Trigger-Warnung! Der Text behandelt auch das Thema Suizid/Selbsttötung. Wenn das für Dich ein Problem ist: bitte nicht lesen!
Hier gibt es eine Vorbemerkung zu diesen Texten.
Ab und an suche ich nach neuer Literatur zum japanischen Wald Aokigahara. So viel Neues gibt die Region nicht her, denn es ist im Grunde alles beschrieben worden – man könnte noch auf aktuelle Entwicklungen eingehen, so wie ich es z.T. auf der Neuigkeiten-Seiten tue.
Ich fand zwei Werke bei Amazon: Da wäre als Erstes “The Shadows of Aokigahara. A Journey through the Suicide Forest” von Jack Ethan Phillips mit einer fantasy-artigen Titelbildgestaltung. Mit 2,76€ ist das eBook sehr günstig… *hust*
Zum Autor gibt es im Buch die Angabe, er sei ein “renowned historian and author”, der einen Abschluß einer “prominent university” habe und viel gereist sei. Dieser Abschnitt ist im Grunde typisch für den Text des gesamten Buches: der Autor ist eine Schimäre, nicht greifbar – und damit Fake? Schauen wir auf den Inhalt…
Laut Inhaltsverzeichnis geht das Buch in 10 Kapiteln auf den Wald ein. Ein Satz am Anfang verspricht: “You will be guided through all of Aokigahara’s story’s elements by this book.” A) ist unklar, woher der Autor sein Wissen bezieht, B) würde ein Autor, spätestens das Lektorat diesen Zungenbrecher geglättet haben.
Was dann so im ersten Drittel beim Lesen immer wieder auffällt: die Wiederholungen. Beispiel: “(die Eishöhlen) have ice inside them even in the hottest months of the year.” Und eine Seite weiter: “the caves created by the cooling lava frequently contain ice year-round.” 3 Seiten weiter: “Inside, ice formations sparkle in the twilight…” *facepalm*
Genauso geht es mit etlichen anderen Themen, so daß bei mir der Eindruck entsteht: zu konkreten Aspekten des Waldes hat man eine KI mit der Bitte angeworfen, zum Thema X etwas zu schreiben. Dann wurden diese Kapitel zusammengesetzt, so daß zufällige Wiederholungen entstanden sind. Alle Texte enthalten für mich als (halbwegs) Kenner des Waldes Allgemeinheiten, die man überall finden kann. Es gibt keine besonderen Erwähnungen, wie z.B. bei Devlin der 7‑Eleven-Laden, wo viele der “Waldgänger” sich letzte Provisionen kaufen. Andererseits werden die Geister einmal als yurei, dann als yorei vorgestellt, letzteres falsch und ggf. eine Verwechslung mit den yokai genannten Dämonen – auch da fehlt das Einheitliche, das konkrete Konzept für das Werk.
Durch diese ständigen Wiederholungen und so eine pseudo-mystische Sprache wirkt das Buch seelenlos. Es ist unstrukturiert, es wirkt unfertig – das alles paßt zu dieser Fake-Autoren-Biographie mit seiner “prominenten Uni”. Und natürlich werden die Fehlinformationen (Kompasse funktionieren nicht…) weitergegeben. So werden auch seppuku und harakiri in einem Satz erwähnt, ohne auf die begrifflichen Unterschiede einzugehen. Da hat ein “Autor” kaum Hausaufgaben gemacht…
Kraß insbesondere der Hinweis, Menschen hätten den Wald “for millennia” zum Meditieren aufgesucht… Am Anfang steht: Lava aus Vulkanausbruch 864 (u.Z.), darauf entstand der Wald. Das ist dieser Laber-Ton, der das ganze Buch durchzieht. Nehmen wir diesen Ton (noch ein Beispiel – das ‘it’ bezieht sich auf den Wald: “There is a risk that its cultural and spiritual foundations will be trivialized as its mystical reputation increases.” Wie?!) und auch diese ständigen Wiederholungen, dann wird bald klar: das Buch kann nur mit KI entstanden sein. Wer als menschlicher Autor so ein Werk abliefert, kann sich m.E. nicht “Schriftsteller” nennen. Don’t buy. Lieber Devlin lesen.
Da wäre als Zweites “Aokigahara Forest” von Asher Grey, 3,52€ als Kindle-Version. ‘Asher Grey’, der Glückliche Graue, ist wieder ein Autor ohne Info auf Amazon, was mich sehr an die neulich gesehene ARTE-Doku erinnert, wo man per KI in 45 Minuten ein komplettes eBook geschrieben hat schreiben lassen, inkl. Foto der Autorin von einer Porträt-Seite im Netz und biographischen Infos. Interessanterweise gibt die Google-Suche eine Amazon-Seite mit thematisch-ähnlichen Büchern des Autors an, die Amazon.de nicht lädt… (z.B. Mountain of the Dead)
Ich kenne nur die Leseprobe, daher beziehen sich alle Angaben darauf. Das Buch ist 2025 erschienen, die Copyright-Angabe Minimal-Standard. Im Teil 1 des Buches werden verschiedene große Waldgebiete auf der Welt vorgestellt – wozu? Kurz wird der Aokigahara beschrieben, dann geht’s weiter nach Rumänien und in den Schwarzwald! Das sieht schon nach KI-Füllsel aus.
Doch dann merke ich: genauso geht es in Kapitel 2 weiter, nur jetzt sind “verfluchte Städte” Thema – und wie schon fast zu erwarten, geht es mit Pripyat los… WTF!?
Teil 3 – Spukschlösser, Teil 4 – Grüfte und Katakomben und so weiter. Wer anhand Titel und Cover meinte, er bekomme ein thematisch auf den japanischen Wald fokussiertes Buch, wird sich ver*rscht fühlen; das geht schon Richtung Betrug. Ja, es sieht so aus, als hätte da jemand eine KI mit Begriffen gefüttert.
So auch die Sprache hier beim Glücklichen Grauen, wie ich es oben schon für das andere Werk geschildert habe: sie ist so beliebig, so voller Allgemeinplätze, so ohne erkennbaren Stil, ohne daß ich die Person des Autors herausspüren kann.
So Sätze wie “Legends have the capacity to alter how people interact with their environments – how they navigate, respect, fear, or avoid certain locations.” sind nicht ‘falsch’, aber sie klingen falsch, künstlich, überdramatisch, verschwurbelt. Wenn da noch ein Kapitel über “Ethical Considerations in Paranormal Exploration” folgt, bin ich raus – nicht weil ich das nicht wichtig finde, sondern weil ich meine, ein Grundschul-Lesebuch durchzugehen. Suggestion: Don’t buy.
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