Felix Black­well: Sto­len Ton­gues (Buch)

Black­well – Sto­len Ton­gues (Mini­ma­le Spoi­ler)

Auch dies ist ein Buch (wie Pen­pal), das sei­ne Ent­ste­hungs­ge­schich­te auf Red­dit hat, und zwar im Subred­dit NoS­leep: My roman­tic cabin geta­way…
Der Autor hat die Red­dit Com­mu­ni­ty dann im Jahr 2017 infor­miert, daß aus die­ser Fort­set­zungs­ge­schich­te ein Buch ent­stan­den ist.

Grund­sätz­lich schreibt Black­well über sich selbst und sei­ne rea­le Part­ne­rin Faye, die tat­säch­lich, wie im Buch, eine Schlaf­stö­rung hat, die sich in Spre­chen im Schlaf und Schlaf­wan­deln äußert.

Im Roman kommt nun ein Fak­tor X hin­zu: die bei­den ver­brin­gen ein Wochen­en­de in einer Fayes Eltern gehö­ren­den klei­nen Hüt­te auf Pale Peak – mit­ten im Wald. Dort gesche­hen selt­sa­me Din­ge, es sind Stim­men im Wald zu hören, die bei­den fin­den eine Art Dream­cat­cher an einem Baum. Doch da ist noch eine “Enti­tät”, die zuhört, wenn Faye im Schlaf spricht: “I sup­po­se that if you speak long enough into the void, someone is bound to start listening.” Hier­aus ent­wickelt sich die wei­te­re Geschich­te.

Black­well, Auer­bach, Cut­ter, Coa­tes sind für mich “neue” Autoren, die begei­sternd schrei­ben, “to the point”. Ich habe gera­de erst Salem’s Lot von King bei ca. 60% (Lese­fort­schritt, Kind­le) abge­bro­chen, weil der Roman stink­lang­wei­lig ist. Und es ist nicht der erste Text von King, bei dem ich auf­ge­ge­ben habe.

Gera­de bei Cut­ter und Black­well gefällt mir die kon­kre­te Spra­che, die so geschickt, aber mit mini­ma­ler Aus­staf­fie­rung beschreibt, daß ich sofort ein Bild im Kopf habe. Bei­spiel für ein Klop­fen an der Tür aus Sto­len Ton­gues: “It was soft, like a neigh­bor who was reluc­tant to bother me.”
Da füh­le ich mich sofort in die Sze­ne ein und weiß, wie sich das Klop­fen anhört. Ande­rer­seits fällt es mir sehr schwer, die­se Spra­che (gera­de bei Black­well) in Wor­te zu fas­sen. Ich kann nur sagen, daß sie “bild­haft” ist und dadurch die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit den Per­so­nen und Sze­nen erleich­tert.

Der Roman hat mich unglaub­lich begei­stert – mehr noch: ich hat­te Gän­se­haut beim Lesen und habe nachts Ele­men­te aus dem Buch geträumt. Black­well holt mich da ab, wo ich ste­he: bei der Fra­ge, was geschieht, wenn “Über­na­tür­li­ches” in den All­tag nor­ma­ler Men­schen ein­bricht. Somit ist das Buch eine kla­re Emp­feh­lung für ein paar span­nen­de Stun­den.

Kri­tik? Nun ja, der letzt­li­che Grund hin­ter den Gescheh­nis­sen ist eher sim­pel und wäre im “real life” m.E. viel frü­her zur Spra­che gebracht wor­den. Da man als Leser die Suche nach der Bedeu­tung der Zahl “5” übers gan­ze Buch mit­ge­tra­gen hat, ist man – war ich – ein wenig ent­täuscht von der Ein­fach­heit der “Lösung”. Den­noch war die Span­nung durch­gän­gig hoch, klas­si­scher Page-Tur­ner.

Zusam­men­fas­send ist es eine psy­cho­lo­gi­sche Lehr­stun­de über Ver­dräng­tes, das sich kraft­voll und ver­stö­rend sei­nen Weg zurück ins Bewußt­sein bahnt – so kann man es ohne über­na­tür­li­che Fak­to­ren deu­ten.

Der Autor hat im Mai 23 ange­kün­digt, er arbei­te an einem “Pre­quel” zu Sto­len Ton­gues!

 

 

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