Wilson: The Girl in the Video (Novelle)

Spoiler!

Daß nicht jede Empfehlung eines Booktubers auch Garantie für gute Unterhaltung bietet, habe ich an dieser Novelle von Michael David Wilson gemerkt. Zumal selbst Novelle schon übertrieben ist, bei 74 Seiten in der Kindle-Version; Lesezeit: knapp über einer Stunde. Ist doch eher eine XL-Kurzgeschichte.

Zunächst: für mich ist das kein Horrorbuch, sondern so eine Art Behelfs-Krimi turned bad.
Der Protagonist Freddie erhält über Social Media Videobotschaften eines Mädchens, das ihm signalisiert, sie wolle ihn, aber seine Ehefrau stünde im Weg. Das Mädchen hat den Mann offenbar im ‚real life‘ ausspioniert, aber auch über Daten, die im Netz zu finden sind. Das ist für den Leser nachvollziehbar, zumal es eine kurze Zeit der persönlichen Begegnung Jahre früher gab. Aber wie(so) sie den neuen Wohnort des Ehepaars nach deren Abbruch aller Netzkontakte (Löschen der Accounts, Wechsel zu simplen Prepaid-Telefonen, Nutzung nur eines Video-Chats mit Phantasienamen…) herausfinden kann, ist unerklärlich; gleichwohl deutet der Autor nirgendwo eine übernatürliche Kraft an. Das Mädel ist schlichtweg eine so begabte Stalkerin, die auch vor Morden nicht zurückschreckt, was zum „Non-Happy-End“ der Geschichte führt.

Man hätte den Plot noch gut weiterführen können, z.B. mit der Erklärung, warum der Protagonist, seine Frau, die mittlerweile einjährige Tochter überhaupt noch gefunden werden können. Sein Kollege weist auf die Rolle der Geheimdienste hin – da hätte man einen Strang gehabt. Es hätte tatsächlich ein paranormales Element eingeführt werden können (nein, das Büchlein ist nicht ‚The Ring meets Fatal Attraction‘, wie ein Amazon Rezensent meint). Letztlich hätte man den Protagonisten nicht so schnell aufgeben lassen müssen… Das ist – gerade bei kleiner Tochter – kaum nachvollziehbar. Auch der stete Hinweis der Stalkerin, sie habe „etwas gegen/über Freddie“, also irgendetwas Belastendes, bleibt unaufgelöst. Der Text kommt eher unerwartet zu einem Full Stop.

Unausgegoren, das ist es, was ich beim Erstlingswerk von Wilson empfinde. Vom Schreibstil hingegen ist es gut, sehr stromlinienförmig, schnell geschrieben für schnelle Leser oder so.

Ich habe vom gleichen Autor (+ Co-Writer) mal kurz in „They’re Watching“ reingelesen, aber da motiviert mich die Leseprobe nicht, dem ganzen Buch eine Chance zu geben.

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