… ist nicht nur auf meins gemünzt, sondern auf die “Blogosphäre” als solche. Ich glaube, das Blog als Mitteilungskanal hat so langsam ausgedient. Das hat m.E. vor allem damit zu tun, daß immer weniger gelesen wird, daß Menschen mit langen Texten überfordert, von ihnen gelangweilt sind. Es wächst eine Generation heran, die bereits mit einem “langen Text” wie einer Speisekarte Probleme hat <gdrvvf> (auch das ist schon alt und wird von wenigen verstanden).
Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird geringer, das wiederum wird von Apps wie TikTok oder Instagram gefördert. Es ist eine – aus meiner Sicht – Abwärtsspirale, auch wenn ich selbst Instagram gern und z.T. intensiv nutze, weil mir die Kombination aus Bild, Text und Ton Spaß macht.
Persönlich kommen eher äußere Umstände hinzu, also daß ich weiter in der “alten Rechtschreibung” schreibe, was junge Menschen eventuell irritiert, wenn sie so ein “Buckel‑S” lesen müssen. Ich gendere zudem nicht, weder hier im Blog, noch im RL. Bei der politischen Wetterlage macht man sich damit keine Freund*innen.
Nebenbei kleines Zitat aus S. Blankertz, Verschwinde Staat: “Wer die Aussage der Hebamme nach der Geburt, ‘Es ist ein Mädchen’, zur Gewalt erklärt, es aber für keine Gewalt hält, wenn der Staat dem Studenten oder dem Unternehmer vorschreibt, mit welchen Sternchen er in seinen Klausuren resp. Stellenausschreibungen Personalpronomen zu versehen habe, dem gebricht es an einem Begriff der Logik.”
Täglich stolpere ich über ein Deutsch, das nur noch grausam klingt. Neulich in den Kommentaren unter einem Insta-Reel: da schreibt jemand sinngemäß, wie toll er / sie es findet, daß der OP den Dativ so korrekt genutzt habe: des Stockes… Dunning und Kruger lassen grüßen.
Das kommt auch daher, daß z.B. die Tagesschau mit ihren Nachrichten in leichter Sprache dieses Deklinieren komplett ausläßt: “der Präsident von dem Land X” statt “des Landes”. Meine Vorstellung war bei Ankündigung des Formats, man vereinfacht, ähnlich wie RFI es mit den einfachen französischen Nachrichten (Journal en français facile) macht, den Satzbau und nutzt keine ausgefallenen Vokabeln. Denn Sendungen in leichter Sprache sollen doch, so verstehe ich das, dazu dienen, daß man die Sprache besser lernt, aber kein halbwegs Gebildeter spricht wie die ‚honks‘ der “Tagesschau in leichter Sprache”.
Und letztlich, ganz persönlicher Eindruck, ist es m.E. keine Form von Wertschätzung (oder “Willkommenskultur”), wenn man mit jemandem so auf dem Level Robinson – Freitag spricht.
Aber Seitenkonzept, Sprachkonzept hin oder her: es wäre im Grunde egal, würde nicht jegliches Feedback zu den Seiten fehlen. Das hat vermutlich, ich sage mal, äußere Gründe, aber auch persönliche. Sucht man nach “Schwarze Szene” bei Google, so zeigt eine Ranking-Auswertung, daß sich meine Seiten von jenseits Platz 100 auf 14, “vorgearbeitet” haben. Es kommt guter, im letzten Jahr stark angestiegener ‘traffic’ via Google-Suche, der aber v.a. die nicht so ganz szene-spezifischen Seiten betrifft. Heißt: die Leute suchen nach Infos zu X, ziehen sich eine Seite raus, sind wieder weg.
Persönliche Gründe meint: wer im Netz “gesehen” werden will, muß kämpfen. Er muß an “allen Fronten” von Facebook über Insta zu TikTok präsent sein, Inhalte “plattformübergreifend” teilen, kommentieren, auf Kommentare reagieren. Das habe ich von Anfang an nicht gemacht, sondern auf die Plattform “Blog” gesetzt, denn ich habe ja schon einen Vollzeitjob im RL; selbst der Insta-Account nervt mich eher aufgrund der immensen Werbemenge und der dümmlichen Beitragsvorschläge der KI. Und ja, ich bin gerade in einem Zweit-Account wesentlich aktiver, was sich negativ auf den szenespezifischen auswirkt.
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: entweder ich schieße einfach weiter meine Meinungen, Rezensionen und Konzert-/Festivalberichte raus, oder ich packe ein. Für Letzteres ist der Account zu Ende Juni d.J. gekündigt. Ob ich bis dahin meine Meinung ändere, muß sich zeigen.
Hi Rush,
wäre schade, wenn dieser Blog wegfällt.
Letztendlich geht es um die Frage: Was willst du mit diesem Blog erreichen? Was ist dein Ziel? Gegen die Konkurrenz von TikTok, Instagramm und Co. kommst du nicht an, wenn du das nicht “Vollzeit” betreiben willst. Außerdem nehme ich dann, dass es nicht dein Stil ist, dich der “Aufmerksamkeitsökonomie” mit all ihren Übertreibungen, Polarisierungen usw. unterzuordnen. Das vergiftet am Ende nur die Gesellschaft.
Irgendwo hattes du einmal geschrieben, dass dir dieser Blog auch als eine Art “Tagebuch” (oder so ähnlich) dient. Sieh es doch so weiter an. Wen es interessiert, soll mitlesen, wen es nicht interessiert: Egal. Für dich selber bleibt es die Dokumentation eines Teils deines Lebens.
Ich schaue ab und zu gerne hier herein, kommentiere selten, aber bekomme immer wieder Anregungen zu Thema. Ist eben ein “Nischenthema”, aber umso wichtiger ist es, wenn ein paar Leute (wie du) am Ball bleiben.
Gruß
Michael