Als ich die Nachrichten bzgl. World of Warcraft “Forever” hörte, war ich schon getriggert. Ich habe viel Zeit ab ca. 2008 in dieses (Ur-)Spiel investiert, sicher manchmal zuviel. Dann wurde es mit stetigen Add-Ons immer umfangreicher, auch moderner, vor allem schneller. Der Levelprozeß gerade für neue Charaktere war ein ‘blast’ – alles schnell, alles effizient – und das Spiel wurde massiv verändert.
Später kam WoW Classic, das im Grunde das ganze Spielerlebnis noch einmal aufsetzt: Grundspiel, Burning Crusade usw. Das hat mich nie interessiert.
Und Forever, das “neue Classic”, soll nun das Erlebnis bis Level 60 bieten, nur Kalimdor und die Östlichen Königreiche. Alles auf “chillig” getrimmt mit dieser Abenteurer-Ausstattung zum Rasten und Auftanken, also je nach Klasse: Zelt aufbauen, Lagerfeuer, Zusatz-Boni (Räucherkerzen als Kräuterkundiger…) usw.
Am 6. wurde offiziell gestartet – und tatsächlich habe ich bis eben noch keinen Spieler mit Reittier gesehen.
Was ist nun mein Eindruck?
Ich bin zunächst mit einem Zwergen-Jäger gestartet, der jetzt bei Level 13 abhängt, habe dann einen Menschen-Paladin nachgezogen, Level 10. Die überarbeitete Grafik ist genial. Heute morgen lag dichter Nebel über Dun Morogh, dann kamen die Sonnenstrahlen durch, als ich Richtung Loch Modan abbog. Dort schüttete es wie aus Eimern. Schnell ins Gasthaus rein, wo man den Regen noch aufs Dach schlagen hörte. Sehr nett.
(Und ja, es ist auch nett, Loch Modan wieder mit Wasser gefüllt zu sehen, also nicht so verändert wie seinerzeit nach dem Cataclysm. So eine Art ‚homecoming‘.)
Aber… es sind 20 Jahre alte Spielmechaniken. Während man damals noch “gern” in der Gegend rumrannte und X Mobs killte, fühlt sich das heute schneckengleich an, schlicht langweilig. Allein von A nach B durch den Wald von Elwynn rennen, boah, das ist so öde… Plötzlich fällt mir dann auf, daß es ja wirklich nur diese weit auseinanderliegenden Flugpunkte gibt. Auch den in Kharanos, Dun Morogh, gibt es nicht, noch nicht, wieder nicht… Mit beiden Charakteren bin ich nun je zweimal nach Stormwind bzw. Ironforge gerannt – tote Zeit.
Ich weiß nicht, was es ist, aber das alte Spielgefühl will sich nicht mehr einstellen. Das erkläre ich mir vor allem damit, daß ich mich verändert habe.
Aber möglicherweise ist das so groß angekündigte WoW Forever eben doch ein Nischenprodukt für Zeitreisende, die sich 20 Jahre jünger machen wollen.
Ich kann mich daran erinnern, daß ich “damals” mit einem Zwergen-Krieger gestartet bin. In einer Art Tagebuch hielt ich z.B. fest: “heute meine erste Goldmünze erreicht”, also soviel Silber angesammelt zu haben, daß es tatsächlich 1 (ein!) Gold war. Dann auf einen Zwergen-Priester fokussiert, lange in einer (fast) Zwergen-only Gilde geheilt (die Nachtjagd auf der Ewigen Wacht).
Und nebenbei Twinks hochgezogen – und nicht wenige. Genau das ist das Gefühl, das ich jetzt habe: ich kenne alles, muß mir manches nur kurz in Erinnerung rufen, aber es ist das alte Spielerlebnis, das ich mehr als nur ein bißchen ausgekostet habe. Schon damals gab es lange Durststrecken mit den immer gleichen Quests und Mobs.
Das heute nochmal, nur grafisch aufgemotzt? Jein, ich bin mir unsicher. Vielleicht bin ich auch jetzt zu sehr reinge”rushed”, wollte leveln, das Tier zähmen können usw. Durch dieses Speed-Leveln bin ich einige Mal gestorben, weil aufgrund der Start-Phase soviele Mobs nachspawnen, das ist nicht mehr feierlich.
Dann habe ich mich an die „Magie“ Kalimdors erinnert, an die Wüsten in Desolance im Gegensatz zum Eschental. Dort möchte ich Zeit verbringen, daher habe ich einen Elfen-Schurken erstellt, der morgen zur Dunkelküste reisen wird. Aber… ganz ehrlich, ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Spiel länger verfolgen möchte. Da ist etwas – in mir, in der Gesellschaft, in der Spielebranche – auf der Strecke geblieben über die letzten 20 Jahre.
(Wer mal Kontakt herstellen will: bin im RP-Bereich als ‚Stormsong Trasmonte‘.)