum Heiligen Sebastian zu verstehen.
Wieder intervenieren die Einheimischen – alles entwickelt sich langsam und mit etlichen Wiederholungen: die Kirche soll zugeschüttet werden; die Engländer sollen sich verpieseln – und ob denn keiner merkt, daß nur Cheche von all dem profitiert?!
Der Showdown (mit billigen Lichteffekten über dem Tal; da sieht man in Deutschland aktuell bessere Nordlichter) sieht dann so aus, daß Merrin sich in sein liturgisches Gewand kleidet, Rachel aus der Höhle unter der Kirche rettet und es dann mit Cheche/Satan aufnimmt. Doch wer hier einen nervenaufreibenden Kampf zwischen *gähn* Merrin und Cheche erwartet, der wird enttäuscht sein von dem ruhigen Austausch von Parolen. Merrin betet ein bißchen der Allerheiligen-Litanei, dann die Befehle an den Dämon zum Ausfahren. Es folgt dann ein fiktiver Rückblick auf die Situation in den Niederlanden ’44 – wo Merrin sich dem SS-Mann entgegenstellt, ihm die Pistole entwendet und ihn erschießt. Doch es kommt zum Massaker, das heißt, der Ausgang der Situation ist ähnlich der tatsächlichen, nur daß Merrin hier persönlich ehrenhafter gehandelt hat (und selbst erschossen wurde – das wäre eben die Alternative gewesen).
Cheche wird am Ende der geheilte, liebe, junge Mann, der im Hospital mithelfen wird. Francis ist an seinen Pfeilverletzungen gestorben, die Engländer ziehen ab – und Merrin wird zum Bericht nach Rom befohlen.
*gähn* Ja, dann ist der Film, bei dem ich tatsächlich kurz eingenickt bin, halt vorbei. Zwei Sterne oder eher anderthalb – **.