The Ritu­al (Film)

The Ritu­al ist ein Exor­zis­mus-Film von David Midell aus dem Jah­re 2025. Aus dem eng­li­schen Wiki­pe­dia-Ein­trag kann man erfah­ren, daß für die Rol­le des jün­ge­ren Prie­sters Ben Foster vor­ge­se­hen war, der aber wohl nach eini­ger Zeit aus­ge­stie­gen ist und durch Dan Ste­vens ersetzt wur­de. Hat da jemand die Reiß­lei­ne gezo­gen?

Fakt ist: der Film ist grot­tig, und das schau­spie­le­ri­sche Talent Al Paci­nos wird durch Insze­nie­rung und Sto­ry in den Schmutz gezo­gen – ich war wütend beim Schau­en.

Doch erst­mal zum Hin­ter­grund: eine jun­ge Frau namens Emma Schmidt ist offen­bar von einem Dämon beses­sen. Dies ist ein ech­ter, in den USA 1928 pro­to­kol­lier­ter Fall mit gro­ßer Dar­stel­lung in der TIME 1936 (Ori­gi­nal­ar­ti­kel, spä­te­rer Bericht dazu). Er gilt als best­do­ku­men­tier­ter Exor­zis­mus-Fall in den USA. Der aus­führ­li­che Wiki­pe­dia-Ein­trag zu “Anna Eck­lund”, Pseud­onym Schmidts, infor­miert dar­über. Den Film “Der Exor­zis­mus der Anna Eck­lund” habe ich hier bereits vor­ge­stellt (**). Neben­bei: die ech­te Emma war zum Zeit­punkt des Exor­zis­mus um die 40, wobei es erheb­li­che Pro­ble­me mit der genau­en Iden­ti­täts­be­stim­mung der Frau gibt, s. ver­link­ten Wiki­pe­dia-Arti­kel.

Joe­sph Stei­ger ist Prie­ster einer Gemein­de mit einem klei­nen Non­nen-Kon­vent (im Ori­gi­nal die Fran­zis­ka­ner-Schwe­stern von Ear­ling, Iowa). Er ist psy­chisch ange­schla­gen durch den Sui­zid sei­nes Bru­ders Micha­el. Sein Bischof infor­miert ihn nun, daß in sei­ner Gemein­de ein Exor­zis­mus einer Frau geplant sei, woge­gen Stei­ger zunächst pro­te­stiert, dann ein­len­ken muß: alles sei beschlos­sen, der Spe­zia­list, Kapu­zi­ner-Pater Rie­sin­ger (Al Paci­no) sei schon auf der Anrei­se. Im Ori­gi­nal han­del­te es sich um einen aus Bay­ern stam­men­den Mann, der die deut­sche Schreib­wei­se ‘Rei­sin­ger’ in den USA in ‘Rie­sin­ger’ wohl umwan­del­te.

Emma ist eine jun­ge Frau in ihren 20ern; sie wird in ein gro­ßes Zim­mer auf­ge­nom­men – wie gesagt, im Ori­gi­nal war sie dop­pelt so alt.

Der Film beginnt mit hek­ti­schen Schnit­ten aus einem Exor­zis­mus her­aus; man sieht Pater Stei­ger außer­halb des Raums, wo er sich kurz erho­len will. Das ist so ein bra­chia­ler und unsin­ni­ger Ein­stieg, der aber eines schon zeigt: die­se ver­ma­le­dei­te Kame­ra­füh­rung… Zunächst: es liegt eine Art Grün­fil­ter über dem Film – alles ist dun­kel-grün­sti­chig ein­ge­färbt. Ok, ist halt ein Stil­mit­tel, aber die­se wacke­li­ge Kame­ra, so als hät­te da ein Jun­kie auf Ent­zug mit iPho­ne 5 gefilmt, die ist unent­schuld­bar, die macht see­krank beim Zuschau­en. Und immer so nah dran, als wäre phy­si­sche Nähe der Kame­ra das Mit­tel, um die Nähe zum Zuschau­er zu trans­por­tie­ren. Grün­stich, stän­di­ge Clo­se-ups und das Wackeln sind sooo ner­vig – kaum aus­halt­bar.

Dann sol­che Din­ge wie die, auch im Film “Anna Eck­lund” vor­kom­men­den, grenz­de­bi­len Non­nen. Ich glau­be, der Regis­seur hat / die Dreh­buch­schrei­ber haben noch nie ech­te Non­nen, glau­bens­star­ke, sou­ve­rä­ne Frau­en ken­nen­ge­lernt. Die­se dümm­li­che Dar­stel­lung der Non­nen geht mir sowas von auf den Sack.

Die Mecha­nis­men der kom­men­den Exor­zis­men lau­fen immer ähn­lich ab: Rie­sin­ger ist der Exor­zist, Stei­ger pro­to­kol­liert (das war im Ori­gi­nal ein Deut­scher namens Carl Vogel, der den Bericht über die Exor­zis­men her­aus­ge­ge­ben hat), drei Non­nen assi­stie­ren. Stei­ger ist weich, nicht vom Exor­zis­mus über­zeugt, will z.B. kei­ne Fes­se­lung Emmas. Er bit­tet einen Arzt um Besuch – der kön­ne doch hel­fen, das sei bestimmt Epi­lep­sie. Wäh­rend Rie­sin­ger das zunächst noch ver­ständ­nis­voll kom­men­tiert, gera­ten die Pater spä­ter anein­an­der, als der älte­re dem jun­gen Kol­le­gen vor­wirft, er sei glau­bens­schwach, wofür alle Anwe­sen­den den Preis zah­len müß­ten (durch Emmas Über­grif­fe). In der Cha­rak­ter­dar­stel­lung haben wir also einen kon­si­sten­ten Rie­sin­ger, der fest in sei­ner Hal­tung ist, aber gegen­über dem jun­gen Kol­le­gen dann etwas här­te­re Töne anschlägt. Bei Stei­ger hin­ge­gen sehen wir die­se klas­si­sche Vor­la­ge sol­cher Fil­me: vom Glau­bens­zwei­fel hin zur Glau­bens­stär­ke.
Der Bischof wird hin­ge­gen empa­thie­los und distan­ziert gezeigt.

Emma wird immer mit­ge­nom­me­ner durch die Exor­zis­men, was sehr gut von der Mas­ke dar­ge­stellt wur­de. Sie spricht auf Latein, erbricht Blut und uner­kenn­ba­res Gewe­be (?), greift zwei Schwe­stern an. Sie erspürt einen Rosen­kranz im Raum, sie weiß um den Tod des Bru­ders von Stei­ger und sei­ner Zunei­gung zur Schwe­ster Rose. (Mir ihr gibt es dann auch so völ­lig unnö­ti­ge Füll-Dia­lo­ge, die kei­ner braucht.)

Rie­sin­gers Tex­te stam­men aus dem Ritua­le Roma­num. Er betet einen Aus­zug der Aller­hei­li­gen-Lita­nei, liest Psalm 54, den Anfang des Johan­nes-Evan­ge­li­ums, betet das Vater Unser, spricht aber auch den Befehl bzgl. des Namens des Dämons.
Der Dämon nennt jedoch kei­nen Namen, aber es fal­len fol­gen­de: Jacob, Mina, Judas. Jacob soll wohl Emmas Vaters sein, der mit sei­ner Schwä­ge­rin Mina ein Ver­hält­nis hat­te; unklar im Fall der ech­ten Emma auch eine Inzest-The­ma­tik. Und Emma selbst gibt in einem Schrei­ben den Hin­weis auf Judas, der Jesus gegen Geld ver­ra­ten hat.

Die Sto­ry spitzt sich zu; der Dämon erscheint Rie­sin­ger als schwarz­ge­klei­de­ter, dro­hen­der Mann. Stei­ger sieht Emma als Erschei­nung in sei­nem Zim­mer, auf­grund einer Hal­lu­zi­na­ti­on ver­letzt er sich selbst, Schwe­ster Rose nacht­wan­delt usw.
Ein Gespräch zwi­schen den Prie­stern, wonach alles Leid, das Men­schen erle­ben, ihrer Stär­kung für das Anpacken künf­ti­ger Her­aus­for­de­run­gen dient, bleibt ober­fläch­lich. Auch hier muß ich wie bei Emma Evans kri­ti­sie­ren, daß man sich kaum einen so wie Stei­ger agie­ren­den Prie­ster IRL vor­stel­len kann. Da braucht es kei­nen Rie­sin­ger, der dem ande­ren erst sagen muß, er sol­le sich sei­ner Rol­le bewußt wer­den, dafür hat er über Jah­re Theo­lo­gie stu­diert.

Zum Ende ver­schwin­det Emma in den Kel­ler­ge­wöl­ben und man weiß genau, daß die fol­gen­de Suche noch so ein hilf­lo­ses Motiv ist, um den Film leid­lich span­nend zu hal­ten. Stei­ger fin­det sie, ohne Atmung, mit schwa­chem Puls. O‑Ton: „Was sol­len wir tun?“ Alles kein Pro­blem: Rie­sin­ger setzt die Frau auf und schlägt ihr zwei­mal auf den Rücken – alles wie­der palet­ti.

Dann Schluß-Exor­zis­mus, noch wacke­li­ger gedreht, weil wacke­lig ja so eine schö­ne Hor­ror-Dyna­mik erzeugt… *argl*
In sei­nen Tex­ten befiehlt Rie­sin­ger den Dämo­nen zu wei­chen, er spricht kon­kret Jacob, Mina und Judas mit „wei­che!“ an. Stei­ger fin­det über das Amu­lett des Erz­engels Micha­els, das sein ver­stor­be­ner Bru­der getra­gen hat­te, zur Glau­bens­stär­ke zurück, betet und exor­ziert end­lich ver­nünf­tig mit – und alles wird gut.

Beses­sen­heit wird hier eher psy­cho­lo­gisch ver­stan­den, also in dem Sin­ne, daß Emma von der außer­ehe­li­chen Bezie­hung des Vaters (und sexu­el­lem Miß­brauch?) trau­ma­ti­siert ist. So rich­tig ver­ste­he ich das nicht, aber in gen­re-übli­chen Fil­men nennt der Dämon meist einen Namen und nicht die Namen von Ver­wand­ten des Opfers…

Die Bewer­tung ist eigent­lich recht klar am unte­ren Ende, also **. Ich über­leg­te, ob ich wegen Al Paci­nos gutem Spiel auf­wer­ten soll­te, so wie ich das bei “Das Ritu­al” und Antho­ny Hop­kins getan habe? Auch die Tex­te des Ritua­le Roma­num sind doch etwas bes­ser reprä­sen­tiert als in ande­ren Fil­men. Doch auch ange­sichts 9% beim Tom­ato­me­ter kann und will ich nicht kor­ri­gie­ren, sor­ry, Al Paci­no. Wärst bes­ser auch mal abge­sprun­gen, als klar wur­de, wie der Dreh läuft.

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