Diesem dysphorischen Text möchte ich ein Caveat! voranstellen: Wenn dich das Thema Suizid triggert, wäre es gut, den Text auszulassen.
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Unbekümmert schaut
blaßgelbes Licht aus Fenstern,
wird aufgelöst in der Nacht
zwischen Menschen hinter ihnen
und dem Kind.
Bespielte Marionetten
in stumpfer Schlichtheit,
wo der Nachtwind
um niemanden weint.
Doch gottgleiche Gestalten
zertrümmern die Zukunft in
Werken, deren Sinn dem Uneingeweihten
keine Heimat ist.
Ihre Gegenwart erahnt das Kind
mit ungläubigen Augen.
Die Welt ist Spielball ihrer geifernden Gedanken,
des Triebes zum Auslöschen. –
Dankbar, der Schmerz in mir ebbt ab,
er geht, sucht neue Wege, findet Ruhe, nickt ein.
Doch Taubheit, maskiert als Nymphe, die mich unablässig
zur geilen Fahrt lädt, strömt in meinen Geist.
Spiralig engt sie die Lunge ein, läßt,
wo doch alles gut werden könnte,
wie alle sagen,
mir kaum Entscheidung, keine Hoffnung auf Zukunft.
Ausgeklammert aus dem Ihr, wie eine Lokomotive,
die sich selbst aufs Abstellgleis fährt,
singe ich meine Lieder in der Wärme innerlicher Feuer,
meditiere die All-Heit, die Groß-Liebe, die Raum-Zeit, die Gemeinschaft der Heiligen.
Wo es doch so einfach wäre.
Als der Tag erwachte, war ich schon erwacht.
Als er verstrich, lebte ich;
als er verblaßte, schwieg ich, zitternd;
als der Tag erwachte, war ich tot.
[© Rush / V. Wagner]
{Ein früher, dann 2021 – passend zur C‑Thematik – umgearbeiteter Text. So wie Kinder glauben, Erwachsene könnten ‘alles’, könnten gar zaubern, so steht das sprachlose Ich des Textes vor den Zerstörern der Weltordnung, vor den Wort-Kriegern, Kriegshetzern und Abwicklern einer menschlichen Gesellschaft.
Doch da ist ein unterliegendes, sehr persönliches Motiv aus der Zeit um 1991, das von den Formulierungen nur angerissen wird. Mir ist bewußt, daß die Aussage des Textes kryptisch ist, aber ich wollte nicht noch mehr abändern gegenüber der Fassung von vor 35 Jahren. Offen bleibt letztlich, ob Suizid wirklich das Thema ist. Vielleicht meint ‘war ich tot’ einfach nur Zerstörung des Alten, um den Neubeginn in der Isolation mit ihrer ‘Wärme innerlicher Feuer’ lostreten zu können.]