Ich möchte heute einmal über meinen “Musikkonsum” schreiben. Wie höre ich die Musik der ‘Schwarzen Szene’? Wie organisiere ich meine Musik? Dabei fange ich “ganz vorne” an:
In meiner Jugend in den 80ern habe ich natürlich Schallplatten gekauft. Titel daraus wurden per Tape Deck auf Cassetten kopiert – zum Selberhören oder Verschenken. Von “Lossless”-Qualität war da noch nicht die Rede. 😉
Ich war begeistert vom Aufkommen der CD, weil sie so handlich ist, viel weniger Platz im Regal braucht – und nicht umgedreht werden muß. 🙂
(Zudem muß man sich nicht mit dem Thema Plattenspieler, Pflege desselben, Ersatznadeln usw. befassen.)
Da ich viele Schallplatten besaß, wollte ich in einer Übergangsphase (mit wenigen CD-Käufen) eigentlich nur “besondere” CDs kaufen, das waren v.a. Live-Konzertmitschnitte. Eine der ersten CDs, die ich kaufte, war “Earth Inferno” von den Fields. Ja, ich war mir bewußt, daß damals schon eine Diskussion über die mindere Audio-Qualität von CDs aufkam. Mir fällt gerade beim Korrekturlesen ein, daß ich da tatsächlich so einen “CD Man” hatte, ein kleines tragbares Gerät, wie ein Walkman, für CDs. (Und was mir noch einfällt: ja, ich habe bei CDs die größeren Booklets mit Fotos, Lyrics usw. vermißt, die es bei den Schallplatten gab.)
In den 90ern vollzog sich ein Wandel: vor allem Platten der 80er, NDW und so Dudel-Musik wie “Kyrie” von Mr. Mister, Europe “Final Countdown”, ist gerade, warum auch immer, in meinem Kopf, wurden verkauft – oft mit Verlust statt Gewinn, aber wegen Umzügen und Plattenschleppen – na ja, weg ist weg. Dafür wurden nur noch CDs gekauft; ich schrieb ja schon, daß ich mir damals vorgenommen hatte, aus allen Album-Rezensionen des ZILLO eines pro Monat als CD zu kaufen (als Faustregel, habe ich nicht über Jahre durchgezogen).
Als dann (spät für mich; lange reichte mir eine elektrische Schreibmaschine) Computer ein Thema wurden, habe ich die CDs “gerippt”, um mir – analog zu den Cassetten – Best-of-Playlists zusammenstellen zu können. Mein Hauptwerkzeug für viele Jahre war der WinAmp.
Hinzu kam dann in einer Grauzone, die eigentlich so grau nicht war, schon damals nicht, die Plattform Napster mit ihrem “Musiktausch”-Angebot. Man gab selbst Musik auf der Festplatte frei, konnte dafür Musik anderer Menschen kostenlos herunterladen. Es war klar, daß die Musikindustrie Sturm laufen würde – und ja, die Ära Napster (in dieser Form) währte kurz von 1999 bis 2001. Mir hat das letztlich nichts gebracht, da ich durch einen umfassenden Datenverlust ca. 2002/3 so gut wie alles verloren habe, Musik, Bilder, Videos, persönliche Dokumente. Ich weiß heute nicht mehr, warum das so passiert ist, was blöd klingt, aber wahr ist. Ich habe schon immer gesichert, aber ich meine, daß die damals einzige Sicherungsfestplatte just zum Zurückkopieren ihren Geist aufgab. Egal…
Grundsätzlich: Napster war, wie auch heute alle Streaming-Dienste, nicht “mein Musikmodell”. Ich bin immer noch jemand, der Musik gerne kauft, speichert, zu immer neuen Playlists verwurstet. So Mitte der 2000er Jahre wechselte ich von WinAmp zu iTunes. Musikkäufe erfolgten also über iTunes und das Apple-Universum – und ich mußte für meine damaligen Android-Handys immer wieder schauen, ob es eine gute Sync-App gibt, die mir die in iTunes erstellten Playlists aufs Handy kopiert. Lange war das für mich die App iSyncr, aber 100% zuverlässig war keine der verwendeten Apps, was mich zunehmend nervte.
Also kaufte ich um 2011/12 einen iPod Shuffle, 4. Generation, und das Musikhören wurde unabhängig vom Handy. Und: der kleine Shuffle hatte eine Funktion, die ich heute noch – in der Einfachheit und abseits von Shazam – vermisse: per kurzem Tastendruck wurde der aktuelle Titel angesagt.
Für meinen Jakobsweg 2015, 800km von Südfrankreich zu Fuß nach Santiago de Compostela in Nordwest-Spanien, kaufte ich mir ein gebrauchtes iPhone 5. Das diente mit seiner guten Lichtstärke zum Fotografieren in Innenräumen (zur Navigation, zum Hörbuch-Hören…), während ich ansonsten eine Kompaktkamera von Canon mitschleppte. Mit dem Umstieg auf das iPhone war der iPod Shuffle “Geschichte” – jetzt war es ja einfach möglich, alle iTunes-Playlists auf das Handy zu kopieren.
Ich bin an dieser Stelle sehr Hardware-fokussiert, aber gleich geht es mit Musikkäufen weiter. Die Kombi iPhone + iTunes blieb lange mein “Arbeitspferd” – bis es immer wieder hakte, v.a. mit iTunes, der Update-Installation, der Musikverwaltung durch das Programm selbst, der sauberen Übertragung zum Handy. Es gab, in der Rückschau, immer eine “Reibung” in Apples-Ökosystem, immer etwas, das nicht rund lief. Man denke daran, wie die Einführung der iCloud-Mediathek (2015) ganze Playlists zerriß, löschte, Alben unsinnigerweise aufteilte usw., oder an das ‘Ende von iTunes’ (2019), wo die Playlists in der neuen Musik-App noch da waren, aber die Verlinkung zu den Originaldateien verlorengegangen war – man konnte keine Playlist mehr abspielen. Das nervte mich irgendwann extrem, also diese Abhängigkeit von Apple. Und doch war das fast ein Jahrzehnt so meine Herangehensweise an Musikkauf und ‑hören: Kauf der Titel über iTunes, Organisation in Playlists, Übertragung an das iPhone.
(Generell versuche ich, systemunabhängig zu sein. So verwende ich z.B. für Mail, Notizen, Cloud-Speicher usw. Apps, die auf verschiedenen Systemen verfügbar sind.)

Irgendwann stieg ich auf den Cloud-Dienst pCloud um. Man kauft “auf Lebenszeit” bestimmte Speicherkontingente und bei Bedarf dazugehörende Verschlüsselung. Mitte 24 bot pCloud erstmalig einen Audio-Webplayer für Musikdateien an: das heißt, die Dateien liegen als MP3 oder M4A in der Cloud und mit dem Web-Player – heute eben auch der Audio-Funktion in der pCloud-App – greift man darauf zu und organisiert die Musik in Playlists. In der App ist das noch einfacher – und man kann die gesamte Playlist zur Offline-Nutzung aufs Gerät herunterladen. Jeden Song hört man in der Qualität, die die physisch gespeicherte Datei bietet.
Für mich war klar: das ist die Unabhängigkeit von Apple! Somit änderte ich mein Musikkaufverhalten: zunehmend schaute ich zuerst bei Bandcamp, ob der konkrete Künstler dort Musik anbietet. Dann entdeckte ich noch das französische Portal Qobuz, eigentlich Streaming-Plattform, aber eben auch mit Download-Shop. CDs kaufe ich gar keine mehr.
Und ja, Spotify ist da auch noch im Hintergrund via Familien-Abo. Aber dieser Dienst steht für genau das, was ich am Streaming kritisiere und was mich an Apple nervte: ich habe nicht die volle Kontrolle über meine Musik. Titel werden einfach offline genommen, ohne daß ich benachrichtigt werde. Erst wenn ich “Nicht spielbare Titel anzeigen” manuell auswähle, wird mir angezeigt, was nicht mehr da ist, aktuell z.B. aus der Playlist zum Blog der Titel “Don’t be afraid” von Informatik im “Alone in the Dark”-Mix – womöglich gab es da ein Copyright-Problem mit dem Sample zu Anfang des Titels. Wie gut, daß ich den Titel seinerzeit gekauft habe.
Playlists gab es in den letzten 20+ Jahren genügend – aus Lust und Laune neu angelegt, oft temporär, oder aufgrund der Apple-Neuerungen zwingend wieder mal neu angelegt. Aktuell sieht das für die hier besprochene Musik (auf pCloud) so aus:
- Rush_Gothic_Primary – das ist die Liste mit meinen Lieblingsliedern, aktuell 180 Titel – Dark Wave, Electro(-Varianten) und Gothic Rock gemischt.
- Rush_Gothic_Secondary – hier finden sich gute Lieder, die ich ab und an hören mag, aktuell genau 100 Titel.
- Rush Sentimental – eine ziemlich neue, dysphorische Playlist mit Titeln, die nicht aufbauen, nicht motivieren, sondern eher nach Dunkelheit und einem Glas Rotwein schmecken. Das sind 17 sehr unterschiedliche Songs.
Hinzu kommen dann noch so “Wegwerf”-Playlists bei Spotify, worin ich z.B. neu entdeckte Musik zwischenspeichere. Lieber ist mir aber dieser Weg: Ich habe in einer Notiz-App eine Liste “Incoming 4 Playlists”, worin ich neue, gute Musik (aus Web-Radios (Schwarze Welle, Dunkle Welle, Nachtflug), Podcasts, Twitch (Geisterweltnights)), Mixcloud festhalte, Einzeltitel wie “check artist!”. Hier gehe ich dann so vor, daß ich die Musik bei Spotify (oder YouTube) nochmal höre und dann ggf. über die genannten Portale kaufe – oft nur Einzeltitel, keine Alben.
Bislang einziger Nachteil dieser Vorgehensweise: pCloud Audio erlaubt noch nicht den kompletten Ex- und Re-Import von Playlists. Daher erfasse ich alle Titel in einer regulären Textdatei.
Das ist also mein “Setup” für Musik. Wenn du möchtest, teile doch mal deine Gedanken / Vorgehensweise in den Kommentaren.