Mit ihrem Erstlingswerk “Talk to me” haben die Philippou-Brüder einen großen Erfolg errungen: ein wirklicher guter Horrorfilm, der mir sehr gefallen hat.
Mit “Bring her back” gehen sie in die nächste Runde und haben für mich die Meßlatte nochmal nach oben geschoben. Im Netz schrieb jemand sinngemäß: den Film schauen heißt, ihn ertragen müssen.
Ja, das ist einer der verstörenden Horrorfilme wie z.B. auch Speak no Evil oder Funny Games. [Minimale Spoiler im folgendenText]
Ich sage mal so: es werden zwei ‘Welten’ dargestellt. Da sind die grausamen Videoaufnahmen, die von Einblendung zu Einblendung deutlicher offenbaren, um was es der Pflegemutter Laura wohl gehen könnte.
Und dann die ’normale’ Ebene mit den Halbgeschwistern Andy und seiner blinden Schwester Piper, die nach dem plötzlichen Tod des Vaters eben zu Laura vermittelt werden. Man merkt schnell, daß Andy für Laura Konkurrent ist, den sie neutralisieren will, damit Piper allein bei ihr wohnen bleiben kann.
Weiter ist da noch das andere Pflegekind, Olli, ein verstörter Junge, der nichts spricht. Gerade die Horrorszenen mit ihm gehen schon ins Mark, Filmfutter meint, einige der Szenen seien unnötig drastisch.
Wer fehlt? Lauras vor nicht allzulanger Zeit ertrunkene, ebenfalls blinde Tochter Cathy.
Laura ist übergriffig und die Gewaltszenen gegen die Kinder sind z.T. schwer erträglich. Die Themen Wasser und Flüssigkeiten dominieren den Film.
Für mich etwas unklar, weil es nicht näher erklärt wird: das gesamte Anwesen Lauras ist von einem weißen Kalkkreis umzogen, so wie bei einem Ritualkreis. Olli reagiert auf das Verlassen des Kreises in krasser Weise. Der Kreis ist wohl das Bindeglied zu den Videoaufnahmen; dort taucht er auch auf.
Und das ist m.E. gerade die Schwäche des Films, so eine Dichotomie zwischen dem Grusel, der sich über die gut gespielte Laura aufbaut, und den vagen Andeutungen zu dem, was Laura vorhat. Denn offensichtlich arbeitet sie nicht allein an diesen – äh – Experimenten.
Somit ist das Ende zwar fulminant, dramatisch, blutig, aber bei mir blieb doch der Wunsch zurück, nach dem reinen Erfassen/Verstehen der Vorgänge (was will Laura mit den Kindern erreichen?) noch weitere Infos zu Ort und Personen zu erhalten, die in den Videos zu sehen sind.
Trotzdem: Empfehlung!
Aktuell ist der Film auf Netflix zu finden.