Hal­lo­ween-Lese-Tip: The Nar­rows (R. Mal­fi)

Mal­fi ist ein Autor, von dem ich den sehr guten Roman “Come with me” sowie den eher durch­schnitt­li­chen “Snow” gele­sen habe. Beim Stö­bern fiel mir “The Nar­rows” auf – gute Bewer­tun­gen, inter­es­san­tes The­ma mit leich­ter Hal­lo­ween-Ver­knüp­fung.

In mei­ner Kind­le-Aus­ga­be (“Author’s pre­fer­red edi­ti­on”, offen­bar eine Neu­her­aus­ga­be des Romans, der wohl aus 2011 stammt) gibt es ein Vor­wort des Autors, in dem er bereits das Vam­pir-The­ma erwähnt. Ich dach­te: wie­so läßt man die Geschich­te sich nicht ein­fach ent­wickeln, wie­so stößt man die Leser schon vor dem Beginn des eigent­li­chen Lesens mit der Nase auf die Grund­the­ma­tik? Doch dann las ich die Bram-Sto­ker-Zita­te im Roman – es ist halt so: das The­ma bleibt nicht ver­bor­gen; man ahnt, was kommt. Auch die bei­den Jungs zu Anfang unter­hal­ten sich über Dra­cu­la.

Letzt­lich ist das mit die­sem Roman so wie mit Zom­bie-Geschich­ten: man kennt die Übel­tä­ter, hat aber doch Lust auf eine gute Erzäh­lung. Und das kann Mal­fi sehr gut: Atmo­sphä­re erschaf­fen. Er schreibt in der Ein­lei­tung: “I like to get my rea­ders drunk on atmo­sphe­re.”

Denn wer nun meint, das ist eine irgend­wie mal wie­der neue/andere Ver­si­on vom Vam­pir­the­ma – ja, es sind kei­ne ’nor­ma­len’ Vam­pi­re -, der schaut dar­über hin­weg, daß Mal­fi in sei­nem Text den Nie­der­gang eines gan­zen Ortes, Still­wa­ter in Mary­land, beschreibt. Seit die alte Kunst­stoff-Fabrik geschlos­sen wur­de, sind etli­che Men­schen weg­ge­zo­gen. Der Ort liegt zwi­schen Ber­gen, früh ist die Son­ne weg; und immer wie­der kämp­fen die Bewoh­ner mit Über­flu­tun­gen, wenn die ‘Nar­rows’ die Was­ser­mas­sen nicht bewäl­ti­gen kön­nen. Ein Ort vor sei­nem Ende? Mal­fi läßt den Poli­zi­sten Ben dar­über sin­nie­ren:

“May­be the pla­gue seeks out a town that is alre­a­dy on the ver­ge of collapse—that is alre­a­dy very much near death—and it grabs hold and takes root and plants its viru­lent claws into the soil. May­be when a town dies, it beco­mes this rot­ting, feste­ring corp­se that attracts the sorts of things that feed off corp­ses.”

Auch die­ser Roman star­tet mit einem ‘Cold Open’: ein Jun­ge ver­schwin­det von einem Motel-Gelän­de; er ist spä­ter immer wie­der The­ma die­ser Geschich­te – auch weil er ein zwei­tes Mal ver­schwin­det. Ok… 🤔

Mit viel Ein­füh­lungs­ver­mö­gen schil­dert der Autor die Men­schen in die­sem Ort, ihre Ver­wick­lun­gen, ihre Sei­ten­sprün­ge, ihre Alt­la­sten und Trau­ma­ta, die sie mit sich her­um­schlep­pen. Doch es dau­ert lan­ge, bis bei man­chen Bewoh­nern die Ver­mu­tung auf­kommt, daß es nicht nur Über­schwem­mung und Strom­aus­fall sind, die unheim­lich sind, daß da noch etwas ande­res ist. Vor allem sind es Jun­gen, die plötz­lich ver­schwin­den, so auch Bran­dys Bru­der. Lang­sam kri­stal­li­siert sie sich als sor­gen­de Schwe­ster gera­de in Ver­bin­dung mit dem Orts­po­li­zi­sten als die­je­ni­ge her­aus, die hin­ter das Geheim­nis kom­men wird.

Den­noch zei­gen sich die Wesen, die für Angrif­fe ver­ant­wort­lich sind, erst­ma­lig so rich­tig nach der Hälf­te des Romans. Hier­nach – nach der Ent­hül­lung – star­tet der zwei­te Teil des Buches.

Ich will nicht mehr ver­ra­ten, son­dern emp­feh­len, sich auf das Ein­tau­chen in den Ort Still­wa­ter ein­zu­las­sen. Nur soviel: wer Vam­pi­re wie Dra­cu­la oder Nos­fe­ra­tu erwar­tet, wird mög­li­cher­wei­se ent­täuscht wer­den.

“One by one, the peo­p­le of Still­wa­ter picked up and left. Ben had been right. They bla­med the storms and the floo­ding… but Bran­dy reco­gnized a deeper, dar­ker truth in their eyes.”

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