Mesh – live, Köln 10.4.26

Ich begin­ne den Kon­zert­be­richt etwas frü­her, näm­lich mit der „Listening Par­ty“ von Mesh am 22.3.26 auf Band­camp, bei der das neue Album kom­plett gespielt wur­de. Gemein­sam mit Men­schen aus aller Welt hör­te ich das neue Album – erst­ma­lig neu­es Mate­ri­al nach dem Stu­dio­al­bum “Loo­king Sky­ward” von 2016, das immer­hin für Mesh einen Platz 12 in den deut­schen Charts brach­te.

“The Truth does­n’t mat­ter” ist ein star­kes Album, ein run­des Werk, denn das ist ja auch immer wich­tig, daß eine Band “ihren Sound” trifft, den Fans mögen und wie­der­erken­nen – und schon bei die­sem ersten Hören kom­men­tier­ten eini­ge, das klin­ge gut nach ‘Mesh Retro’.
Klar ist aber auch: die Vor­ab-Aus­kopp­lun­gen “Exi­le”, “Hey Stran­ger” und “This World” sind die stärk­sten Songs, direkt gefolgt vom Titel­song oder auch “A Storm is coming”. Gefüllt wird das Album etwas durch drei kur­ze Instru­men­tal­stücke, die mög­li­cher­wei­se für ‘Ein­ge­weih­te’ mehr Hin­ter­grund haben.

Nach den Auf­takt­kon­zer­ten in Deutsch­land und dem Prag-Abste­cher stand vor­ab fest, wel­che unge­fäh­re Set­list man zu erwar­ten hat – und ja, das sind fast alle Songs vom neu­en Album, mit ein paar Klas­si­kern auf­ge­wer­tet bzw. abge­run­det.

Mesh tou­ren mit Mari Kat­tman, Frau vom Assem­bla­ge-23-Sän­ger Tom Shear, und Black­book. Zu Kat­tman habe ich schon hier etwas geschrie­ben, Kon­zert vom letz­ten Herbst. Wir waren über­rascht,  als wir  kurz vor offi­zi­el­lem Beginn um 20 Uhr ins Carls­werk Vic­to­ria kamen – und Kat­tman schon am Ende ihres Auf­tritts war.

Kurz dar­auf folg­ten schon Black­book, schwei­zer Band mit Sän­ger mit nie­der­län­di­schem Akzent. 😉
Ich kann­te die Band von der einen oder ande­ren Ver­öf­fent­li­chung, auch wenn ich mich nie inten­si­ver mit ihr beschäf­tigt hat­te, weil Syn­th Pop für mich gera­de nicht mehr so wich­tig ist. Oft geht es mir mit die­sen Bands so, daß ein Song haf­ten bleibt, der sich dann auch in mei­nen Play­lists fin­det, wie “Take the Pain” von Iris, “King of Pain” von Fro­zen Plas­ma oder auch “Suf­fer in Silence” von Black­book. Das Duo hat gera­de vor zwei Wochen ein neu­es Album ver­öf­fent­licht, das der Medi­en­kon­ver­ter hier bespricht. Zitat: “Das ist alles sehr effi­zi­ent – so effi­zi­ent, dass man sich kurz fragt, ob hier irgend­wo noch Platz für Zufall vor­ge­se­hen war. (…) Sie machen nichts falsch. Aber sie wagen eben auch nicht beson­ders viel. Und das merkt man.”

Letzt­lich: kann man sich gut anhö­ren, sym­pa­thi­scher Auf­tritt, aber für mich im Syn­th-Pop-Rah­men ‘more of the same’.

Mesh dann schon gegen 21 Uhr auf der Büh­ne, also recht früh. Die Set­list war aus den vor­he­ri­gen Auf­trit­ten bekannt und ent­hielt umfang­rei­ches Mate­ri­al vom aktu­el­len Album “The Truth does­n’t mat­ter”. Das mag man kri­ti­sie­ren, mag sich Best-of-Kon­zer­te wün­schen, aber die haben Mesh ja schon die gan­zen Jah­re gespielt. Klar ist, daß mit fri­schem Mate­ri­al nach so vie­len Jah­ren ein Fokus bei den Kon­zer­ten zu erwar­ten ist.

Los ging es mit dem schon star­ken Titel­song, gefolgt vom für mich noch stär­ke­ren “A Storm is Coming”, gefolgt von “My Pro­tec­tor”, das mir live wesent­lich bes­ser gefiel als ‘aus der Kon­ser­ve’.

Net­te, lei­der kur­ze Ein­la­ge mit “It Sca­res Me” a capel­la, dann gleich wei­ter mit der Sin­gle-Aus­kopp­lung “Hey Stran­ger”, ein mich emo­tio­nal trig­gern­der Song: “Hey Stran­ger, I cried for you for much too long, Ever­ything I said was wrong, Ever­ything we were is gone”

Dann mein aktu­el­les Lieb­lings­lied von Mesh: “Lone Wolf” – mit die­ser Mega-Video­prä­sen­ta­ti­on im Hin­ter­grund.

“He’s a lone wolf
No one that you’ve heard of
Just a nice guy
Sit­ting with the lights off
And no one cares what
he has to say
He’s a lone wolf
Just ano­ther psy­cho
Always fri­end­ly
Coo­king in his silo
And no one sees why
it ends this way”

Direkt mit “Crash” der näch­ste Kra­cher und das erste Lied, bei dem das Publi­kum mal in Bewe­gung kam.

Wei­ter über “I bleed through you”, “Kill your Dar­lings”, “Not ever­yo­ne is lonely” und “Ever­ything as it should be”, das ich als schwäch­stes Lied der Show emp­fand, hin zu den bei­den Duet­ten mit Mari Kat­tman, “Bury me again” (ganz stark!) und “Tilt”. Die­ser Part eine kla­re Auf­wer­tung der Show.

Danach begann die Schluß­pha­se des Haupt­teils: “Sta­te of Mind” (OK), “This World” (gut), “Hold and Restrain” (OK), doch dann wur­de mit “Kill us with Silence” ordent­lich auf­ge­dreht. “Taken for Gran­ted” hat mich live total als rich­tig kra­chi­ger Titel – auch emo­tio­nal – über­rascht – ger­ne mal rein­hö­ren!

“I just can’t take for gran­ted
All the things I did befo­re
I just can’t live this life
With all the­se dreams and not­hing more

I’m start­ing to drink too much
It shar­pens the memo­ry but sof­tens the touch
I’m start­ing to belie­ve there’s no way back …”

Den Abschluß bil­de­te “Be Kind”, ein Song, bei dem ich mir auch nach dem x‑ten Hören nicht klar bin, ob ich ihn mag oder nicht. Ja, er ist platt, ja, in einer Welt vol­ler Krie­ge soll­te man so eine Bot­schaft auch mal öfter aus­spre­chen. Aber: klar ein guter Abschluß.

Kur­ze Pau­se, der Kerl hin­ter mir schrie sich die Lun­ge aus dem Leib: “MMOOOO­RE”.

Erste Zuga­be das druck­vol­le “The Last One Stan­ding”. Vor vie­len Jah­ren habe ich den Song das erste Mal beim Mit­ter­nachts­rei­gen gehört, was zu einer erneu­ten Beschäf­ti­gung mit Mesh jen­seits mei­ner all-time-favo­ri­tes wie “You did­n’t want me” oder “It sca­res me” führ­te.

Ich hät­te mir “You did­n’t want me” als Zuga­be gewünscht, lei­der kam das für mich schwa­che “Born to Lie”. Viel­leicht war es als Kon­tra­punkt zu “Be Kind” gedacht.

Und nach wei­te­rer Mini-Pau­se “Exi­le”. Hier wird live deut­lich, war­um das eine Sin­gle-Aus­kopp­lung, also einer der stärk­sten Songs des neu­en Albums ist: per­fek­tes, ener­ge­ti­sches Abschluß-Lied für ein tol­les Kon­zert.

Das “Paket” aus Listening Par­ty und Kon­zert zwei Wochen spä­ter war ide­al.

All­ge­mei­ne Ein­drücke: Zuneh­mend mei­ne ich zu sehen, daß das Publi­kum bei Kon­zer­ten (all­ge­mein) nicht mehr so mit­geht und auf­dreht, wie es ‘frü­her’ war. Fre­ne­ti­sches Klat­schen, Rufen, Mit­sin­gen… ja, ab und an, aber ich mei­ne, es hat sich etwas ver­än­dert. Liegt es an der media­len Über­sät­ti­gung? Hat ein Kon­zert noch den Stel­len­wert, den es mal hat­te? Sind die durch­ge­tak­te­ten, fest geplan­ten Auf­trit­te viel­leicht auch blut­lee­rer gewor­den? Fehlt auf der Büh­ne Spon­ta­nei­tät? Kon­su­miert und filmt das Publi­kum, statt emo­tio­nal mit­zu­ge­hen?

Dann noch so eine Dis­so­nanz: wäh­rend z.B. im Pod­cast ‘Schwarz­ge­sagt’ ein­mal alle 5 Minu­ten (gefühlt) der Begriff ‘Baby Bats’ fällt (oder häu­fig in die­sen Inter­views), fehl­ten die­se Mini-Fle­der­mäu­se beim Mesh-Kon­zert – wie so oft bei Events der Schwar­zen Sze­ne der letz­ten Jah­re. Eine Freun­din mei­ner Frau mein­te: “Puh, nicht die Älte­sten hier…” Dann merk­te sie, 10 Jah­re jün­ger als wir, daß das komisch klingt und füg­te hin­zu: “Ja, selbst IHR nicht…” Stimmt, ich wür­de grob schät­zen, der Alters­durch­schnitt müß­te so zwi­schen 35 und 40 gele­gen haben, Cor­ri May sagt, “eher 40–50”, aber “Gesich­ter des Todes” (AKA Ü60) waren doch auch sel­ten; aber kei­ne Angst, näch­stes Jahr sto­ße ich dann hin­zu. 😉

Das Carls­werk Vic­to­ria ist nicht mei­ne Lieb­lings-Loca­ti­on, weil es schmal recht­eckig ist, sich das Publi­kum vor der Büh­ne drängt, wodurch wenig Bewe­gung mög­lich ist. Das wird z.B. vom Matrix in Bochum noch über­trof­fen. Aber wenn man hin­ten steht, hat man einen guten Über­blick, kann zwi­schen­durch mal raus gehen: der Vor­be­reich mit Essen/Trinken, Gar­de­ro­ben und Toi­let­ten ist wirk­lich nett. Schö­ner Abend, all in all.

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