Aoki­ga­ha­ra (11) – Ki no umi / Meer aus Bäu­men (Film)

Trig­ger-War­nung! Der Text behan­delt auch das The­ma Sui­zid / Selbst­tö­tung. Wenn das für Dich ein Pro­blem ist: bit­te nicht lesen!
Hier gibt es eine Vor­be­mer­kung zu die­sen Tex­ten. 

Der Film des japa­ni­schen Regis­seurs Tomoy­u­ki Taki­mo­to (geb. 1966) aus dem Jah­re 2004, “Ki no umi” (Meer aus Bäu­men / Sea of Trees), ist ein Spiel­film, der die Geschich­ten von meh­re­ren Per­so­nen mit dem Aoki­ga­ha­ra ver­webt. Der zwei­stün­di­ge Film ist sehr kom­plex und gera­de in der japa­ni­schen Ver­si­on mit sub­op­ti­ma­len eng­li­schen Unter­ti­teln zum Teil schwer zu ver­ste­hen. Es geht – um das zuerst zusam­men­zu­fas­sen – dar­um, wie Men­schen im Umfeld des Fuji und Aoki­ga­ha­ra leben, und wie ihre Schick­sa­le zum Teil tra­gisch inein­an­der­grei­fen.

Man kann den schwer erhält­li­chen Film bei Fsha­reTV mit eng­li­schen Unter­ti­teln (Sub­s­ce­ne aus­wäh­len) strea­men, aber Ach­tung: Wer­bung ohne Ende + “Zwangs-Down­load” Ope­ra-Brow­ser, AVAST… – das ist so eine Sei­te, die ich eigent­lich nie auf­su­chen wür­de, daher ver­lin­ke ich auch nicht; du fin­dest die Sei­te über die Suche.

Der (japa­ni­sche) Trai­ler ist bei You­Tube online. Er gibt einen Ein­druck vom Wald + Inhalt des Films. Ich ver­su­che, die­sen Inhalt eini­ger­ma­ßen zusam­men­zu­fas­sen, daher spoi­lert der Text den Film.

Da ist Mit­su­ya, ein Yaku­za-Mit­glied und medio­krer Kre­dit­hai mit zu wei­chem Cha­rak­ter für den Job. Ich ver­ste­he das so, daß Kre­di­te spe­zi­ell an Frau­en gege­ben wer­den, aber Mit­su­ya zu wenig Druck auf die Schuld­ne­rin­nen aus­übt. Eine die­ser Frau­en, die nicht zah­len konn­te, ist zwecks Sui­zid in den Aoki­ga­ha­ra gegan­gen, hat sich ver­letzt und ruft Mit­su­ya an – aus­ge­rech­net den sich selbst ver­ach­ten­den Kre­dit­hai. Ent­lang eines blau­en Ban­des fin­det der Mann die Frau, aber er ver­ar­bei­tet auf dem Weg auch sein eige­nes kri­mi­nel­les Leben – die­se Geschich­te endet mit ‘Hap­py End’. Das ver­bin­den­de Sym­bol zwi­schen bei­den ist ein klei­nes Eif­fel­turm-Modell, das bei­de besit­zen.
Eiko Teji­ma ist eine Ver­käu­fe­rin an einem Kiosk nahe des Aoki­ga­ha­ras. Sie hat einen sozia­len Abstieg hin­ter sich, war höhe­re Ange­stell­te in einer Bank, wur­de als Stal­ke­rin ver­ur­teilt. Jetzt lebt sie allein und erhält Anru­fe von einer Frau (?), die ihr den Tod wünscht. Tags­über beob­ach­tet sie die Men­schen wei­ter­hin und fragt sich, wer wohl zum Ster­ben in den Wald will. Ein Mann hilft einem Mäd­chen, das offen­bar Sui­zid bege­hen will, beschmutzt sei­ne Kra­wat­te dabei, so daß er am Kiosk bei Teji­ma eine neue kauft – ein klei­ner Akt der Mensch­lich­keit; das Mäd­chen setzt sei­nen Plan nicht um.
Teji­ma geht dann selbst in den Wald – offen­bar mit Sui­zid­ab­sicht, weil sie mit dem Beob­ach­ten der Todes­kan­di­da­ten und ihrer eige­nen Bio­gra­phie (Ver­sa­gen vor der Fami­lie) eine hohe Last trägt. Das Bild der Kra­wat­te und des hel­fen­den Man­nes bringt sie zurück. Auf­fäl­li­ges Zei­chen ihrer Wand­lung: sie bedient nun nicht mehr mit wei­ßen Hand­schu­hen, die Distanz zu den ande­ren Men­schen ist gefal­len. Es ist auch eine Annah­me ihrer neu­en Ver­käu­fe­rin­nen-Rol­le im Sin­ne eines erfül­len­den Jobs. Sehr schö­nes Bild mit tie­fer Emo­tio­na­li­tät.
Sae­gu­sa ist ein Detek­tiv, der frü­he­ren Job und Frau (durch Krebs) ver­lo­ren hat. Er gibt sich eine Teil­schuld am Tod der Frau. Eltern einer jun­gen Frau, die von Teji­ma beim Gang in den Wald beob­ach­tet wor­den war, sich dann dort umge­bracht hat, wol­len Klar­heit über den Tod der Toch­ter. So ver­bringt der Detek­tiv einen gan­zen Abend mit dem Ange­stell­ten Yama­da in einem Restau­rant, weil die­ser auf einem Foto mit der toten Frau zu sehen ist. Es geht ins­be­son­de­re um ein Lied über “Hoff­nung”, das die Frau lieb­te. Doch ähn­lich wie Teji­ma hat Yama­da – das ist vage dar­ge­stellt – die Frau nicht vom Gang in den Wald abge­hal­ten. Über die Tote fin­det eine Art Ver­brü­de­rung der Män­ner statt.
Asa­ku­ra hat ille­ga­le Akti­en­ge­schäf­te gemacht und soll­te im Wald ‘ent­sorgt’ wer­den. Doch er wird “nur” von den Auf­trags­kil­lern in eine Fels­spal­te gewor­fen, das ist die düste­re Ein­gangs­sze­ne des Films, und über­lebt. Er wünscht sich, gleich getö­tet wor­den zu sein, weil das Leben ‘drau­ßen’ bedeu­tet, daß die Poli­zei hin­ter ihm her sein wird; im Wald wird er ver­hun­gern. Er trifft auf Tana­ki, der gera­de den Kopf in eine Schlin­ge steckt, und läuft weg. Spä­ter fin­det er zum (dann) Toten zurück, sitzt am Feu­er bei ihm, spricht zu ihm. Hier domi­niert das The­ma Schuld: er hät­te den Tod ver­hin­dern kön­nen, wäre er nicht weg­ge­lau­fen. Die­se Sze­nen mit dem Erhäng­ten, der von Maden und Mücken heim­ge­sucht wird, sind die dra­stisch­sten im Film.
So ver­spricht Asa­ku­ra dem Toten, den Fund­platz an sei­ne Fami­lie zu über­mit­teln, damit die Ver­si­che­rung Gel­der an die Hin­ter­blie­be­nen zah­len kann. Er steht hier im Grun­de für den wie­der­ge­fun­de­nen Über­le­bens­wil­len – auf­grund der Schuld am Tod eines ande­ren.
Vie­le Din­ge hän­gen eng mit­ein­an­der zusam­men, so die­se gel­ben Wer­be­zet­tel für die “Frau­en-Kre­di­te”, die Mit­su­ya bei sich hat. Er ver­liert ein Bün­del, das wie­der­um fin­det Tana­ki, der im Grun­de nicht ster­ben will, und die Zet­tel an Bäu­men (für die Rück­rou­te) auf­hängt. Er stirbt den­noch, aber die Zet­tel lei­ten nun Asa­ku­ra aus dem Wald. Er wie­der­um fin­det Äpfel und Was­ser, die Sae­gu­sa als Gabe an die Toten im Wald zurück­ge­las­sen hat, als er begann, sich mit dem Schick­sal der toten Frau sei­nes Auf­tra­ges zu befas­sen (wobei er im glei­chen Bus mit Teji­ma zum Wald fuhr).  Oder die Kra­wat­te, die der Mann neu bei Teji­ma kauft. Eine sol­che Kra­wat­te ist für die Frau nun das Lebens­sym­bol, das sie zurück­bringt.
Eben­so muß man erken­nen, daß die Ein­sam­keit im Wald der “Ein­sam­keit” und Ver­las­sen­heit in der Groß­stadt ent­spricht, z.B. wenn Teji­ma in ihre klei­ne düste­re Woh­nung kommt.
Ich glau­be, ich habe nicht alle Details 100% durch­schaut, aber das wäre ja ein Grund für dich, den Film zu sehen Ich fand ihn sehr beson­ders, mit­neh­mend und mei­ne See­le berüh­rend, zum Nach­den­ken anre­gend. Von den mir bekann­ten Fil­men ist es der, der die Aoki­ga­ha­ra-Atmo­sphä­re am besten wie­der­zu­ge­ben scheint. Emp­feh­lung!
Näch­ster Bei­trag (in Arbeit)

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