M’era Luna 2025 – Sams­tag

Vor­ab: ich habe den Ein­druck, mit dem iPho­ne 16 Pro wesent­lich schlech­te­re Kon­zert­fo­tos machen zu kön­nen als mit dem alten 13er. Falls jemand Tips für die Kame­ra­ein­stel­lun­gen hät­te, wäre ich sehr dank­bar. (Und, nein, eine ande­re Kame­ra kommt nicht in Fra­ge.)

Nach einer ruhi­gen, küh­len Nacht bin ich erst­mal mit Gieß­kan­ne (für den Tank) und Was­ser­sack los­ge­zo­gen, um Was­ser fürs Duschen zu holen. Immer schön anti­zy­klisch agie­ren, dach­te ich mir schmun­zelnd, als ich an der Was­ser­stel­le ohne War­te­schlan­ge ankam. Kaf­fee, See­le bau­meln las­sen, spä­ter Früh­stück, dann Duschen (im Wagen) und los zum Infield.

Ich schrei­be hier nur über die Bands, die ich tat­säch­lich gese­hen oder zumin­dest aus der Distanz gehört habe.

Ich woll­te mir Hei­ma­tær­de live anse­hen, weil ich von denen vor Jah­ren eini­ge Lie­der gehört hat­te. “Dark Dance” war schön, kann­ten eini­ge und tanz­ten. Ich moch­te immer schon die Mischung aus (Dark) Elec­t­ro und Mit­tel­al­ter-Instru­men­ten, aber der Auf­tritt blieb für mich doch etwas blaß.
Dann rüber zur Club Stage, um die Mit­tags­zeit noch ohne Gedrän­gel mach­bar.

Van­guard hat­ten mir schon in der ML-Play­list auf Spo­ti­fy gefal­len. Jetzt fand ich ins­be­son­de­re “Open Sky”, “Rag­na­rok” und “Riot” sehr gut: eine Band, dir mir irgend­wie ‘durch­ge­gan­gen’ ist.
Ich freue mich dar­auf, die bei­den schwe­di­schen Syn­th-Pop­per im Novem­ber im Kult­tem­pel wie­der­zu­se­hen. Im Nach­hin­ein: viel­leicht mein favo­ri­te gig des Festi­vals.

Shop­ping-Run­de hin­ter der Club-Stage, aber Cor­ri-May und ich mer­ken immer wie­der, daß uns die vol­len, über­hitz­ten Stän­de ner­ven. Also eher von außen mal drü­ber­schau­en, wei­ter­ge­hen. (Und manch­mal auch stau­nen, was jetzt Uten­si­li­en der ‘Schwar­zen Sze­ne’ sind.) Die Jacke, die ich kau­fen woll­te, habe ich nicht bekom­men. Na ja, ander­mal. Beim Pier­cing-Stand von Wild­cat war dau­er­haft guter Andrang – da wer­den wir im Okto­ber mal lokal schau­en.

Zurück zum Auto, von dort das “typi­sche” Chrom-Set gehört (bereits auf dem E‑Tropolis gese­hen).

Dann für Fun­ker Vogt wie­der zur Club Stage. Die Band arbei­te­te sich über Jah­re wie­der zurück nach dem krank­heits­be­ding­ten Aus­stieg des Sän­gers und einer Fehl-Neu­be­set­zung mit Fol­gen. Guter Elek­tro, aber für mich ein Auf­tritt, der mich nicht mehr so begei­stern konn­te wie frü­her. An die­sem Wochen­en­de (und dem fol­gen­den beim Stel­la Nomi­ne) führ­ten wir eini­ge Gesprä­che zu die­sem The­ma: wann hat eine Band ihren Zenit über­schrit­ten? Ein Berg­wan­de­rer aus dem Erz­ge­bir­ge sag­te: “Kennt man ja, zuerst geht’s hoch, aber irgend­wann muß man wie­der run­ter, da kommt der Abstieg.” Für mich ist Fun­ker Vogt so eine Band, die den Zenit über­schrit­ten hat. Wir beka­men nicht mit, wel­che Hits ggf. zum Ende gespielt wur­den, weil wir zu Witt rüber pil­ger­ten.

“Der Jo” in Festi­val-Lau­ne mit fürs Alter sehr guter Stim­me. “Ohne Dich” ist einer mei­ner All­zeit-Hits von ihm, auch “Dämon”. Natür­lich kann der Mei­ster nicht ohne “Gol­de­ner Rei­ter” von der Büh­ne. Sehr schö­ner Auf­tritt.

Grund­sätz­lich wie­der das immer glei­che ML-Pro­blem: viel zu wenig Sitz­plät­ze. Und die­se däm­li­chen Bän­ke von “Fol­ding­Ta­ble”, die zum Teil ein­fach zusam­men­bra­chen (und am Sonn­tag nicht ersetzt wur­den). Bei älter wer­den­dem Publi­kum, beim Anspruch, inklu­siv zu sein, muß man mehr Sitz­mög­lich­kei­ten bie­ten. Das kapiert die Orga – im Gegen­satz zu der vom Amphi  lei­der und seit Jah­ren nicht, was auch ande­re Leu­te auf Insta so kom­men­tiert haben.

Apo­ca­lyp­ti­ca mit ihrem Metal­li­ca-Set – ja, OK. Ich höre kein Metal­li­ca, kann also nur sagen, daß die Vir­tuo­si­tät der Musi­ker für sich spricht und das Anschau­en der Beherr­schung der Instru­men­te ein Genuß ist.

Ich merk­te nun zum ersten Mal deut­lich: Das Gelän­de wird für 25000 – mit Tages­kar­ten ca. 27000 (?) – Besu­cher zu klein
Die Leu­te sit­zen, den Schat­ten vor der VIP­Ca­ve aus­nut­zend, mit­ten im Durch­gangs­be­reich zwi­schen den Büh­nen und mach­ten eben eine Art “Sitz­blocka­de”. Vor der Club Stage viel zu wenig Platz für die Anzahl der Zuschau­er bei ange­sag­te­ren Acts. Ein Geschie­be, um nicht Gedrän­ge sagen zu müs­sen. (Wie lan­ge gibt es die­se däm­li­che VIP­Ca­ve eigent­lich schon? So von wegen: “die Sze­ne” geht zum Mera Luna – alle sind gleich, eini­ge glei­cher. Mit dem Scheiß kann ich nicht gut umge­hen.)

[Nach­trag: Es gab vie­le Dis­kus­sio­nen um die VIP Cave, so daß das The­ma von Ste­ve und Gat­to Nero im Pod­cast “Shits­torm in Schwarz” dis­ku­tiert wur­de.]

Wir sahen uns dort Solar Fake an. Guter, dyna­mi­scher Auf­tritt – kei­ne Lieb­lings­band von mir, aber immer wie­der wirk­lich gern gese­hen.

Der Sams­tag war der wärm­ste Tag mit ca. 26°C. Wir fan­den dann doch ein Plätz­chen auf einer Bank, die im Begriff war, unter der näch­sten 130-Kilo-Per­son weg­zu­knicken: 95 tole­rier­te sie. So sahen wir uns Hei­lung an.

Ich bin da sehr, sehr zwie­ge­spal­ten, aber aus Grün­den, die hier viel zu weit füh­ren wür­den. Im Grun­de machen sie das, was schon Ougen­wei­de sei­ner­zeit taten: z.B. den 2. Mer­se­bur­ger Zau­ber­spruch absin­gen. Aber: Hei­lung machen ein Ritu­al dar­aus: zu Anfang eine Rei­ni­gung der Büh­ne durch Räu­chern, dann die Anru­fung der vier Him­mels­rich­tun­gen, zu Beginn des Sets ein mehr­fa­ches Absin­gen des kom­plet­ten Älte­ren Fut­harks usw. Damit wird ein Ritu­al auf der Büh­ne auf­ge­führt, des­sen Teil­neh­mer zwin­gend alle Besu­cher sind. Wer das nicht will, muß im Prin­zip das Gelän­de ver­las­sen. Ich fin­de es pro­ble­ma­tisch, wenn man das The­ma heid­ni­sches Ritu­al ernst­nimmt, so etwas auf­zu­füh­ren. Ich fin­de es auch pro­ble­ma­tisch, Ange­hö­ri­ge ande­rer Reli­gio­nen oder Athe­isten in ein Ritu­al zwangs­wei­se zu inte­grie­ren.
Hei­lung holen mich mit ihrer Show, äh, ihrem Ritu­al nicht ab. Viel­leicht schrei­be ich doch spä­ter mal mehr dazu.

Tat­säch­lich hat mich das Nach­den­ken über das The­ma so genervt, daß ich nach dem Auf­tritt zum Auto zurück bin, wäh­rend Cor­ri-May sich noch Covenant ansah. Da man die Musik vom Wagen aus gut hör­te, habe ich mich etwas geär­gert: sehr schö­nes Set, vie­le Klas­si­ker, däm­li­cher Rush. (Note to self: nicht immer trig­gern las­sen.)

Auch das ist jetzt Schwar­ze Sze­ne…

Hier geht’s wei­ter zum Sonn­tag & Fazit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner