Gothics nur noch kon­ser­va­ti­ve Spie­ßer?

Auf dem YT-Kanal SATI (69 Abon­nen­ten, Stand 6.5., 8:00 Uhr) fin­det sich ein knapp halb­stün­di­ges Video zum The­ma, ob Gothics/Grufties heu­te nur noch “ein Hau­fen kon­ser­va­ti­ver Spie­ßer” sei­en (Link zum Video).

Der Spre­cher sieht heu­te v.a. einen “Oma-Ver­ein”, “kon­ser­va­ti­ve Spie­ßer”, einen “trau­ri­gen Hau­fen von Spie­ßern / Boo­mern”, “wider­li­che quer­den­ken­de Boo­mer” oder “wider­li­che” Aus­sa­gen von “hete­ro­nor­ma­ti­ven CIS-Men­schen” – mit­hin kein Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl in der Sze­ne. (Oder noch nicht genug lin­ke Domi­nanz.) Gothics nur noch kon­ser­va­ti­ve Spie­ßer? wei­ter­le­sen

War­um ruft der ESC?

Lord of the Lost waren näm­li­ches, lost, beim letz­ten ESC und – Wort­spiel – letz­ter Platz. War­um man als Act aus dem Bereich der Schwar­zen Sze­ne, so ver­ste­he ich die Band, die ich selbst nicht höre, zwin­gend sei­ne Musik via ESC einem Main­stream-Publi­kum oktroy­ie­ren will, erschließt sich mir nicht. Zu unter­stel­len, Mas­sen­wir­kung, Mas­sen­be­liebt­heit, Mas­sen­ein­kom­men sei­en das allei­ni­ge Ziel, greift wohl zu kurz. Ja, es steht dem Künst­ler frei, sich so zu ver­mark­ten, will er will. Glaub­wür­dig­keit ist doch irgend­wie ein hoh­ler Begriff, oder? Phöser Spruch. Ja, ich hän­ge da mög­li­cher­wei­se einem alten Bild von Schwar­zer Sze­ne nach. Für mich war sie immer Gegen­kul­tur. Nichts habe ich so gehaßt, wie die graue Welt mei­ner Eltern, nichts so wie den bun­ten Main­stream, Luft­num­mern und gleich­ge­schal­te­tes Vaku­um im Kopf und einen ‘euro­päi­schen Lie­der­wett­be­werb’. “Flieg nicht so hoch, mein klei­ner Freund” – Opa sag­te immer, dat Nikoh­le hat wie­der gesun­gen. Tole­ranz ist, wenn man trotz­dem lacht.

Zwei­ter Anlauf nun für Nor­we­gen, Nor­way! Nor­vè­ge! Goth­mi­ni­ster gehen in die natio­na­le Vor­auswahl mit dem Song ‘We come ali­ve’. Hier das Video dazu, sehr schön gemacht. Ok, auch der Song als sol­cher gefällt mir gut, spe­zi­ell die Lyrics. Wären die mal in knacki­gen Gothic Rock ver­packt und nicht die­sen schwar­zen Main­stream-Sound, der jähr­lich von den Festi­val-Büh­nen schreit, dann – Top-Song.

Aber gut, Rush will kein Spiel­ver­der­ber sein. Alles Gute, Herr Mini­ster, beim Vor­ha­ben, die nor­di­schen, dann euro­päi­schen Her­zen auf cree­py zu polen. I mean it. Rush out.

Nach­trag 15.2.24: Der Herr Mini­ster hat es nicht geschafft, die Folk-Rock-Band Gåte ver­tritt Nor­we­gen.

Gothic als Lebens­stil

“In den Neun­zi­gern gab es die­ses Revi­val – auf ein­mal inter­es­sier­ten sich unglaub­lich vie­le Leu­te für unse­re Musik und unse­re Klei­dung. Die Sze­ne rück­te ein gewal­ti­ges Stück in Rich­tung Main­stream. Man kann heu­te gar nicht mehr von einer Jugend­kul­tur spre­chen. Die Prot­ago­ni­sten, die von Anfang an dabei waren, ste­hen jetzt kurz vor der Ren­te. Gothic ist heu­te eher ein Lebens­stil, für den sich Men­schen jedes Alters und aller gesell­schaft­li­chen Schich­ten ent­schei­den.”

Alex­an­der Nym, Süd­deut­sche, 18.5.13

(Man beach­te, das ist nun 10 Jah­re her. “Die Sze­ne” steht qua­si am glei­chen Punkt wie damals.)

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