DAH­MER: Mon­ster (TV-Serie)

frreepik.com - 18+Bit­te beach­ten: Im Sin­ne des Jugend­schut­zes wei­se ich dar­auf hin, daß hier sen­si­ble Inhal­te eines Medi­ums (Film, Serie, Buch) bespro­chen wer­den. Der Text soll­te ab Voll­jäh­rig­keit gele­sen wer­den.

 

10. und letz­te Fol­ge der Net­flix-Serie – Jef­frey Dah­mer erhält im Gefäng­nis Besuch von sei­nem Vater. Nach einem Gespräch über dies und das sowie Dah­mers Wunsch, sich tau­fen zu las­sen, fragt er sei­nen Vater sinn­ge­mäß: Wirst du mir je für das, was ich tat, ver­ge­ben kön­nen? Lan­ge Nah-Ein­stel­lung auf das Gesicht des Vaters, bis das „Ja, ich wer­de dir ver­ge­ben“ kommt.

Ich bin selbst Vater zwei­er Söh­ne. Oft habe ich mich in die­sen Vater Dah­mer hin­ein­ver­setzt, weil es für einen Vater – für Eltern – das Schlimm­ste ist, wenn das eige­ne Kind zum Mas­sen­mör­der und Kan­ni­ba­len wird. 17 Men­schen ermor­de­te Dah­mer, zer­stückel­te sie, aß zum Teil ihr Fleisch, alles in dem Wunsch, sie „kon­trol­lie­ren“ und „bei sich behal­ten“ zu kön­nen. Kann man – als Vater – die­sem Mann – Sohn – ver­ge­ben?

Es war aus­ge­rech­net mein jün­ge­rer Sohn, der mich auf die Serie bei Net­flix auf­merk­sam mach­te. Er schaue da etwas über einen Mas­sen­mör­der, das sehr gut nach­voll­zieh­bar gefilmt sei. Man bekom­me einen guten Ein­blick in die Gefühls­welt die­ses Man­nes.

Ja, die­sen Ein­blick bekommt man. Der Fall Dah­mer, der des ‘Kan­ni­ba­len von Mil­wau­kee’, war für mich neu. So bin ich unvor­be­la­stet an die Serie her­an­ge­gan­gen. Erst im Anschluß habe ich mir Ori­gi­nal-Video­ma­te­ri­al ange­se­hen, etli­che Inter­views mit Dah­mer, und bin zum Schluß zu kom­men, daß die­se Serie einen sehr guten Ein­blick in das Leben eines Mas­sen­mör­ders gibt. Aber was schrei­be ich? „Leben eines Mas­sen­mör­ders“… Einen Ein­blick in das Leben eines (fast) nor­ma­len jun­gen Man­nes, der an einem Zeit­punkt X durch die Ver­ket­tung von Ursa­chen und Dis­po­si­tio­nen falsch abge­bo­gen ist. Noch ein­mal die 10. und letz­te Epi­so­de: Dah­mer kon­tak­tiert den Gefäng­nis­prie­ster, redet über Jesus, über die Ver­bre­cher, die mit ihm gekreu­zigt wur­den, über den einen, der bereu­te. Gleich läuft in mei­nem Kopf der Tai­zé-Song „Jesus, remem­ber me, when you come into your King­dom“ ab. Ver­ge­bung für Dah­mer? Ja, natür­lich. Und zwar zuerst durch den (welt­li­chen) Vater, dann durch den himm­li­schen Vater, wenn er sich die­sem gegen­über öff­net und sei­ne Taten ehr­lich bereut. Das ist für vie­le Men­schen (heu­te) sicher kei­ne reel­le Vor­stel­lung.

Mir gefal­len an der Serie ins­be­son­de­re der Dah­mer-Dar­stel­ler, Evan Peters, und die Kame­ra­ar­beit, die inten­si­ven Ein­stel­lun­gen. Die Fra­ge, wie weit man beim Filmen/Zeigen gehen darf, wird im Legal Tri­bu­ne Online von Herrn Fester­ling dis­ku­tiert.
Ich habe die­se Serie ent­ge­gen mei­ner son­sti­gen Art im ‘bin­ge watching’ recht schnell gese­hen. Dah­mer konn­te sei­nen Weg zurück zu Gott nicht zu Ende gehen, er wur­de von einem Mit­häft­ling ermor­det. Aber sein leib­li­cher Vater hat­te ihm ver­ge­ben. Rache vs. Ver­ge­bung ist das The­ma jen­seits die­ser 10 Fol­gen auf Net­flix. Es wirft wei­te­re Fra­gen auf: Wäh­rend die Opfer­fa­mi­li­en Geld von Dah­mer oder Tan­tie­men aus Vater Dah­mers Buch haben wol­len, mit­hin im Sta­tus des Lei­des und Geschä­digt­seins ver­blei­ben, muß man fest­hal­ten, daß auch Vater Dah­mer einen Sohn “ver­lo­ren” hat – und das nicht erst durch sei­ne Ermor­dung. Kann er ver­ge­ben, weil der Sohn, der Mas­sen­mör­der, noch lebt und sich eine reli­giö­se Umkehr andeu­tet? Als er im der letz­ten Fol­ge sagt: “Du bist mein Sohn”, dann erin­nert das natür­lich an die Tauf­sze­ne Jesu: “Du bist mein gelieb­ter Sohn.” (Mk 1,11) Es ist ein The­ma, das uns direkt auf uns und unse­re Umwelt zurück­wirft, auf unse­ren eige­nen Umgang mit Schuld und Ver­ge­bung.

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