Post Mor­tem: In Skar­nes stirbt nie­mand (Serie)

Nach Mona­ten ohne Abo kom­me ich zu Net­flix zurück und prompt wird mir Post Mor­tem: Ingen dør i Skar­nes, so der Ori­gi­nal­ti­tel, emp­foh­len. Ich bin kein Komö­di­en-Fan, aber die Umset­zung des Stof­fes ist so viel­ge­stal­tig, daß das Schmun­zeln zwi­schen­durch doch OK ist. Die Serie hat schon ein mor­bi­des Flair, das ich sehr mag.

Vor­ab: sie umfaßt nur eine Staf­fel (2021), sechs Epi­so­den – und ist lei­der a) nicht abge­schlos­sen, und b) wohl auf­ge­ge­ben wor­den. Scha­de, aber damit teilt sie das Schick­sal z.B. von Kat­la (2021). Im wei­te­ren Text Spoi­ler zum Inhalt!

Zen­tral ist das Bestat­tungs­in­sti­tut Hallan­gen in Skar­nes, Nor­we­gen, – geführt vom Vater mit Hil­fe des Sohns Odd, wäh­rend Toch­ter Live und Schwie­ger­toch­ter Rose in einem Pfle­ge­heim arbei­ten. Live wird plötz­lich tot auf­ge­fun­den, ohne Anzei­chen von Gewalt­ein­wir­kung, aber – das ist im Grun­de das zen­tra­le The­ma der Serie – sie “wacht” wäh­rend der Obduk­ti­on auf.

Und Live ist ver­än­dert… Die Augen zei­gen grü­ne Flecken, sie hört lei­se Geräu­sche extrem laut, hat eine unglaub­li­che Kör­per­kraft ent­wickelt – und Heiß­hun­ger auf Blut. Wie das bei Seri­en üblich ist, wird der Stoff so mit einer Art Nudel­holz aus­ge­rollt, gedehnt – mich ner­ven v.a. die Inter­ak­tio­nen von Poli­zi­stin und Poli­zist, das hät­te man alles straf­fen kön­nen.

Es gibt ein Geheim­nis in der Fami­lie, das nur der Vater kennt, so denkt man zunächst. So füh­ren uns die Fol­gen zum ersten Punkt, an dem einem als Zuschau­er ein “Oha!” über die Lip­pen kommt: der Vater will sei­ne “auf­er­stan­de­ne” Toch­ter umbrin­gen, weil auch sei­ne Frau, ihre Mut­ter, “ver­än­dert” war. Es gibt Ton­bän­der, auf der die Mut­ter die­sen Schritt for­dert…

Spä­ter erfah­ren wir noch, daß der “net­te Arzt” auch eine wich­ti­ge und mit­wis­sen­de Rol­le spielt. Und Odd, der als tol­pat­schi­ger Sohn nach dem Tod des Vaters das über­schul­de­te Insti­tut über­neh­men muß, ist Pech­vo­gel – man lei­det mit ihm, so wenn er als Dro­gen­schmugg­ler aus­ge­nutzt wird, schmun­zelt über ihn, wenn der Vater im Testa­ment angibt, für sei­nen Sarg sol­le ein sol­cher ver­wen­det wer­den, den Odd schon ver­beult habe. Dann führt die Kame­ra zur abge­sto­ße­nen Ecke des Sargs… Über­haupt: die ruhi­ge Kame­ra­füh­rung zwi­schen Nah­auf­nah­men und Weit­win­kel, sekun­den­lan­ge “Stand­bil­der”, gefällt mir sehr gut, eben­so der erdi­ge Grund­ton der Bil­der.

Nach dem Mot­to “Das Leben ist gefähr­lich, das hat noch kei­ner über­lebt” zie­hen die Ver­wick­lun­gen ihre Krei­se, auch der Poli­zist wird im Kon­takt mit Live “ver­än­dert”. Inter­es­sant ist, wie so oft, wer was über wen im Dorf so weiß. Und Live spielt nach ihrer ‘Rück­kehr’ die­se Rol­le “alles OK bei mir, mir geht’s gut” – so eine Hal­tung, die ich auch gut ken­ne, in ande­rem Zusam­men­hang.

Und Odd – nomen est omen – ist durch­aus “odd”, wenn er das Ban­ner der Ehr­lich­keit hoch­hält und das Dro­gen­geld, das er drin­gend zum Abzah­len von Schul­den bräuch­te, ver­brennt… Ande­rer­seits ahnt er am Ende, war­um Live ‘komisch’ ist, ver­steht aber auch, daß er mit dem aktu­el­len Todes­fall sein Insti­tut sanie­ren kann. Das hät­te man in einer zwei­ten Staf­fel wei­ter­füh­ren kön­nen.

Manch­mal dach­te ich, das ist alles ein biß­chen “unpo­lished”, auch wenn es so inhalt­li­che Män­gel gibt wie kei­ner­lei recht­li­che Fol­gen, nach­dem Live den Nach­barn ver­mö­belt hat, oder das Über­se­hen von Indi­zi­en, oder die Pla­stik­tü­te über dem Kopf des Poli­zi­sten, der Stun­den ohne Sau­er­stoff über­lebt (oder ist das auf sei­ne ‘Ver­än­de­rung’ zurück­zu­füh­ren?).

Die Ver­än­de­run­gen wer­den in der Serie nicht benannt: nie fällt das Wort ‘Vam­pir’, nie wird eine Art Lyk­an­thro­pie-The­ma­tik auf­ge­wor­fen.

So blei­ben wir als Zuschau­er mit­ten in den poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen zurück, die sich zuneh­mend auf Live zen­triert hat­ten. Mög­li­cher­wei­se wäre eine Fort­set­zung in Skar­nes nur schwer vom Stoff her umsetz­bar gewe­sen. Somit bleibt unklar, wie es mit Odds Bestat­tungs­in­sti­tut, mit Live und dem Poli­zi­sten – und letzt­lich den poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen wei­ter­ge­hen könn­te. Trotz­dem – ein­fach sehr gute Unter­hal­tung.

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