Nach dem Originalfilm von 1973 und einer schwachen Fortsetzung von 1977 sollte im Jahr 1990 mit William Peter Blattys Romanverfilmung (“Legion / Das Zeichen”) ein würdiger Nachfolger gedreht werden. Oder, wie Segaloff in “The Exorcist Legacy” schreibt: “The first rule of Exorcist III is: You do not talk about Exorcist II.”
Blatty schrieb selbst das Drehbuch nach seiner Romanvorlage und führte auch Regie.
Ich habe den Film via Apple gesehen und bewerte ihn mit ** von fünf Sternen. Der Text spoilert den Film. (Wikipedia EN)
Ich möchte vorab noch einmal auf das Buch “The Exorcist Legacy” von Nat Segaloff hinweisen. Darin gibt es z.B. zu diesem Film zunächst eine Zusammenfassung der Romanvorlagen, dann der normalen Filmversion, der Director’s‑Cut-Version und eine nochmalige Zusammenstellung der Unterschiede beider Versionen. Wer den “deep dive” möchte, wird ihn hier finden.
** widersprechen scheinbar vielen Kennern des Genres, die E3 als sehr guten Film beurteilen – das liest/hört man immer wieder. Er ist aber auch dezidiert anders als seine Vorgänger – und viele der nachfolgenden Exorzismus-Filme. Ich würde sagen, er ist mehr Mystery-Thriller als Horrorfilm. Gruselig ist da gar nichts; schon früh kann man auch erahnen, was vor sich geht. Der Besessene ist auch genre-untypisch keine Frau.
Der Film greift zentral auf die Figur des Damien Karras zurück, des jungen Priesters aus “Der Exorzist”, der während des Exorzismus an Regan MacNeil verstarb (sich opferte, um den Dämon aus dem Mädchen zu ziehen). Der dort ebenfalls auftretende Polizist Kinderman kehrt als Hauptperson zurück. Er ist mit Pater Joe Dyer – ebenfalls aus “Der Exorzist” – eng befreundet.
Vor Ort in Georgetown im Jahr 1990 geschehen Morde, die das Zeichen eines bereits hingerichteten Mörders, des “Gemini-Killers”, zeigen. Auch Pater Dyer wird in der Folge ermordet. Bei den Ermittlungen stößt Kinderman in der Psychiatrie auf den “Patienten X”, einen vor 15 Jahren mit Amnesie eingelieferten Mann, der wie besagter Damien Karras aussieht, sich aber als “Gemini-Killer” identifiziert.
Das ist alles langsam, z.T. “traumhaft” erzählt. Speziell die zwei langen Monologe des “Gemini-Killers” ziehen sich, auch die Ermittlungen Kindermans in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses. Wie schon geschrieben, man ahnt bald, was passiert, so daß der Film doch seine Längen hat.
Letztlich erklärt der Pseudo-Gemini-Killer dem Polizisten, daß er mit dämonischer Hilfe (er spricht von seinem ‘Meister’) in dem Moment in den Leib von Karras schlüpfen konnte, als dieser an der Schwelle zum ‘Totenreich’ war.
Doch Kinderman hat Zweifel und erspürt den toten Priester als noch ‘aktiv’ hinter der Fassade von Patient X. Oder, anders ausgedrückt: es ist der übernommene Körper von Karras, aber aus ihm spricht eine andere Wesenheit (Dämon bzw. ‚dämonische’ Seele des hingerichteten Killers).
Ein weiterer Priester, Pater Morning, wird beim Versuch, am Patient X einen Exorzismus vorzunehmen, von diesem/dem Dämon getötet. In der Schluß-Konfrontation zwischen Dämon und Kinderman (und dessen langer “I believe”-Rezitation, die in “I believe in you” endet, worin ich persönlich eine Ansprache Karras’ sehe,) spricht plötzlich Karras und bittet Kinderman, ihn zu töten.
Am Ende sieht man den Grabstein von Karras mit Todesjahr 1975. Das heißt: obwohl der Exorcist (1) vermeintlich im Jahr seines Erscheinens, 1973, spielt, definiert die Nummer III des Franchises das Jahr als 1975.
Interessant am Film ist die veränderte Art der Besessenheit, also daß sich der Dämon eines fast unbeweglichen, gefesselten Mannes bedient, der wiederum in eine Art Starre mit reduziertem Puls, aber erhöhter Hirnaktivität verfällt, um so die Patienten der psychiatrischen Klinik als Werkzeuge nutzen zu können. Das ist so eine Art “ferngesteuerte Besessenheit” – durchaus einmal interessant für einen Film, aber kein Stoff für weitere (sofern man mich als Zuschauer will).
Der Darsteller des Kinderman, George C. Scott, wurde für den Preis “Goldene Himbeere” als schlechtester Schauspieler des Films vorgeschlagen; tatsächlich wurde es Shatner (Star Trek V). Ja, er spielt hölzern, zu diametral zwischen Angefaßtsein und Zornausbruch. Mir hat er nicht gefallen.
Insgesamt meine ich, man muß den Film als Versuch Blattys würdigen, eine gute Fortsetzung des ersten Films zu erstellen. Aber mit der Art der Darstellung, auch der Überlänge des Films, wird für mich daraus ein seichter Thriller, dem man sein Alter von über 30 Jahren deutlich ansieht. Zunächst wollte ich aufgrund der Zugehörigkeit zum Exorcist-Franchise drei Sterne vergeben, aber letztlich will ich das nicht so machen. Ja, damit sage ich auch, daß ich an der klassischen Exorzismus-Thematik und ihrer Darstellung im Film hänge – und nicht so gerne solche Experimente besprechen möchte.
Für mich ist erst über eine Dekade später mit Exorzist – Der Anfang ein sehr guter und würdiger Nachfolger gedreht worden.